Counting Crows - This desert life

Counting Crows- This desert life

Geffen
VÖ: 01.11.1999

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Unerwartet fröhlich

Immer wieder "Colorblind"... So muß ich diese Review einfach beginnen, denn dieser Song aus dem Film "Eiskalte Engel" war es, der mich in den Plattenladen trieb und diese CD kaufen ließ. Wer bei diesem Stück keine feuchten Augen bekommt, wer sich bei den ersten perlenden Tönen des Klaviers nicht hemmungslos dem Liebeskummer ergibt, wer bei den ersten klagenden Klängen von Adam Duritz nicht seufzend nach dem Kissen sucht, ist entweder glücklich verliebt oder von den Socken aufwärts tot.

So zerbrechlich und trotzdem hoffnungsvoll hat in den letzten Jahren selten ein Song den Weg an meine Ohren gefunden. Doch es gibt noch mehr, weshalb diese CD immer wieder erklingt. Schließlich haben die Counting Crows den Weg aus der Dunkelheit geschafft, auch wenn sie gerne und immer wieder mit der Melancholie kokettieren. Das Augenzwinkern, das neuerdings aus ihrer Musik herausschaut, läßt dies aber viel sympatischer, ja sogar teilweise fröhlich klingen. Nach ihrem Debüt "August and everything after", das mit "Round here" und vor allem "Mr. Jones" veritable Hits abwarf, und dem eher depressiven "Recovering the satellites" geht dies durchaus als Überraschung durch. So zurückgelehnt und relaxed hat man die Crows eigentlich nicht erwartet.

Doch schon mit den ersten Tönen wird klar: Das Leiden hat ein Ende. Ein schepperndes Schlagzeug und eine verhalten bratzende E-Gitarre weisen den Weg und dieser führt definitiv aufwärts. Das Folkfeeling früherer Tage ist geblieben, der Countryappeal ist immer noch vorhanden, wird aber deutlich vom wiederentdeckten Rock'n'Roll-Gefühl überdeckt. Hier scheint sich die Produktion von David Lowery (Cracker) und Dennis Herring ausgezahlt zu haben. Mit Cracker verbindet die Crows aber nicht nur Lowery, sondern auch ein ähnliches Verständnis von rootsnaher Musik, die dennoch keineswegs abgestanden klingt.

Wenn die Stiefel noch schmutzig sind, nimmt man den Dreck eben von draußen mit in die gute Stube des Studios. Hier merkt man die Wärme und atmet den Staub. Generell atmet das ganze Album die Luft einer entspannten Jam-Session. So sind immer wieder vereinzelte Zwischenrufe und einzelner Applaus zu hören und auch der Klang erinnert eher an im Wohnzimmer aufgebaute Verstärker als an ein durchtechnisiertes Studio. Sterilität ist eben nicht die Sache der Counting Crows und die von Adam Duritz schon gar nicht.

Für eine gute Geschichte braucht er immer eine gewisse Stimmung, und wenn nötig überschreitet das Lied eben die sieben Minuten. Der Mann hat etwas mitzuteilen. Aber seine Geschichten sind spürbar munterer geworden. Statt sich seinem Leid und seinen unerfüllten Hoffnungen hinzugeben, singt er diesmal lieber "Hey, I can bleed as anyone, but I need someone to help me sleep". Statt sich in Trauer und Depression zu ergehen, rotzt die Band eben auch mal einen Track wie "Kid things" herunter. Statt sich immer nur mit dem Ernst der Welt zu beschäftigen, wünscht sich Duritz eben auch mal "I wish I was a girl".

Die gewachsene Anzahl von relaxten Mid-Tempo-Rockern, die die Erinnerung an ihren "Mr. Jones" aufleben lassen, tut der Platte und auch hörbar der Band richtig gut. Mit jedem Besenschlag und jedem Aufdrehen des Verstärkers hört man das Vergnügen, das ihnen die Aufnahmen bereitet haben. Aber die Counting Crows wären nicht sie selbst, wenn sie auf die Melancholie im 6/8-Takt verzichten könnten. Die Hymnen und das Leid sind eben doch noch da, wenn auch nicht mehr so aufdringlich. Und da ist ja immer noch "Colorblind"...

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Hanginaround
  • Mrs. Potter\'s lullaby
  • Colorblind
  • St. Robinson in his Cadillac dream

Tracklist

  1. Hanginaround
  2. Mrs. Potter's lullaby
  3. Amy hit the atmosphere
  4. Four days
  5. All my friends
  6. High life
  7. Colorblind
  8. I wish I was a girl
  9. Speedway
  10. St. Robinson in his Caddilac dream
  11. Kid things

Gesamtspielzeit: 59:45 min.

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