Poison The Well - The tropic rot

Poison The Well- The tropic rot

Ferret / Hellfest / Universal
VÖ: 17.07.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dies ist keine Übung

Gutes ist selten. Wenn man sich benimmt, sich nach jeder Mahlzeit die Ohren wäscht und all seine Amazon.de-Bestellungen über das Plattentests.de-Suchfeld abwickelt, dann ist es mit viel Glück alle zwei, drei Jahre mal wieder so weit: Ein paar Typen verkeilen sich ineinander, dass man meinen könnte, es ginge es um weit mehr, als den Gegenspieler auf die Matte zu legen. Das Publikum bejohlt jede Aktion. Und der Schweiß dringt einem selbst dann noch in die Nase, wenn man das Spektakel mit Schleimbeutel-Entzündung von der letzten Reihe aus beobachtet. Ja, Ringer-Meisterschaften sind hart. Poison-The-Well-Platten sind das auch. Gerade weil sie bei jeder Neuauflage die Kampfregeln durcheinander wirbeln. Oder gleich komplett an den Aktenvernichter verfüttern. Sich eins grinsen. Und noch einmal von vorne beginnen.

Von "Versions" bis "The tropic rot" haben Poison The Well wieder über zwei Jahre gebraucht. Und sind dabei so unberechenbar geblieben, dass Wettbüros aus gutem Grund keine Wetten auf ihre Platten anbieten. Die Nachfrage ist nämlich kleinergleich Null. Verständlich, denn: Wer selbst nach dem experimentellen "Versions" darauf getippt hätte, dass sich auf der Platte danach ein "When you lose I will lose as well" befindet, muss The Übernext Uri Geller sein. Oder ein naher Verwandter. Mindestens bis zur Halbzeit legen Poison The Well hier Moskito-Netze aus, machen Latino-Geschrubbe und schicken ihr bei eBay ersteigertes Bongo auf Tauchstation. Dies ist keine Übung. Erst recht kein Lesefehler.

Ein Song, der bezeichnend für eine Platte ist, die Hardcore-Sounds erneut als Grundfundament für Stimmungen versteht, statt sie auf die Bedürfnisbedfriedigungs-Formeln der meisten Konkurrenz zu kürzen. Kein Platz ist hier für Moshparts, keiner für Breakdowns und vor allem ist hier kein Platz für Pappkameraden, die Unbeteiligten ihre neuesten Kickbox-Moves unter die Nase treten wollen. Selbst dann, wenn's mal richtig knallt, ist "The tropic rot" der Postcore-Soundtrack zu einem schwarz getünchten US-Roadmovie, dessen Protagonisten in Utopia, Texas von Rednecks zerstückelt werden. Wonach man sie in dreißig Kisten voll Puzzle-Spielen nach Jamaica verschifft. Häppchenweise. Nicht nummeriert. Und das ist erst der Prolog gewesen.

Vieles auf diese Platte ist gar nicht mal grundlegend neu. In den meisten Songs verheiraten Poison The Well Altbekannte mit Langzeit-Vermissten: Um "Who doesn't love a good dismemberment?" als Bonus auf eine Neuauflage von "You come before you" zu kriegen, hätten Poison The Well keine Brechstange gebraucht. In "Sparks will it rain" brüllt Jeff Moreira zeitweise wie seit etwa zwei Platten nicht mehr. "Exist underground" ist ein ähnlich gelungener Anheizer wie seinerzeits "Letter thing". Und der Mann am Schlagzeug spielt sowieso ein Zeug, gegen die das Uffda der Epigonen wie Kinderkram aussieht. Schwerer einzuordnen: wenn Poison The Well in "Without you and one other I am nothing" ein klein wenig was am Casio klimpern und dann eine Flasche Tequila köpfen. So ist das auch gemeint. Poison The Well müssen sich das bisschen Unberechenbarkeit bewahren. Als Vorreiter wissen sie: Nur tote Postcore-Bands schwimmen mit dem Strom.

(Sven Cadario)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Sparks it will rain
  • Antarctica inside me

Tracklist

  1. Exist underground
  2. Sparks it will rain
  3. Cinema
  4. Pamplemousse
  5. Who doesn't love a good dismemberment?
  6. Antarctica inside me
  7. When you lose I will lose as well
  8. Celbrate the pyre
  9. Are you anywhere?
  10. Makeshift clay you
  11. Without you and one other I am nothing

Gesamtspielzeit: 47:11 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify