Daughtry - Leave this town

Daughtry- Leave this town

No, Butyes! / Sony BMG
VÖ: 24.07.2009

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Alles was zählt

Tock, tock, tock. Na, was war das? Das Klappern des Geldzählers in der Bank, wo Daughtry ihre Poprock-Millionen abladen? Nicht schlecht, aber falsch. Der gute Geschmack, der anklopft, um zu fragen, ob es langsam mal gut ist? Wärmer. Chad Kroegers Klopfen auf Holz, auf das seine nächsten drölfzig Nickelback-Abriebe auch wieder Multi-Platin einbringen? Beinahe. Es sind die dumpfen Schläge vom Rezensentenschädel gegen die Zimmerwand. Dass viele Menschen auf dieser Erde Madonna lieber hören als The Mars Volta, ok, das lässt sich ja noch gut akzeptieren. Die Form von glattgezogenem, bedeutungsschwangerem Radio-Poprock-Schmonz aber, wie ihn Daughtry machen, weist seit gut zehn Jahren nicht wenig, sondern gar keine Variation auf. Ewig die gleichen Texte, die gleichen Hooks, die gleiche Leier. Es kann nicht jeder endlose Wiederholungen so lieben, wie die Teletubbies oder Rolf Zuckowski es tun. Aber bitte: Wer sind die Leute, denen eine völlig beliebige Platte wie "Leave this town" aus der Seele spricht?

Bevor der Kulturpessimismus ausartet, bleiben wir nahe an der Band, die hier sicher auch Prügel für Erscheinungen im Musikgeschäft bezieht, die sie selbst nicht zu verantworten hat. Mit "You don't belong" wird der Hörer zunächst einmal in die Irre geführt: Ein Gitarrenriff von patenter Härte, nach dem Intro bleibt zumindest noch etwas von der Güte eines schwachen Linkin-Park-Moments. Danach aber beginnt eine musikalische Einöde. "No surprise" lief so schon gefühlte hundert Mal im Radio, nur unter anderem Namen. Und die Singles vom Debüt "Daughtry" waren definitiv gefälliger. Gerade will der Hörer vom Plattenhändler seinen angezahlten Nickel zurück, da kommt schon Chad Kroeger um die Ecke und haut einem seine Co-Writer-Credits für drei Songs des Albums um die Ohren. Wer hatte noch seine Finger mit im Spiel? SR-71, Hinder, Lifehouse, der Country-Star Vince Gall - es ergibt Sinn, dass eine Szene sich gegenseitig unterstützt, innerhalb derer ohnehin alle paar Wochen verschiedene Künstler dem gleichen Song unterschiedliche Namen geben. Das Ergebnis klingt so unglaublich überamerikanisiert, dass man Zucker danach für Salz hält.

"I felt this emptyness before", schmachtet Sänger Chris Daughtry in "Learn my lesson" - wir auch, im Herbst 2007. Etwa zur gleichen Zeit, als "Daughtry", das Debüt der Band, erschien. Bestimmt könnten sie es besser, vermutlich kommt auch einfach amerikanisches Pathos auf europäischem Grund immer als Verflachung des Inhalts an. Nur lässt sich solch musikalisches Einerlei schwer abnicken, wenn es mit The Fray, Seether, Staind oder auch den in Ungnade gefallenen Nickelback ausreichend artverwandte Beispiele gibt, wie es (zumindest etwas) besser geht. "Leave this town" dagegen wirkt auf ganzer Länge wie mit Gleitmittel eingerieben, es bleibt einfach nichts hängen. Wenn doch mal ein okayes Riff die Aufmerksamkeit an sich zu reißen droht, steht sofort ein 08/15-Refrain parat und macht aufflammende Hoffnungen zunichte. Hoffentlich werden sie dafür mit Geld nur so zugeschmissen. Geschähe das dann noch mit Münzgeld, würde der Schmerz zu seinem Meister zurückkehren.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • You don't belong

Tracklist

  1. You don't belong
  2. No surprise
  3. Everytime you turn around
  4. Life after you
  5. What I meant to say
  6. Open up your eyes
  7. September
  8. Ghost of me
  9. Learn my lesson
  10. Supernatural
  11. Tennessee line
  12. Call your name

Gesamtspielzeit: 47:39 min.

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