Julian Plenti - Julian Plenti is ... skyscraper

Julian Plenti- Julian Plenti is ... skyscraper

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 31.07.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das heimliche Manöver

Rezensenten sind ja mitunter ganz schön verpeilte Vögel. Vor allem im Sommerloch, wo - wenn überhaupt - ausschließlich Veröffentlichungen von Gruppen ins Haus flattern, die kein Mensch kennt und die außerdem mit so merkwürdigen Bandnamen und Albumtiteln aufwarten, dass sie mit Blick aufs Releasedatum in circa zwei Monaten erst einmal unbeachtet in die Ecke fliegen. Wie zum Beispiel das Debüt von Julian Plenti. Bis sich schließlich irgendwann - man liest ja Internet - herausstellt, dass es sich dabei um die bereits ein paar Mal in den Medien angekündigte Soloveröffentlichung von Interpol-Frontmann Paul Banks handelt. Öfter mal was Neues: eine hochantizipierte Platte, die bewusst am Publikum vorbeigeschleust wird. Zumindest, so lange es geht.

Denn an die große Glocke hängt die Plattenfirma Julian Plentis wahre Identität bestimmt nicht. Den Namen Interpol nennt das Infoblatt genau einmal, und das auch nur, um zu erwähnen, dass Sam Fogarino bei einem Stück Schlagzeug spielt. Doch alle Verheimlichungsmanöver können schon beim Opener "Only if you run" nicht verhehlen, wer hier singt und Gitarre spielt. Anders als der Songtitel hat es Plenti/Banks jedoch gar nicht eilig, lässt die Drums gemütlich zu Brummelbass und verhaltenen Gitarrenharmonien poltern und legt den letzten Rest Weg vom belegten Grollen auf "Turn on the bright lights" hin zu einer variablen Gesangsleistung zurück. Banks oder Plenti, mit Band oder solo - hier musiziert jemand, der mit sich selbst im Reinen ist. "I've had my frustrations, but now I've found my place." Es sei ihm gegönnt.

Und auch wenn er auf dem Cover etwas desorientiert auf einem Sofa von der Größe des neuen ZDF-Nachrichtenstudios unter bunten Buchstabengirlanden sitzt, ist der Mann nicht alleine auf seiner Privatparty. Hinzu gesellen sich etwa der erwähnte Sam Fogarino, Ratatat-Gitarrist Mike Stroud und jede Menge weitere ausgezeichnete Songs. Zum Beispiel "Fun that we have", das mit kratzigen Riffs und ständigen Tempowechseln auf Teufel komm raus verzögert und gerade daraus seine Spannung bezieht. "Skyscraper" blüht mit akustischer Gitarre und einer feierlichen Streichersektion im Verborgenen und kommt nur ganz kurz einmal aus sich heraus, bevor "Games for days" die Interpol-Muskeln spielen lässt: Das Drum-Stakkato stampft wie ein "Mammoth", bis im alles aufdrehenden Refrain die "Slow hands" in die Lüfte gehen. Worin genau genommen nicht der Sinn einer Platte wie dieser besteht. Toll ist das natürlich trotzdem.

Zumal noch genug anderes auf "Julien Plenti is ... skyscraper" wartet, das bei Interpol vermutlich null Prognose hätte. Defensive Gutenachtlieder wie "On the esplanade", das köstliche "Girl on the sporting news" mit schleppendem Twang oder die himmelhoch trötenden Fanfaren von "Unwind", die den ganz großen Pop wollen und auch kriegen. Ein letztes Aufbäumen, bevor das Album auseinanderzufallen beginnt und sich einige kompositorische Risse leistet. Selbst rohe Gitarren und unsanfte Rhythmusgruppe vermögen das noch einmal alle Kräfte mobilisierende "Fly as you might" kaum mehr zusammenzuhalten. Auch Julian Plenti ist eben manchmal ein verpeilter Vogel - allerdings einer mit Musikalität, Ideen und Stil. Wie es wohl weitergeht, wenn man demnächst wieder Paul Banks zu ihm sagen darf?

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Only if you run
  • Fun that we have
  • Games for days
  • Girl on the sporting news

Tracklist

  1. Only if you run
  2. Fun that we have
  3. Skyscraper
  4. Games for days
  5. Madrid song
  6. No chance survival
  7. Unwind
  8. Girl on the sporting news
  9. On the esplanade
  10. Fly as you might
  11. H

Gesamtspielzeit: 37:48 min.

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