Moby - Wait for me

Moby- Wait for me

Little Idiot / Ministry Of Sound / Edel
VÖ: 26.06.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Spät dran

Moby hat die Nase voll. Von Celebrity-Partys, auf denen von ihm verlangt wird, sich als Popstar auszugeben. Von der RIAA und leidigen Urheberrechtsdiskussionen. Vom Zwang, ständig Hits schreiben zu müssen. Und um all dem aus dem Weg zu gehen, veröffentlicht er bereits ein Jahr nach dem Discoheuler "Last night" ein neues Album auf seinem eigenem Label. Seinen Namen versteckt er dabei winzig klein in der rechten unteren Ecke des Covers - Bescheidenheit ist nun einmal eine Zier, die er sich inzwischen leisten kann. Andererseits entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass Moby seine Absage an den kommerziellen Charakter von Popmusik ausgerechnet anlässlich eines Albums formuliert, das stellenweise deutlich zum Stil seines Millionensellers "Play" zurückkehrt. Mit elegischen synthetischen Streicherflächen, Gospel-Samplings und ätherischen Balladen, die das einstige Proto-Techno-Kid inzwischen beherrscht wie kein zweiter.

Doch Vorsicht: Der "Little Idiot" kann noch so liebenswert gezeichnet durch das Booklet stapfen. "Wait for me" ist trotzdem keine niedliche Platte, sondern will Stimmungen greifbar machen und Atmosphären verdichten. Etwa durch Shoegaze-Nebulösitäten und ungemütliche Gitarren-Reverbs im verschachtelten "Shot in the back of the head". Oder die Nähe zu David Lynchs Stammkomponisten Angelo Badalamenti und seinen psychedelisch fließenden Scores, wozu Leela James im passend betitelten "Walk with me" eine fragil hauchende Julee Cruise gibt.

Und auch von Lynchs Kreativität sollen die neuen Songs inspiriert sein. Doch obwohl der Regisseur sogar ein Stück mit einem kritzeligen Kurzfilmchen visualisierte, bedient sich "Wait for me" vor allem gerne bei Mobys Gesamtwerk. "Study war" mahnt mit geloopten Predigtfetzen genauso zum Weltfrieden, wie "Natural Blues" einem einst sein wundes Herz ausschüttete. "Mistake" lässt von fern den aufgeräumten New-Order-Pop des "Hotel"-Albums widerhallen. Und so gefällig das alles auch ist - manchmal wünscht man sich, er hätte etwas mehr gewagt, statt lediglich seine Antennen an berufenen Vorbildern auszurichten und sich im gekonnten, aber oft auch unspannenden Selbstzitat zu üben.

Ein paar Neuigkeiten gibt es zum Glück aber doch. "Scream pilots" lässt ambiente Soundscapes vom Beat aus The Cures "A forest" vorwärts schieben, das Titelstück erzeugt mit einem drohenden Klavierlauf gereizte Spannung, und das herzzerreißend trauernde "Pale horses" besitzt eine emotionale Qualität, die auch durch goldige Zeichentrickfiguren im dazugehörigen Videoclip nichts an eigentümlicher Magie einbüßt. Und doch bleibt es dabei: Moby zockelt weitgehend Bekanntem hinterher, statt sich selbst neu zu erfinden. Nicht, dass man das auf jeder Platte von ihm erwarten könnte - ein bisschen mehr Frische und Ideenreichtum hätte "Wait for me" aber trotzdem gut zu Gesicht gestanden. Auch wenn "A seated night" nach der letztjährigen Disco-Sause sicher auch einmal ganz schön ist.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Pale horses
  • Shot in the back of the head
  • Mistake
  • Wait for me

Tracklist

  1. Division
  2. Pale horses
  3. Shot in the back of the head
  4. Study war
  5. Walk with me
  6. Stock radio
  7. Mistake
  8. Scream pilots
  9. JLTF-1
  10. JLTF
  11. A seated night
  12. Wait for me
  13. Hope is gone
  14. Ghost return
  15. Slow light
  16. Isolate

Gesamtspielzeit: 52:05 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
floesn
2009-06-27 16:32:28 Uhr
Ich mag Moby ja irgendwie. das Album kann mich leider nicht komplett überzeugen, aber nachts alleine vorm Rechner kann es durchaus überzeugen :-) 6/10 wäre auch meine Einschätzung.
Mr. Smith
2009-06-27 16:19:52 Uhr
Stimme der Rezi im Allgemeinen zu, wobei ich "Study War" und "Slow Light" ebenfalls zu den Highlights zählen würde. 1/3 sehr gut, der Rest mäßig bis Füllmaterial.
pud
2009-06-26 13:01:38 Uhr
Scheisse
Mr. Roboto
2009-06-26 11:46:31 Uhr
Ein sehr unaufgeregtes Album, das mich leider nicht vollends überzeugen kann. Etwa die Hälfte der Songs sagen mir nicht wirklich zu, was bei einer solch langen Tracklist aber keinen wirklichen Beinbruch darstellt. Picke ich mir eben die Perlen heraus und ignoriere den Rest. 6/10
musie
2009-06-26 11:18:28 Uhr
ich finds das schönste atmospährischste am wenigsten kitschigste album, das moby je gemacht hat.
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