Molotov Jive - Songs for the fallen apart

Molotov Jive- Songs for the fallen apart

Strange Ways / Indigo
VÖ: 26.06.2009

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Spiel mit dem Feuer

Größenwahn ist schon eine seltsame Sache. Klar, wenn sich diverse HipHop-Künstler im Zehn-Sekunden-Takt in den Schritt greifen, um zu demonstrieren, wer hier wirklich den Größten hat, ist das reines Affentheater. Wenn Madonna in Malawi ihre Kinder einkaufen geht, ihren Promistatus schamlos ausnutzt und damit auch noch durchkommt, bestärkt das die Gute sicher auch in ihrem Vorhaben, Mutter Erde den Posten streitig zu machen. Auch Molotov Jive versuchen es im Vorfeld der Veröffentlichung ihres neuen Albums "Songs for the fallen apart" mit ein paar markigen, kernigen Sprüchen. Eine Vision hatten sie, heißt es. Dass dieses Album ihr "Born to run" sei. Dass sie klingen wollten, als hätte Phil Spector auf Speed die E-Street-Band produziert. Große Worte für eine mehr oder weniger unbekannte Band. Nach dem ersten Hördurchgang kommt allerdings auch schnell die Ernüchterung. Nach einigen Songs stehen dem Hörer die Haare ähnlich zu Berge wie dem mittlerweile einsitzenden Spector auf den neusten Polizeifotos.

Und dass auch Bruce Springsteen, bekanntermaßen der Schöpfer hinter oben genanntem "Born to run", sicher nicht erfreut sein dürfte, dass sein Meisterwerk in einem Atemzug mit einem Album genannt wird, das dem Hörer nach der ersten Hälfte bereits dermaßen auf den Keks geht, darf angenommen werden. Nein, der Molotov-Cocktail zündet an keiner Stelle so recht, und sogar der ewige Vergleich zu Sugarplum Fairy scheint übertrieben - und wenn schon Mando Diao Junior das Spiel mit dem Feuer besser verstehen, sollte man das Streichholz vielleicht aus der Hand legen. Da hilft auch das beruhigende Piano in "Prologue" nicht. Die Lunte ist bereits auf "Monday Tuesday" zu kurz, um sie greifen zu können. Da hilft auch das hektische Geschrei im Refrain nicht, das Feuer ist aus, bevor es überhaupt brennen konnte. "Cecilia and the love" versucht es mit ruhigeren Tönen. Zugegebenermaßen eine schöne Melodie, die sich innerhalb der andauernden vier Minuten aber nicht verändert und gegen Ende eine gewisse Monotonie ausstrahlt.

Der Ofen ist aus und das Album bleibt kalt, das macht wenig Hoffnung auf einen schönen Sommer mit Molotov Jive. "Hold up" klingt, als hätte Razorlights Johnny Borell im Studio übernachtet, was verzeihlich ist, wenn man sich das schamlos von Mando Diao abgekupferte "Down on you like rain" betrachtet. Nein, Spaß macht es nicht, wenn man sich ständig an andere Bands erinnert fühlt, denen man nur noch etwas Wind aus den Segeln genommen hat. Einzig und allein "Song for the fallen apart" und "Epilogue" überzeugen durch Eigenständigkeit, nach all der Warterei und bei einer derartigen Durststrecke ist der Hörer mit seinen Cocktails auf den Barrikaden aber leider schon lange ausgetrocknet. Größenwahn ist, wie gesagt, eine seltsame Sache - wenn der Wahn allerdings überhand nimmt, sollte man Größe zeigen können. Und leider ist nicht mal alles, was man sich abgeschaut hat, den Aufwand wert.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Cecilia and the love
  • Song for the fallen apart
  • Epilogue

Tracklist

  1. Prologue
  2. Monday Tuesday
  3. Bridges burn
  4. Paint the city black
  5. This is not happening to us
  6. Cecilia and the love
  7. Nicotine
  8. Down on you like rain
  9. Hold up
  10. Leave it in the streets
  11. Song for the fallen apart
  12. Epilogue

Gesamtspielzeit: 31:45 min.

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