Various Artists - A tribute to Die Fantastischen Vier

Various Artists- A tribute to Die Fantastischen Vier

Columbia / Sony BMG
VÖ: 07.08.2009

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Der Problembär

Es gibt Menschen, denen man sofort ansieht, woher sie ihren Spitznamen haben. Andreas "Bär" Läsker gehört ganz klar zu dieser Gattung. Locker-lässig posiert der hünenhafte Manager der Fantastischen Vier - Erkennungsmerkmale: Fleischmütze und Goldkette - auf dem Cover des Tribute-Albums, das er zum 20. Dienstjubiläum seiner Schützlinge verbrochen hat. Seiner Mimik nach könnte dieser Meister Petz kein Wässerchen trüben, doch Fakt ist: Seit dem seligen Bruno hat kein Bär mehr so viel Schaden verursacht. Denn was Läsker hier zusammenschustern ließ, wird den Fantastischen Vier nicht nur in keinster Weise gerecht, sondern ist zudem auch noch eine ziemliche Frechheit.

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Ein Tribute-Album für eine so verdiente und popkulturell bedeutsame Band ist eine schöne Idee. Und dass sich der Manager persönlich darum kümmert, ist aller Ehren wert. Doch spätestens beim Blick auf die Interpreten-Zusammenstellung schlägt die Freude in blankes Entsetzen um. Läsker hat es tatsächlich geschafft, die Crème de la Crème der absoluten No-Gos der deutschen Musikszene zu versammeln. Revolverheld, Oomph!, In Extremo, Scooter und Thomas Anders sind ebenso am Start wie der ungekrönte König des Unterschichten-TV, Mario Barth, und der mindestens ebenso unlustige Dieter Nuhr. Hinzu kommen noch Auslaufmodelle wie Fools Garden, die Puhdys und Karat - und fertig ist die Bandauswahl straight outta hell.

Es wäre sicher kein Ding der Unmöglichkeit, dieser ganzen Angelegenheit wenigstens noch eine lustige Seite abzugewinnen. Etwa wenn sich eine der oben genannten Schreckenskapellen einfach mal an ein augenzwinkerndes Rap-Cover gewagt hätte, anstatt ihren üblichen Stiefel runterzuspielen. Aber natürlich ist es nicht so gekommen: Revolverheld, Oomph! und In Extremo rammeln ihren üblichen Schwanzrock runter. Scooter verkloppen "Troy" in ihren Teletubbies-Techno. Thomas Anders packt den seichtesten Synthie-Beat aus, den sich das krankeste Hirn vorstellen kann, und säuselt das im Original wunderbar funkige "Geboren" darüber. Nicht zu vergessen natürlich der schwer angesagte Roger Cicero, der das selbe Lied beim angejazzten Versuch, Rap in Gesang zu verwandeln, frontal gegen die Wand fährt. Auf dem Gipfel der Niveauarmut thront aber - wer sonst? - Mario Barth. Für dessen Sprechgesangs-Frechheit in schlechtem Berlinerisch muss die deutsche Sprache erst noch ein passendes Adjektiv entwickeln.

So dümpelt der Großteil der 36 Songs dieses Doppelalbums in furchtbarer Langeweile und Banalität vor sich hin. Nur hin und wieder entdeckt das schwer angeschlagene Gehör einen musikalischen Lichtblick. Das sind vor allem die Versionen, bei denen die Bands wenigstens etwas Leidenschaft an den Tag legen. Die dritte "Geboren"-Coverversion, nämlich die von Knorkator, gefällt durch überdrehten Chorgesang. Die englische Soulformation Mamas Gun stellt eine verschmitzt groovende "Die da?!"-Version auf die Beine, die absolut in Ordnung geht. Und ja, sogar Peter Maffays "Krieger"-Interpretation hat was, weil die rauchige Stimme des Altmeisterchens sich gut in die Atmosphäre einfügt. Auch Clueso beweist einmal mehr, dass es ein Skandal wäre, ihn mit dem restlichen Schund der deutschen Popszene in den selben Topf zu werfen. Ach ja, und der Disco-Punk, in den die Fehlfarben "Mehr geben" umarrangieren, ist auch einer der weniger traurigen Augenblicke.

