The Blackout - The best in town

The Blackout- The best in town

Epitaph / SPV
VÖ: 22.05.2009

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Neues vom Trickser

Alles gelogen! Journalisten, die über The Blackouts Platte "The best in town" recherchieren, treffen irgendwann auf Waschzettel-Autoren, Pressesprecher und Wiki-Einträge, die ihnen die folgende Geschichte verkaufen: The Blackout seien eine Band aus Wales, die schon ein Album, eine EP und einen Anheizer-Slot vor den Lostprophets in ihrer Vita stehen habe. Bis hierhin wird nicht mal die Wiki-Seite rot. Brett "Epitaph" Gurewitz sollen die Songs auf "The best in town" so begeistert haben, dass er sich gleich die Vertriebsrechte gekrallt habe. Ob eine Ablösesumme an das alte Label überwiesen wurde, erfährt man zwar auch beim Nachbohren nicht. Man kann aber davon ausgehen, dass darüber "Stillschweigen vereinbart wurde", wenn dem so gewesen ist – professioneller PR-Scheiß, logo. Warum der Urheber dieser Geschichte mittlerweile eine Nase haben muss, die von Duisburg-Ungelsheim bis auf den Mond reicht? Frei nach Otto Rehhagel: Die Wahrheit ist auf dem Plattenteller. Und der schnarcht schon nach 15 Minuten Spielzeit, als hätte man ihn fürs Schnarchen gebaut.

Die wahre Geschichte hinter dieser Platte beginnt so: Obwohl der Sommer 2002 erwiesenermaßen ähnlich beschissen war wie die meisten Bahnhofsklos, gab es damals auch ein paar Lichtblicke. Rudi Völlers Resterampe kahnte sich in Asien ins WM-Finale, uns Dani Gerhardt versenkte die Heulbojen von Muse in einem Mehr aus Fress-Metaphern, und auf der anderen Seite der Welt regte sich was im musikalischen Untergrund zwischen Punk, Metal und Emo: Bands wie Finch und The Used schrien ihre ersten Platten ein. Die Jüngeren wissen das vielleicht nicht, aber: Ja, das Unheil namens "Screamo" kam genau da her. Elternbriefe also bitte ausschließlich an oben genannte Adressen. Dankeschön.

Was das jetzt mit "The best in town" zu tun hat, ist schneller erklärt, als Bert McCracken seinerzeit brauchte, um Ozzy Osbournes Jüngste zu schnackseln: "The best in town" hört sich ganz so an, als hätten es John Feldman und The Blackout in einer Kaffeepause während den "The Used"-Sessions eingespielt. Feldman hat anschließend den ohnehin schon Bratzgitarren die dicke Hose übergestülpt, die man vor diesem neuen Screamo nur von überproduzierten Nu-Metal-Platten kannte. Weil die meistens was zu verbergen hatten. "Explicit Lyrics", mit denen man auch damals schon nicht ins Walmart-Regal kam. Vor allem aber: Songideen, die nicht für damals noch 50 Pfennig taugten. "Mastered by muppets" ist keine Erfindung der Neuzeit. Früher mischte man Platten nur halt vorher schon auf Tinnitus.

Und dann ist "The best in town" verschollen. The Blackout gaben eine Vermisstenanzeige auf, spielten noch zwei, drei Konzerte im Vorprogramm von Silverstein und lösten sich dann auf. 2009 zehn Minuten vor Sommerloch: Die Immer-noch-Heulbojen von Muse wurden nie wieder so schön abgewatscht wie damals, und Epitaph-Boss Brett Gurewitz findet im Keller vom Kollegen John Feldman diese Platte hier. Behalten darf er sie auch. Der Rest ist mindestens so schnell erzählt wie Bert McCracken damals ..., na ja. Gurewitz hat "The best in town" in ein schickes Artwork geschnürt, die Legende von einer aktiven Band namens The Blackout verbreitet (wir berichteten) und die Platte dann auch bei Walmart ins Regal gestellt. Was Gurewitz hingegen nicht hat: sich von "The best in town" mehr angehört als zwei, drei okaye Songs zu Beginn. Sonst wären ihm nämlich aufgefallen: Screamo-Zielgruppenbedienung, deren Verfallsdatum Ende 2002 abgelaufen ist. Kindergartenmelodien, neben denen sich die Alternative Allstars plötzlich anhören wie "Sgt. Pepper". Und einen Pups von Breakdown zum Abschluss, zu dem nicht mal Kartenhäuser wackeln.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Save ourselves (The warning)

Tracklist

  1. Shut the fuck uppercut
  2. Save ourselves (the warning)
  3. Top of the world
  4. The fire
  5. Children of the night
  6. Said and done
  7. Silent when we speak
  8. I love myself and I wanna live
  9. This is why we can't have nice things
  10. We're going to hell... so bring the sunblock

Gesamtspielzeit: 44:28 min.

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  • The Blackout (16 Beiträge / Letzter am 16.06.2019 - 16:44 Uhr)