Simon Says - Shut your breath

Simon Says- Shut your breath

Hollywood / Edel
VÖ: 24.09.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das weiße Pferd

Was Tonkonserven nicht alles können. Den Tag retten, Aggressionen abzubauen helfen. Nach einem vertränten Tag ein erstes Lächeln auf das fahle Gesicht zaubern. Und ganz neu: Projektionen im heimischen Wohnzimmer auslösen. Das geht so: Man lege "Shut your breath" von Simon Says ein, setze sich in einen bequemen Sessel, drücke den Startknopf auf der Fernbedienung und warte einen Moment. Nur ganz kurz wird es dauern, dann läuft inmitten der Einrichtung ein weißes Pony durch den Raum. Es schaut auf und lächelt einen an. Hasch mich, ich komme aus Sacramento.

Was lief quer bei Simon Says? Auf dem Erstling "Jump start" war noch eine absolut gelungene Mischung aus hohem Tempo und dezenten Momenten zu beobachten, die nicht bei jeder Oktave an etwaige Vorbilder erinnerte. Auch wenn das Album noch keinen Meilenstein bedeutete, lag doch so manche inzwischen ganz große Band auf ihrem Debüt deutlich weiter neben der Spur. Wer die Karriere der Deftones beispielsweise nach ihrem ersten Album hätte voraussagen sollen, hätte schon fast hellseherische Kräfte an den Tag gelegt. So war "Jump start" immerhin ein erfreulicher Willkommensgruß an die weite Welt, die das Quartett mit einem ordentlichen Deal in der Tasche nun endgültig erobern möchte.

Und nun? Zu hohe Erwartungen? Zu viel Kontakt zu den übermächtigen Nachbarn, die mit "White Pony" ein gigantisches Werk vorgelegt haben? Die einzelnen Stücke auf "Shut your breath" jedenfalls sind für sich gesehen nicht zu verachten. "Blister" beispielweise zeigt auf eindrucksvollste Weise, was möglich ist, wenn die Band ihre eigenen Markenzeichen ungehemmt freiläßt: Geradlinige Songführung, ein mehr als passabler Sänger Zac Diebels, fette Gitarren, noisige Einlagen, Kreischen, Melodie, Energie. Gut so. Nicht gut ist, daß weite Strecken des Albums an das von den Deftones so herausragend erarbeitete Muster anknüpfen.

"Dead Weight" reißt die guten Ansätze wieder hinab in den Strudel des Plagiatorendaseins, und auch bei "Segue" wäre der Einsatz der Stimme von Herrn Moreno keine Überraschung. "Reite auf dem weißen Pony, solange es galoppiert" mögen sich die vier jungen Musiker gedacht haben und sitzen dabei noch erstaunlich fest im Sattel. Doch spätestens auf dem nächsten Album verspricht der Gaul träge zu werden. Bis dahin sollten Simon Says dringend eine Kehrtwendung machen - hin zu sich selbst, noch einmal zurück an den "Jump start". Denn gut kopiert ist nicht automatisch halb gewonnen.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Silk moth
  • Blister

Tracklist

  1. Hey you
  2. Syphon
  3. Canvas
  4. Silk moth
  5. Segue
  6. Blister
  7. Dead weight
  8. Limousines & Penthouse suites
  9. Tourniquet
  10. Train wreck
  11. El ess

Gesamtspielzeit: 48:58 min.

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