Aber Highlights herauszupicken, hieße nur, vom Großteil dieser Compilation abzulenken. Und der ist unter aller Sau. Man kann nur spekulieren, was die Fantastischen Vier zu diesem Präsent ihres langjährigen Gefährten sagen und ob sie ihm die Freundschaft kündigen werden. Geburtstagsgeschenke sind eine heikle Sache, daran sind schon Ehen zerbrochen. Und selten passte es so gut wie hier zu sagen: Das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen.

(Mark Read)

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Highlights

  • Die da?! (Mamas Gun)
  • G.boren (Knorkator)
  • Hoffnung (Clueso)

Tracklist

  • CD 1
    1. Was geht (Version 2009) (Revolverheld)
    2. Dicker Pulli (Sebastian Krumbiegel)
    3. Geboren (Roger Cicero)
    4. Yeah yeah yeah (In Extremo)
    5. Sommerregen (7 Faces)
    6. Der Picknicker (Massive Töne)
    7. Die da!?! (Mamas Gun)
    8. Krieger (Xavier Naidoo)
    9. Ewig (The Rattles feat. Gary Krosnoff)
    10. G.Boren (Knorkator)
    11. Flüchtig (Thomas Godoj)
    12. Le Smou (Fr)
    13. MfG (Puhdys)
    14. Troy (Scooter)
    15. Laut reden nichts sagen (Grossstadtgeflüster)
    16. Was bleibt (Pohlmann & The Sauvignons)
    17. Mehr geben (Fehlfarben)
    18. Yeah yeah yeah (Yeti Girls)
  • CD 2
    1. Dicker Pulli (Mario Barth)
    2. Er muss raus (Juli)
    3. Wie die anderen (Gods Of Blitz)
    4. Über Nacht zum Krieger gemacht (Peter Maffay)
    5. Die Da?!? (Sasha)
    6. Sie ist weg (Onkel Rock'n'Roll)
    7. Ernten was wir säen (Oomph)
    8. Was bleibt (Christina Lux)
    9. Paranoia blues (Schizophren) (Karpatenhund)
    10. 4 gewinnt (Spezializtz)
    11. MfG (Pur)
    12. Geboren (Thomas Anders)
    13. Krieger (Version 2009) (Extrabreit)
    14. Nach dem Regen (Max Mutzke)
    15. Ernten was wir säen (Fools Garden)
    16. Sommerregen (Karat)
    17. Hoffnung (Clueso)
    18. Buenos Dias Messias (Dieter Nuhr)

Gesamtspielzeit: 140:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
ettaP (aka der Bär-enju.de)
2009-09-02 22:11:55 Uhr
Am geilsten ist in dem laut.de-Ding die Bildunterschrift "Nix übrig für Hip Hop, aber Kappen tragen!" :D
Eurodance Commando
2009-09-01 21:18:14 Uhr
Ei ei ei.

Die "Die da" version von Sasha (!!) ist ja echt aus der Hölle!

leidglich die Massive Töne Version von "Picknicker" macht Laune.

Näheres hier:

http://www.myspace.com/tribute2fanta4

Kompliment an Mark Read (ist er Engländer?) für eine tolle Rezension.
dr. house mit neuen folgen
2009-09-01 21:13:10 Uhr
erinnert mich an stephan weidner, dieses arschloch.
Eurodance Commando
2009-09-01 21:05:14 Uhr
Läsker ist und bleibt ein Idiot. Was sagen eigentlich die Fantas zu seinem Gelaber in dem Interview?

Davon abgesehen schlägt sich Bäsker in dem Interview zumindest am Anfang recht ordentlich.
Er hat bestimmt viel Schweiß & Arbeit in das Album gesteckt, es ist halt nur scheiße geworden. Läsker leidet einfach unter Geschmacksverirrungen.
shomo
2009-09-01 20:59:53 Uhr
vor allem, weil es (zumindest hab ich es so gelesen) wirklich kein interview mit dem ziel "nachträglich nochmal in die pfanne hauen" war, sondern durchaus, wenn auch natürlich unter etwas unangenehmen voraussetzungen, nochmal einen interessanten gesprächsgrundsatz zu liefern.

aber der typ ist ja einfach nur daneben.
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