Herbstrock - Die bessere Hälfte

Herbstrock- Die bessere Hälfte

Columbia / Sony
VÖ: 14.08.2009

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Der ORF-Fernsehgarten

Immer wieder sonntags kommt nicht nur die Erinnerung oder Stefan Mross, sondern auch der ZDF-Fernsehgarten mit der rehabilitierten Andrea Kiewel. Wem die Sendung nichts sagen sollte, dem sei kurz erklärt: Hier treffen Künstler wie Dschungelcamp-Ross-Antony, Christina Stürmer oder auch die Zipfelbuben auf Lebensberatung und sonstigen Klimbim, mit dem man einen Sonntagvormittag mit öffentlichen Gebührengeldern verstreichen lassen kann. Stürmer wird auf lange Sicht nicht die einzige junge Musikerin aus Österreich bleiben, die sich in den Fernsehgarten verirrt. Längst künden unsere Nachbarn von einer neuen, frischen Kombo, die sich aufmacht, den deutschsprachigen Markt zu erobern. Das gewohnte Rezept: Texte gefüllt mit Schlager-Plattitüden zu NDW-Quietschigkeit. Bühne frei für Herbstrock.

Der Vierer aus Wiener Neustadt versucht, in jedem der zwölf Songs auf "Die bessere Hälfte" verschiedene Liebes- und Beziehungsdramen zu verarbeiten, verliert sich in den ruhigeren Momenten aber allzu oft in rosenstolzscher Gefühligkeit. Ansonsten wechseln sich aufmunternde Schulterklopfer mit fahlen Lebensweisheiten ab und bezeugen zum wiederholten Male, dass aus der deutschsprachigen Popszene kaum noch etwas Brauchbares herauszupressen ist. "Du stehst wieder auf / Nimmst die Kratzer in Kauf / So ist das Leben" deutelt Sängerin Anna Müller in "So ist das Leben" und erzählt damit eigentlich auch schon alles, was man über "Die bessere Hälfte" unbedingt wissen muss. Viele der anderen Songs sind leere Anlehnungen an bereits Gehörtes. Bei Mia. ist das Herz hungrig, bei Herbstrock pocht, pocht das blutende Herz hinterher und kann nicht mehr ("Herz lauf!"). Und dort, wo Juli sich wenigstens den Anstrich von Relevanz verleihen, schleppen sich Herbstrock beizeiten textsicher wie LaFee über die Linie. Dass einige der Stücke Charthitpotenzial haben, muss natürlich nicht erst betont werden. Andernfalls würde Herbstrocks Musik komplett an Sinn einbüßen.

Die Band hat mit ihrem zweiten Album der in den letzten Jahren aufflammenden Deutschpop-Bewegung um Mia., Silbermond oder Christina Stürmer also rein gar nichts Neues hinzuzufügen. Die künstlich mit Bedeutung aufgeblähten Texte verkommen zu hohler Phrasendrescherei. Wie so oft ist es einzig die durchweg glatte und professionelle Produktion inklusive einiger kleiner Elektro-Ausflüge, die das Schiff ein wenig auf Kurs hält. Aber was soll's? Die Kiewel wird freuen, dass sie ihrem schunkelnden Gute-Laune-Publikum mit den Feuerzeugen im Anschlag wieder etwas als jung und frech verkaufen kann. So wie es aussieht, wird das Herbstrock nicht weiter stören. Der Weg nach oben ist manchmal eben steinig. So ist das Leben.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

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Tracklist

  1. Um Dein Leben
  2. Die bessere Hälfte
  3. Wenn ich nur wüsste wie
  4. Herz lauf!
  5. Sag mir wieviel davon
  6. Klar
  7. Kopf durch Wand
  8. Keine Zeit
  9. Viel zu echt um schön zu sein
  10. Auf, ab und dann
  11. Wie lange noch
  12. So ist es eben

Gesamtspielzeit: 42:18 min.

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  • Herbstrock (9 Beiträge / Letzter am 13.12.2009 - 18:44 Uhr)