El Grupo Nuevo De Omar Rodriguez-Lopez - Cryptomnesia

El Grupo Nuevo De Omar Rodriguez-Lopez- Cryptomnesia

Rodriguez-Lopez Productions Europe / Cargo
VÖ: 31.07.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Er will doch nur spielen

Fan von Omar Rodriguez-Lopez müsste man sein! Kein Däumchendrehen bis zur nächsten Platte mehr - wenn man glaubt, die letzte entschlüsselt, geschluckt und verdaut zu haben, ist die übernächste schon da. Kein Hadern mit misslungenen Alben mehr - Rodriguez-Lopez schreibt schneller als Chuck Norris. Und kein Ende ist in Sicht: Ist er zu stark, bist Du zu schwach. Für seine El Grupo Nuevo De Omar Rodriguez-Lopez hat Rodriguez-Lopez neue Lakaien ans Fließband gestellt: Zach Hill und Jonathan Hischke von Hella. Und ein paar alte zu Überstunden verdonnert: Juan Alderete und Cedric Bixler-Zavala, die auch schon bei The Mars Volta seine Gesinnungs-Gehilfen mimen. El Grupo Nuevo De Omar Rodriguez-Lopez' "Crytomnesia" ist die erste El-Grupo-Nuevo-De-Omar-Rodriguez-Lopez-Platte in einem Zyklus von bislang drei El-Grupo-Nuevo-De-Omar-Rodriguez-Lopez-Platten. Er will doch nur spielen.

Elf Stücke sind es, die Omar Rodriguez-Lopez für "Cryptomnesia" auserwählt hat. Direkt aus seinem Archiv, das mittlerweile so groß ist, dass es demnächst eine eigene Postleitzahl bekommen soll. Denn bis auf Bixler-Zavalas Gesang waren sämtliche dieser Songs schon fertig, als unsere 6/10 für "Amputechture" gerade eingetütet wurde. Hört man sich "Octahedron", das letzte The-Mars-Volta-Album, und "Cryptomnesia" direkt hintereinander an, bekommt man eine vage Vorstellung davon, wie anstregend das Schreiben von The-Mars-Volta-Songs zuletzt für Rodriguez-Lopez gewesen sein muss. Wenn er in "Noir" einen Improvisations-Samba in seine Einzelteile zerlegt, seinen Afro durchrüttelt und am Ende alles in einer Noise-Orgie inklusive Dengel-Gitarren implodieren lassen darf, hört man ihn bis hierher ausatmen. Und wenn er während seiner Lead-Einsätze auf seinem Griffbrett rauf- und runterklettert, als wäre er mit seinem Instrument verwachsen, klingt das schon mal nach einem Frontal-Zusammenstoß zweier Tanker. Wie die Musik aus der Ohrenschützer-Werbung. Oder nach zu vielen Pilzen.

Omar-Rodriguez-Lopez-Platten fangen oft ja schon so an, wie andere Platten nicht mal aufhören würden: Das Schlagzeug ist scheinbar jetzt schon zerdeppert, die Gitarren eiern durch die Tracks, als hätte man ihnen den Hals umgedreht, und vorne im Pulk zeigen sich die ersten Auflösungserscheinungen. Auch "Cryptomnesia" hat einen Einsteig, gegen den die letzten zehn Minuten von "Requiem For A Dream" wie das Intro der "Biene Maja" aussehen. Eine gute Handvoll Songs dauert es nämlich, bis Rodriguez-Lopez Bixler-Zavala und dem Rest der Band eine Verschnaufspause gönnt. In "Tuberculoids" scheucht er seine Musiker durch ein Prog-Labyrinth mit Drum-Patterns, für die man eigentlich eine Karte haben müsste, um wieder den Weg nach draußen zu finden. Und den anschließenden Eiertanz um ein Endlos-Riff in "Half kleptos" ertränkt er in einer Tunke aus Dieselöl. Tanzen würden dazu nur solche Leute, die auch zu Karlheinz Stockhausen eine Runde Lambada schieben.

Erst ab etwa "Shake is for 8th graders" lässt sich die El Grupo Nuevo De Omar Rodriguez-Lopez zu etwas herab, das man auch nahen Verwandten mit gutem Gewissen als Musik beschreiben könnte. Zach Hill, der auf dieser Platte manchmal ein unglauliches Hasenficker-Zeug trommelt, dehnt sich die Handgelenke, Rodriguez-Lopez vergisst für lichte Momente, sich selbst zu beweihräuchern, Bixler-Zavala nimmt einen Schluck aus der Helium-Flasche, und gemeinsam üben sie sich in Song, Struktur und sogar mal Melodie. Oder zumindest in etwas ähnlichem. Trotzdem bleibt "Cryptomnesia" bis zuletzt eine Platte, die man hätte mit Gebrauchsanweisung, Übersetzungs-Tabelle und Geld-zurück-Garantie ausliefern können. Möglich, dass George A. Romero persönlich die Vermutlich-Hommage "They're coming to get you, Barbara" selbst dann nicht blicken würde, wenn sein Kassengestell vom gleichen Modell wie das von Omar Rodriguez-Lopez wäre. Fortsetzung folgt. Muss ja.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Shake is for 8th graders

Tracklist

  1. Tuberculoids
  2. Half kleptos
  3. Cryptomnesia
  4. They're coming to get you, Barbara
  5. Puny humans
  6. Shake is for 8th graders
  7. Noir
  8. Paper cunts
  9. Elderly pair beaten with hammer
  10. Warren Oates
  11. Fuck your mouth

Gesamtspielzeit: 36:26 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 10072

Registriert seit 07.06.2013

2016-06-29 12:06:45 Uhr
Man hat ja selten etwas im Sound, an das man sich festhalten kann,

Stimmt. Dadurch werd ich auch jetzt noch nach Jahren immer wieder überrascht während das Album läuft.

Affengitarre

Postings: 2757

Registriert seit 23.07.2014

2016-06-29 11:46:11 Uhr
Ja, deine Rezi passt ziemlich gut. Ich mag ja auch dieses Gefühl der Verlorenheit, welches auch immer da ist. Man hat ja selten etwas im Sound, an das man sich festhalten kann, und das passt irgendwie super zum Konzept.

The MACHINA of God

Postings: 10072

Registriert seit 07.06.2013

2016-06-29 11:38:49 Uhr
("Schweineschlachtung" musste ich mr auch letztens anhören...).

Swans? :D

Aber das Schlagzeug und dieser ständige Lärm...

Kann es deshalb echt nicht oft hören, aber wenn ich die Energie dazu hab, ist es göttlich. Spätestens ab Song 4 eine reine Achterbahnfahrt der Synapsen.

Man möge sich nochmal die von mir geschriebene Rezi auf dieser Threadseite durchlesen. Steh ich immer noch dazu.

Affengitarre

Postings: 2757

Registriert seit 23.07.2014

2016-06-29 03:15:47 Uhr
:o

edegeiler

Postings: 974

Registriert seit 02.04.2014

2016-06-29 02:58:58 Uhr
Das einzige was das Album vorm scheiße sein rettet ist Bixler-Zavalas Vortrag. Der ist zwar gelegentlich dünn wie bei Bedlam, aber die Passagen in denen er kräftiger sprechsingt sind großartig.
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