Auletta - Pöbelei & Poesie

Auletta- Pöbelei & Poesie

Virgin / EMI
VÖ: 26.06.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das heiße Eisen

Jungenbanden, die Zecherei, Feierei und Pöbelei besingen, gibt's in jeder Dorfgemeinschaft. Nun also auch ganz offiziell in Mainz. Das Quartett Auletta bringt auf den ersten Blick alle Klischees unter, die man bei Schülerbands gerne vermutet: Die Bande sieht aus, als wäre sie aus dem gleichen Ei wie Carl Barât und Luke Pritchard geschlüpft. Und natürlich klingt sie auch irgendwie so. Außergewöhnlich ist jedoch die unglaubliche Hitdichte, die Auletta auf ihrem Debüt-Album "Pöbelei & Poesie" unterbringen.

Da sind die Chöre, die unverschämt eingängigen Gitarrenlicks, der kratzbürstige Gesang von Alexander Zwick, der aus Auletta eine Mischung aus den Kinks, Libertines und Kooks macht, die viel mehr dem Publikum als solche verkauft wird, als dass sie qualitativ tatsächlich auch nur annähernd den Tellerrand dieser Bands erreicht. "Ein Engel, kein König" etwa, der große Hit: Zum Mitsingen komponiert, zum Tanzen geeignet, hat eine Haltbarkeit von drei Durchläufen. Das funktioniert live sicherlich durchaus formidabel, durch die viel zu glatte Produktion verliert der Song jedoch seinen ganzen Charme. Die Dauerrotation in den üblichen Medien verkürzt den Überlebenskampf.

Wenn die Band einen Gang zulegt, mal aus der Referenzfalle tappt, kommt sie dann doch ordentlich in Schwung. "Roboter" versucht's mit Aufrichtigkeit, verzichtet auf die üblichen Parolen, die noch in "Meine Stadt" den Weg pflastern. Roh ist das. Und das steht diesen aufmüpfigen Jungs ziemlich gut. Wenn die Gitarren schrammeln und sich nicht um Zitierung bemühen, erkennt man das versteckte Talent der Band: Hier scheint zwischen den ganzen Hooks endlich der eigene Sound von Auletta hindurch. Die Aneinanderreihung von läppischen Phrasen von "Im Westen" verzerrt das Bild dann aber doch wieder gleich darauf.

Kurz bevor die Platte ihren verdienten Ausklang findet, wird sie mit "Heimatmelodie" und "Blaue Blume" unverhofft richtig spannend: Statt Parolen zu dreschen, zitieren Auletta plötzlich Gedichte. Die Band ist frei, fernab von Hit und Auflage. Zwei Lieder, die wachsen, so zärtlich und behutsam werden sie da intoniert. Plötzlich ist da Tiefe, wo sich vorher Plattitüden auf die Füße traten. Immerhin: Sie haben den Weg auf die Platte geschafft. Es sind grelle Sterne im Sumpf der Anbiederung.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Roboter
  • Heimatmelodie
  • Blaue Blume

Tracklist

  1. Meine Stadt
  2. Ein Engel kein König
  3. Roboter
  4. Im Westen
  5. Dein Lied
  6. Schlagt Alarm
  7. Pöbelei & Poesie
  8. Herz von Herz
  9. Unsere Vision
  10. Schrei und tanz
  11. Heimatmelodie
  12. Blaue Blume

Gesamtspielzeit: 41:05 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Noch schlimmer als...
2009-08-16 14:31:28 Uhr
...die Scheissband Mando Diao ist nur eine Band, die Mando Diao mit plumpen deutschen Texten kopiert. 0/10
Hammerburg
2009-07-12 19:27:20 Uhr
Man sollte die Jungs nicht so kritisch sehen, und ihnen vorzuwerfen sie würden bewusst klauen ist abseluter Quatsch!!! Ich habe selten eine Newcomerband in Deutschland erlebt die so viel Potenzial hat!Und dazu noch Herz! 8 von 10 !!!!
Obrac
2009-06-29 23:12:07 Uhr
Bevor Obrac sich hier nicht geäußert hat, werde ich mir kein Urteil erlauben.

Also, ich finde die Platte zu pretentiös. Die Stimme des Sängers in Verbindung mit den viel zu bemühten Lyrics geht einfach nicht. Dazu dieser überproduzierte Bass. Alles so glattgebügelt, erinnert stellenweise an die misslungenen Anfangstage von Chesney Hawkes. Bislang habe ich aber noch keinen Song gehört.
Tufkaa
2009-06-29 23:04:42 Uhr
Hier wird eindeutig zu hart mit der Platte ins Gericht gegangen, meist sehr subjektiv.
Und deine Meinung ist nicht subjektiv???
Trotzdem viel Spaß mit der Scheibe, wenn's dir gefällt.
Flo
2009-06-29 22:04:16 Uhr
Hier wird eindeutig zu hart mit der Platte ins Gericht gegangen, meist sehr subjektiv. Die Band ist sicherlich von diversen Indie-Rock-Größen aus England beeinflusst, sie aber als eine schnöde Kopie darzustellen und ihr die Authentizität abzusprechen ist schlichtweg unberechtigt. Alleine aus dem Grund, da es kaum eine Band zuvor versucht hat eine solche Musik auf Deutsch darzubringen. Gerade in der Tatsache das auf Deutsch gesungen wird liegen Stärke und Potential der Band. Man muss der Band/den produzenten allerdings absolut zum Vorwurf machen, das sie sich (für den Einstieg in die Musikwelt vielleicht durchaus verständlich) (viel)zu sehr an der potentiell größten Zielgruppe (unter 20) orientiert hat. Manches wurde zu aalglatt überproduziert, sodass es oft vorkommt, das ein Teil des "Charmes" und der Energie der Titel verloren gehen. Diese Kritik ist durchaus berechtigt. Für Unterhaltungsfaktor, schöne Texte und teilweise mitreißende Melodien (abgesehen von sehr starken Live-Auftritten) daher 7 von 10 Punkten
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