Eskimo Joe - Inshalla

Eskimo Joe- Inshalla

Warner
VÖ: 26.06.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Das Monster aus der Tiefe

Rund 16.000 Kilometer wollen zwischen Australien und Deutschland überbrückt werden. Was bereits für Flugzeuge eine schwer zu überwindende Distanz ist, wird für Schallwellen sicher nicht einfacher sein. Anders ließe sich kaum erklären, warum die in ihrer Heimat mit mehrfach Platin ausgezeichnete Band Eskimo Joe in Europa bisher kaum Fuß fassen konnte. Immer noch sind die früheren Slots auf Festivals für die Herren aus Fremantle reserviert. Damit aber der Europäer nun auch etwas von den hoch dekorierten Australiern mitbekommt, haben Eskimo Joe den Sound auf ihrem vierten Longplayer gleich etwas größer angelegt. Dabei haben sie leider vergessen, auch an so etwas wie einen Spannungsbogen zu denken. Statt dessen versucht die Band nicht nur die weniger guten, sondern auch manch gelungenen Song unnötig mit Bedeutung aufzublasen. So springt der orientalisch angehauchte Opener, die erste Single "Foreign land", mit auf den Heath-Ledger-Trauerzug auf und soll vom Anfang 2008 verstorbenen Landsmann und der bösen Stadt New York handeln.

Was bei anderen Bands als Stilvielfalt gepriesen werden kann, verkommt in den Händen Eskimo Joes zu einem unausgegorenen Mischmasch ohne rechte Richtung. Und noch schlimmer: Für eine Band, die ihre gestiegenen Ambitionen gar nicht erst leugnen will, wirken die groß angelegten Refrains und Melodien doch arg verkrampft. "Inshalla" schwankt zwischen charmant-juvenilem Collegerock und entbehrlichem Altherren-Radiorock, der in ein paar Jahren einer Ansage von Hugo Egon Balder zum Opfer fallen könnte. Dass "Inshalla" über die ganze Spielzeit betrachtet nichtsdestotrotz eine recht ausgewogene Platte geworden ist, hat die Band der Tatsache zu verdanken, dass die handwerklich guten Musiker dann und wann auch ihre großen Herzen hervorkramen und so etwas wie Authentizität zu spüren ist. Der künstlerische Graben zwischen einigen Liedern ist zwar immens, das Niveau pendelt mal mehr mal weniger stark hin und her. Doch lassen Eskimo Joe in ihren besten Momenten den üppig aufgeplusterten Pop einfach Pop sein und zeigen, dass ein guter Song auch viel leichtfüßiger zu haben ist. "Falling for you" und "Losing my mind" sind spannende Stücke, die vor allem durch die Dynamik des Schlagzeugs bestechen. Auch das sich smart zurückhaltende "Childhood behaviour" fällt positiv auf, da hier Lebendigkeit und Aufrichtigkeit durch die sonst so künstlich zugepatschte Sounddecke brechen.

Doch der musikalische Graben ist nicht nur breit, sondern auch ungefähr so tief wie der Marianengraben. Auf dem Grund, am tiefsten Punkt, fast im qualitativen Nichts, lauert "Don't let me down". Der Song erinnert mit seinem anbiedernden Gute-Laune-Refrain und dem abstoßenden Gehechele auf ganz unangenehme Weise an einen Sommerhit aus den 80ern, dessen Titel man glücklicherweise und völlig zu Recht wieder verdrängt hat. So etwas dürften sich nicht einmal die größten Eskimo-Joe-Fans in ihren dunkelsten Träumen vorgestellt haben. "Don't let me down" biegt den Pfeil, der das Album eigentlich mit der ganz leichten Tendenz nach oben zeigen ließ, wieder zurück auf die Mittelstufe. "Inshalla" holt sich seine Auszeichnungen vor allem in der zweiten Hälfte, wo es an Leichtigkeit und Frische gewinnt. Leider lässt es trotzdem keinen Aufschluss darüber zu, warum Eskimo Joe in der nächsten Festivalsaison einen der begehrten Abendslots erhalten sollten. Dafür wirkt vieles des auf "Inshalla" Dargebotenen einfach zu kühl kalkuliert. Die 16.000 Kilometer kann die Band demnächst wohl weiterhin gleich nach dem Mittagessen wieder zurückfliegen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Childhood behaviour
  • Losing my mind
  • Your eyes

Tracklist

  1. Foreign land
  2. Inshalla
  3. Losing friends over love
  4. The sound of your heart
  5. Childhood behaviour
  6. Don't let me down
  7. Falling for you (Intro)
  8. Falling for you
  9. Losing my mind
  10. Your eyes
  11. Please Elise
  12. Morning light

Gesamtspielzeit: 39:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
kds77
2009-03-19 13:44:56 Uhr
Neues Album wird am 29. Mai 2009 in Australien veröffentlicht!

Das neue Kapitel heißt "Inshalla", die erste Single daraus "Foreign Land". Und die zeigt schon, in welche Richtung Eskimo Joe steuern: Mehr Fokus auf dem Schlagzeug, durchdachtere, fokussierte Arrangements, anspruchsvolle Melodien - aber trotzdem ordentlich Gitarre. Ein spannendes Album wird das! (www.warnermusic.de/eskimojoe/news)
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