Golden Silvers - True romance

Golden Silvers- True romance

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 22.05.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Glitzerfummler

Es gibt Sachen, die gibt es gar nicht - etwa die merkwürdige Kombination von Edelmetallen, die das Trio Golden Silvers im Namen trägt. Auch wenn der Sänger und Songschreiber Gwilym Gold heißt, so erklärt sich darin der Bandname bestenfalls notdürftig. Da Reden nun aber immerhin Silber ist, nutzt die Band aus London ihren Facebook-Account in letzter Zeit verstärkt als Liveticker, um die neuesten Errungenschaften des Festivalsommers kundzutun - unter anderem Auftritte im Vorprogramm von Blur und Jack Peñate. Und die wissen ja in der Regel, was sie tun. Was man auch guten Gewissens von Golden Silvers sagen kann.

Die flirten auf ihrem Debütalbum nämlich fröhlich mit Soul und Psychedelia, treiben flinke Dancebeats vor sich her und sind sich auch für den überkandideltsten Pop und Pomp nicht zu schade. Durch die Songs spuken entrückte Bewusstseinszustände, umnachtete Majestäten sowie Gottheiten aus gleich mehreren Mythologien. Und natürlich die ganz großen Gefühle. Auf dem Cover drängeln sich Farbenpracht und schwurbelige Symbolik, und auch musikalisch funkelt alles wie frisch vom Firmament geholt. Golden Silvers umarmen nicht bloß die ganze Welt, sondern greifen mindestens nach den Sternen. Wem das zu kitschig ist, der hat Pech gehabt. Und jetzt gefälligst her mit den kleinen Universen.

Dass Golden Silvers bei so viel Überschwang manchmal auf die Nase fallen, gehört dazu. Etwa wenn Gold am Boden zerstört "My love is a seed that doesn't grow" lamentiert. Beim hypernervösen "Shakes" bekommt sogar die komplette Band einen Zittrigen, rauscht ständig in tiefe, orchestrale Stolperfallen ab und fummelt sich nur mühevoll mit Rufen aus der Echokammer und gepeinigt heulenden Gitarren wieder heraus. Ein ungemein zielsicher gesetzter Batzen Reizklima, der die vor Melodieseligkeit und überschäumendem Ideenreichtum berstenden Stücke treffend konterkariert. Zum Beispiel den hyperaktiv hopsenden Tanzhit "True no. 9 blues", der klingt, als wären die Stereo MCs in einen Kessel Zaubertrank gefallen, oder das sich in schwindelnde Höhen schraubende "Magic touch".

"Queen of the 21st century" wackelt zu mächtigen Pianomassiven fröhlich mit dem Hintern, während Freddie Mercury weit oben vor Neid erblasst und sich vorsichtshalber noch einmal mit der Pinzette in die Hose kneift. Ein so opulentes Farbenmeer voll Psychedelia, Groove und beseeltem Größenwahn muss man aus zeitgenössischem Hippie-Indie, kalkweißem Soul und Dinosaurier-Pop der Siebziger und Achtziger Jahre erst einmal herausdestillieren. Und da Golden Silvers immer noch Briten sind, mischt sich gelegentlich auch eine kleine Gemeinheit hinein - wie im zunächst aufgekratzten "Arrows of Eros", das sich zum Schluss hin fieberhaft überschlägt und böse endet: "It was bound to fall apart / Thanks to Cupid's lazy dart / But wouldn't it be sweet / If they could die from a broken heart?" Nie glitzerte der Tod verführerischer. Die Liebe ist eben eine Himmelsmacht - und "True romance" bis auf weiteres ihr würdiger Statthalter.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • True no. 9 blues
  • Magic touch
  • Shakes
  • Arrows of Eros

Tracklist

  1. Another universe
  2. True no. 9 blues
  3. Magic touch
  4. My love is a seed that doesn't grow
  5. Here comes the king
  6. Shakes
  7. Queen of the 21st century
  8. Please Venus
  9. Arrows of Eros
  10. Fade to black

Gesamtspielzeit: 43:01 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
peppey paloma
2009-06-09 11:20:42 Uhr
ja, doch ganz nett. besonders die kitschigen songs gefallen. schön tuffig das ganze.
U.R.ban
2009-04-24 17:49:10 Uhr
Schon ganz nett, auf jeden Fall, aber mit diesem typischen Britengenäsel habe ich so meine Probleme...
Mixtape
2009-04-24 16:52:40 Uhr
Das Album im Stream
Mixtape
2009-03-11 16:46:14 Uhr
Golden Silvers - True Romance
(XL-Recordings/ Beggars Group/ Indigo) Vö: tba

Die Golden Silvers gelten zur Zeit als eine der aufregendsten neuen Bands in London.
Ihr psychedelisch angehauchter Mix aus 80´s Keytar-Sounds und schicken Indie-
Gitarren-Riffs macht die Band schon mal zu den Grundsympathen des Jahres.
Schlechte Zeiten brauchen eben gute Musik, weshalb die Golden Silvers ungestüm
für bessere Zeiten raven. VÖ wird im Mai sein.


Video "Magic touch"

Video "True romance"
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