Discovery - LP

Discovery- LP

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 03.07.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Das ist Fledermausland

Hier können Sie nicht anhalten. Es muss schnell weitergehen. Fahren Sie lieber in ein gemütliches Fisch-Restaurant und stillen Ihren vielleicht noch unbemerkten, aber sicher vorhandenen Heißhunger nach rotem Lachs! Es könnte gut sein, dass Ihnen dabei zwei merkwürdige Gestalten über den Weg laufen - der eine etwas behaarter, der andere etwas verrückter. Meiden Sie Umwege, Fledermäuse und Pseudo-Portugiesen. Schauen Sie niemandem in die Augen, wenn sie denn welche haben! Und vor allem: denken Sie an Ihre Medizin! Dann könnten auch Sie vielleicht erleben, was die beiden oben erwähnten Herren - Rostam Batmanglij von Vampire Weekend und Wes Miles von Ra Ra Riot - durchgemacht haben, als sie sich zu ihrem gemeinsamen Nebenprojekt Discovery entschieden haben.

Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass deren Debütalbum, logischerweise schlicht "LP" genannt, kein normales ist. Der Titel allein ist kurz, knackig und sagt in zwei Buchstaben aus, um was es sich handelt. Die Songs allerdings sprechen eine andere Sprache. Nicht selten wirkt die Musik des Albums wie ein gewisser Film mit Captain Jack Sparrow: laut, bunt, wirr, schrill und verdreht. Seltsam, wie von einem anderen Planeten. So speziell unspeziell, wie es sonst nur Golfschuhe sein können. Und so verdammt cool, auf eine ganz eigene, unbefangene Weise. "Orange shirt" klingt so dermaßen nach einer schlechten Boyband, und das darauffolgende Entsetzen ist unbeschreiblich. Denn die Stimmung schlägt um, schon bald bleiben die Füße nicht mehr still, und der ganze Körper gerät in Bewegung.

"I wanna be your boyfriend" dagegen ist wie ein letzter Drink am frühen Morgen, irgendwie zu viel, und doch gut, wenn auch die Wände von ganz alleine anfangen, sich zu drehen. Die Erkenntnis dahinter ist, dass Discovery ihr über vier Jahre zusammengeschustertes Album gar nicht so ernst nehmen dürften, wie die meisten Kritiker es tun. Und wenn es ein schlechter Scherz ist, dann ist der echt gut. Zu "Swing tree" fahren Mario und Luigi in Höchstgeschwindigkeit und auf LSD durch die Wüste. Sie entspannen dabei wahrscheinlich, ohne es selbst zu merken, während Vampire Weekends Ezra Koenig persönlich auf "Carby" vorbeischaut. Und wieder ist da dieses Gefühl, dass man den Song unter anderen Umständen und von einem anderen Interpreten komplett beknackt finden würde. Gottes eigene Prototypen hätten dieses kitschige Stück Elektropop wohl nicht nur versaut, sondern noch dazu bierernst gemeint. Batmanglij und Miles ist das egal. Munter kreuzen sie Pop und Plüsch, R'n'B und Ra Ra Riot, Vocoder und Vampire Weekend, Soul und Synthesizer - und kommen damit auch noch durch.

An dieser Stelle stellt sich nur die Frage, ob man es eher Zufall oder Schicksal nennen soll, dass Discovery zu kurz nach dem Dahinscheiden des wahrhaftigen King of Pop eine Hommage der besonderen Art hinterlassen, als dass sie das geplant haben könnten: Zugegeben, Michael Jackson hätte "I want you back" vielleicht doof gefunden, andererseits hätte er die elektrische Schlange vielleicht auch einfach erschossen. Batmanglij und Miles sind da anders, sie gehen das Risiko ein, sich komplett zu Bubbles zu machen. Und das tun sie, vom ersten bis zum letzten Song. Als Ihre Rezensentin rate ich Ihnen dennoch: Meiden Sie Fahrstühle, miese Rechtsverdreher und Sunshine Acid - und hören Sie das Album. Das dürfte ausreichen.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Can you discover?
  • Swing tree
  • Carby
  • Slang tang

Tracklist

  1. Orange shirt
  2. Osaka loop line
  3. Can you discover?
  4. I wanna be your boyfriend (feat. Angel Deradoorian)
  5. So insane
  6. Swing tree
  7. Carby (feat. Ezra Koenig)
  8. I want you back
  9. It's not my fault (It's my fault)
  10. Slang tang

Gesamtspielzeit: 30:01 min.

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