Krezip - Nothing less

Krezip- Nothing less

WEA / Warner
VÖ: 24.09.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fritten und Pralinen

Zehntausende von Holländern können nicht irren. Nein, es geht diesmal nicht um die hartnäckige Blockierung der linken Fahrstreifen deutscher Autobahnen oder die Besetzung einheimischer Campingplätze. Stattdessen machen sich fünf Jungspunde aus unserem Nachbarstaat plötzlich unter dem Namen Krezip auf deutschen Bühnen breit. Wie die zu Ende gegangene Festivalsaison zeigte, haben sie auch stets ganze Buskolonnen voller textsicherer Fans dabei. Ganze Lastwagen herangekarrter Alben haben diese denn auch im Laufe des letzten Jahres aus den Plattenläden in die guten holländischen und belgischen Stuben gelotst. Nicht nur die Hitsingle "I would stay", sondern auch das dazugehörige Album "Nothing less" blockierte wochenlang die Chartsspitzen und ist mit einiger Verspätung nun auch hierzulande zu erwerben.

Was aber ist dran an der flandrischen Begeisterung? Zunächst einmal ist da der mehrstimmige Gesang aus den Goldkehlchen von Jacqueline Govaert und Annelies Kuijsters. Während letztere ihre weiche Harmoniestimme vom eigenen Klavierspiel umperlen läßt, hüpft Jacqueline auf der Bühne wie ein grinsender Gummiball umher, röhrt fleißig mit imaginären Elchen um die Wette und beeindruckt mit einer kraftvollen und doch vielseitigen Kehle. Der Rest der Band beackert im Hintergrund ein Feld, auf dem meist knackiger Poprock wächst. Gedüngt mit dem, was schon Landschaftsgenossen wie Anouk oder K's Choice in den letzten Jahren zum erfolgreichen Export verhalf, gibt dieses Früchtchen allerdings manchmal das Gefühl, in eine wäßrige Fleischtomate zu beißen.

Doch es sind nicht die höchstens soliden Rocker, die die Stärke der Jungspunde aus Tilburg ausmachen. In sachter Zurückhaltung lebt, atmet und vibriert das schon angesprochene "I would stay" zu verspielten Klaviertupfern. Das Spiel von laut und leise entfaltet gerade hier seine Schönheit. Auch "Everything and more" und "Fine" klettern den Nacken wie eine Gänsehaut herauf und hinterlassen ein mollig warmes Wohlgefühl. Wie Fremdkörper wirken da fröhlich gedroschene Kracher wie "Happy now", "Protection" oder "Let it go". Den Spaß mit dem Spiel an der Lautstärke hört man Songs wie "All unsaid" oder "Give my life" deutlich an. Die drei Damen und zwei Herren bedienen sich dann reichlich aus der großen Riffkiste des Rock und lassen die samtweiche Zweistimmigkeit des Gesangs auch den plumpesten Schlager zu etwas Besonderem veredeln. Zehntausende von Holländern können ja bekanntlich nicht irren. Oder etwa doch?

(Oliver Ding)

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Highlights

  • I would stay
  • Everything and more
  • Fine

Tracklist

  1. All unsaid
  2. Won't cry
  3. Give my life
  4. I would stay
  5. Protection
  6. Why do I
  7. Thought that you would be
  8. Get it on
  9. Everything and more
  10. Happy now
  11. I'll be gone
  12. Let it go
  13. Fine

Gesamtspielzeit: 46:54 min.

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  • Krezip (14 Beiträge / Letzter am 17.05.2006 - 19:34 Uhr)