Sights & Sounds - Monolith

Sights & Sounds- Monolith

Redfield / Cargo
VÖ: 24.07.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Leben danach

Hardcore ist noch lange nicht das Ende vom Lied. Das weiß man nicht erst seit Ian MacKaye und Fugazi. Oder Michaela Schaffrath und Gina Wild. Andrew Neufeld ist im bürgerlichen Leben Sänger von Comeback Kid, einer Hardcoreband. Er kennt die Tricks und Kniffe seines Genres aus dem Effeff. Aber Andrew Neufeld ist auch Künstler. Jeder kennt das, der sich mal in eine Sache richtig reingebissen hat, sei es im Schützenverein, im Flöten-Unterricht oder beim Stapeln von Tetris-Blöcken: Irgendwann ist die Luft raus. Irgendwann will man weiter. Ein bisschen mit den Regeln spielen, was Neues versuchen. So manches Hobby ist schon daran zerbrochen. So manche Beziehung gescheitert. Und so manche Band zerschellt. Um Andrew Neufelds Comeback Kid muss man sich nicht fürchten, noch nicht. Denn seine Spielwiese heißt Sights & Sounds, und mit seiner Gewohnheitsliebe Comeback Kid hat sie in etwa so viel zu tun, wie man das von so einer Nebenband erwarten würde: wenig bis gar nichts.

"Monolith" ist nicht bloß irgend ein Debüt. Es ist die Platte von Regelbrechern, die Regeln aus Vorsatz brechen. Von Männern, die mit Hardcore groß geworden sind und jetzt mal woanders hin wollen. Schlagzeuger Joel Neufeld komplettiert mit Andrew gar ein Bruderpaar in Rock – man muss annehmen, dass Sights & Sounds die Geschichten um die Gallaghers für Quatsch mit Quoten aus der Yellow Press halten. Zusammen haben sie ein Album aufgenommen, wie man es unter solchen Vorzeichen vermuten würde: mit Gitarren, die seufzen, als hätte man sie soeben zum ersten Mal aus viel zu klein gewordenen Käfigen befreit. Mit Refrains, so kräftig, wie sie nur jemand in Aufbruchstimmung schmettern kann. Und mit Melodien, deren Eingängigkeit niemanden überraschen sollte, der jemals einen Song von Comeback Kid gehört hat.

Selbst die Effektspielerei von Metal-Produzent Devin Townsend hat auf diesem Postcore-Urlaub ihren Platz: Akkorde, die mitunter sowieso schon durch die Stücke hallen, dass einem ihr letztes Echo auch noch zu Ostermontag 2019 in den Ohren klingelt, lässt Townsend noch ein bisschen länger hallen. Und Andrew Neufelds Stimme, die Kenner bereits als Chester Bennington gehört haben wollen, schafft Raum zur Entfaltung. Das muss Produzent Townsend auch: Nicht nur in "Sorrows" packen Sights & Sounds eine Lage Gitarrensound auf die andere. Vielmehr klingt die ganze Platte so, als hätten hier Musiker zum ersten Mal entdeckt, dass ihre Instrumente auch mal ganz von alleine Melodien, Stücke und Stimmungen tragen können. Um schließlich fast ohne Verzerrer-Einsatz in "Borderlines" wie eine Sternschnuppe zu verglühen.

Die Ergebnisse dieser Erkenntnis berühren dort, wo tolle Songs Menschen immer als erstes berühren: direkt im Herzen. "The furthest truth" schaltet von einer Gänsehautmelodie über in die nächste, "Storm the sun" ist eine Hymne, die zu sehr Pop ist, um noch Postcore zu sein. Und "Pedal against the wind" könnte mit seinem Radio-Chorus der unpeinliche Song auf der Chester-Bennington-Soloplatte sein – sofern so etwas überhaupt möglich ist. Irgendwo dort, wo sich Menschen treffen, die nach Jahren im Trott plötzlich wieder viel Neues zu erzählen und zu entdecken haben, dort treffen sich Sights & Sounds. Noch sind sie für Andrew Neufeld nur eine Gelegenheit, sich auszutoben. Die Frage scheint nicht zu sein, ob das so bleibt. Wenn kurz nach "Pillars" der letzte Akkord die Beine ausstreckt und noch immer nachhallt, wenn der Plattenteller schon zum Stillstand gekommen ist, stellt sich vielmehr Frage: Wie lange bleibt das noch so?

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Sorrows
  • Pedal against the wind
  • Subtle, severe

Tracklist

  1. Sorrows
  2. Shudder, St. Kilda
  3. Storm and the sun
  4. The clutter
  5. Neighbours
  6. The furthest truth
  7. Pedal against the wind
  8. Night train
  9. Reconcile
  10. Borderlines
  11. Subtle, severe
  12. Sorrows II
  13. Pillars
  14. Untitled

Gesamtspielzeit: 63:57 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Their/They're/There
2013-10-25 08:45:30 Uhr
Die CD erscheint in Deutschland am 8 November. Wird aber bestimmt noch nach hinten verschoben.
Comeback Kid
2013-10-24 17:17:27 Uhr
Neue EP im Anmarsch.

Poli's Song:

https://soundcloud.com/purenoiserecs/sights-and-sounds-polis-song/s-rzUX1
toolshed
2010-01-12 18:05:46 Uhr
So so.. ist zwar scheiße, aber dann ist es wohl eben so. Aber wenn ich Sights And Sound und Dead By Sunrise parallel laufen lasse, sind die stimmlichen Unterschiede einfach da. Ob in den ruhigeren oder den lauteren Passagen, ich höre da gravierende stimmliche Unterschiede. Vorallem was die Ausdrucksstärke anbelangt. Da wird es sowas von verdammt deutlich.
chucky
2010-01-12 17:24:00 Uhr
Immerhin haben wir dann wohl die Ohren auf. ;)
Nee im Ernst, wer die deutlichen Ähnlichkeiten zwischen den beiden Stimmen nicht erkennt, DEM ist nicht mehr zu helfen.
toolshed
2010-01-12 16:53:58 Uhr
Wer hier tatsächlich Chester Bennigton raushört. Dessen Gehör möchte ich nicht mal meinem ärgsten Feind gönnen.
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