Spinnerette - Spinnerette

Spinnerette- Spinnerette

Hassle / PIAS
VÖ: 26.06.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dalle Dalle!

Der Zeitgeist hat das Biest gezähmt. Ein wenig zumindest. Denn in Zeiten, in denen Beth Ditto das Nonplusultra der Weiblichkeit und Everybody's Darling verkörpert sowie offiziell als Muse von Karl Lagerfeld gilt, gewinnt auch ihre Band Gossip an Einfluss. Klar ist, dass Brody Dalle, Ex-Frontfrau der Distillers, zumindest in körperlicher Hinsicht Ditto um Weiten unterlegen ist. Wenigstens musikalisch möchte Josh Hommes Angetraute der Rubensdame Ditto auf Augenhöhe begegnen. Was läge näher, als die Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen, ein paar namhafte Studio- und Livemusiker um sich zu scharen und das Kollektiv Spinnerette zu gründen? Alle Entscheidungsgewalt liegt in Dalles Händen, eh klar. Der dreckige Rest ist nur noch Beiwerk. Aber mal ehrlich: War dies bei den Distillers wirklich anders?

Brody Dalle ist natürlich nicht plötzlich zur Discomaus mutiert, sondern im Herzen immer noch Punkgöre, Courtney Love 2.0. Dementsprechend neigt sich schließlich auch die Waage auf Spinnerettes selbstbetiteltem Debütalbum. "All babes are wolves", "Baptized by fire" oder "Ghetto love" brüsten sich zwar mit viel mehr Popappeal, als The Distillers es je gewollt hätten. Doch Dalle und die bisweilen renitenten Gitarren können nicht verhehlen, dass "Spinnerette" kein bonbonbuntes Kleidchen für Clutchbagträgerinnen ist. Dalles Stimme bäumt sich gegen den Einheitsbrei auf und verführt die eine oder andere angestaubte Hookline hinüber auf die gute Seite. Sie macht "All babes are wolves" nebenbei zu einem veritablen Hit, der in jeder guten Indiedisco rauf- und runtergespielt werden müsste.

Der energetische, verspielte Punk mit angedeuteter Tanzeinlage kann seine Anfangseuphorie nicht auf Dauer halten und kippt ab der Hälfte in eigenhändig gerührtes Einerlei. Selbst Brode Dally hat es als "Sex bomb" schwer, einem älteren Semester wie dem Tiger Tom Jones in Sachen Sexyness das Wasser zu reichen. Dessen fetziger Schmachter gleichen Namens an die geriatrische erste Konzertreihe lässt die Höschen heißer werden, ganz ohne Heizdecke. Man kann Josh Hommes Großmutter quasi die Schlüpper schmeißen hören. Dalle hingegen bleibt blass und kühl, das Versprechen eben auch nur dieses. Da hilft es nicht viel, dass neben dem alten Bandgefährten Tony Bevilacqua auch Alain Johannes von Eleven und Jack Irons, ehemaliger Drummer von Pearl Jam und der Red Hot Chili Peppers, ihre Hände im Spiel haben.

Der Spagat zwischen Punk und Tanzbarkeit ist Spinnerette auf Albumlänge nicht gelungen. Und man muss kein Hellseher sein, um sagen zu können, dass auch Nachfolgealben von Spinnerette wohl keinen Innovationspreis einheimsen werden. Einerseits werden andere wieder einmal schneller sein und sich andererseits auf dem Tanzparkett leichtfüßiger bewegen als Brody Dalle. Ihr Zuhause ist nicht die Disco, sondern die Straße oder der etwas ranzige Clubkeller. "Spinnerette" gewinnt immer dann, wenn Dalle kratzen, beißen und sich gegen die Melodien zur Wehr setzen kann. Und das kann sie leider zu selten. Dalles Geist will nicht so recht in diese Zeit passen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • All babes are wolves
  • Baptized by fire

Tracklist

  1. Ghetto love
  2. All babes are wolves
  3. Cupid
  4. Geeking
  5. Baptized by fire
  6. A spectral suspension
  7. Distorting a code
  8. Sex bomb
  9. Driving song
  10. Rebellious palpitations
  11. The walking dead
  12. Impaler
  13. A prescription for mankind

Gesamtspielzeit: 53:23 min.

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