Frank Turner - Love ire & song

Frank Turner- Love ire & song

Epitaph / Indigo
VÖ: 24.07.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hoch die Tassen

Frank Turner ist nicht der Erste, den die olle Schlampe Punkrock enttäuscht zurück gelassen hat. Weltbürger Turner, geboren in Bahrain und aufgewachsen in der Nähe des englischen Winchester, machte manche schlechte Erfahrung als Sänger der Punkband Million Dead. Als sich die Band nach vierjähriger Schaffenszeit Ende 2005 wieder auflöste, hatte Turner erkannt, dass die schönen Versprechungen und Ideale auch nur weitere Oberflächlichkeiten waren. Was in der Folge mit dem Musiker passierte, lässt sich anhand seines bisherigen Solowerkes erahnen. Bars, Alkohol, Blues und mittendrin die Erleuchtung: So ist das Leben, besser wird's nicht. Warum also keine Musik darüber machen? "Love ire & song" ist das Ergebnis.

Mit den durchzechten Nächten noch in den Knochen, sitzt da plötzlich Erinnerung, sich volltrunken an der Schulter des besten Kumpels über das Übel der Welt ausgeheult zu haben. Oder war es doch nur irgendeiner der Suffköppe in einer der unzähligen schäbigen Bars? Egal. "Punkrock did not live up to what I hoped that it could be", bekennt Frank Turner im Titeltrack. Was zählt ist der Moment, das Hier und Jetzt, mit dem Guinness in der Hand: "Leave the mourning to the morning / Pain can be killed / With aspirin tablets and vitamin pills." Mitunter mit der Dringlichkeit und herrlichen Ironie eines Billy Bragg, jedoch ohne dessen politischen Anspruch, ist es in erster Linie die unerfüllte Liebe, die Turner um- und antreibt. Die bösen Frauen sind eh an allem Schuld. Aber ohne sie geht es eben auch nicht.

"Love ire & song" entfaltet seine stärksten Momente, wenn Turner den Rock einmal in der Ecke stehen lässt und ganz den Pub-Sänger zum Anfassen und Mitgröhlen gibt. Die Akustikgitarre ausgepackt, noch einen tiefen Schluck vom alten Bushmills und ab dafür. Neben dem bereits erwähnten Titeltrack klingt auch "Photosynthesis" mit seiner Violineneinlage mehr nach Sperrstunde und irischem Cork als nach englischem Winchester. Eine ähnlich zusammenschweissende Melancholie verströmen "Long live the queen" und "St. Christopher is coming home". Die Punk-Sozialisation ist Turner dabei zu jeder Sekunde anzuhören.

Stücke wie "Better half" oder "Imperfect tense" fallen im Vergleich jedoch ziemlich ab, weil Turner es etwas zu groß und schmierig haben wollte. Ohne diese Ausfälle hätte "Love ire & song" vielleicht sogar vordere Ränge bei den Singer/Songwriter-Alben dieses Jahres belegen können. Einen besseren Saufbruder als Turner wird man dieses Jahr jedenfalls kaum noch finden. Das zeigt schon die Parole aus "I knew Prufrock before he got famous": "The only thing that is left to do is get another round in at the bar." Prost!

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Photosynthesis
  • Love ire & song
  • St. Christopher is coming home

Tracklist

  1. I knew Prufrock before he got famous
  2. Reasons not to be an idiot
  3. Photosynthesis
  4. Substitute
  5. Better half
  6. Love ire & song
  7. Imperfect tense
  8. To take you home
  9. Long live the queen
  10. A love worth keeping
  11. St. Christopher is coming home
  12. Jet lag

Gesamtspielzeit: 45:51 min.

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