The Pretenders - The best of / Break up the concrete

The Pretenders- The best of / Break up the concrete

Shangri-La / Warner
VÖ: 29.05.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Truckerromantik

Wie sehr doch so manche Erinnerungen aus der Kindheitsphase nachhallen können: Denn nicht bei Wenigen, die Anfang der 90er Jahre mit Privatfernsehen groß geworden sind, dürften die Pretenders einen schweren Stand haben. In Endlosschleife liefen dort diese Werbungen für diverse Hit-Kollektionen, auf denen sich immer auch einige Songs der Band um Sängerin Chrissie Hynde fanden. Meistens natürlich gerade die schmachtendsten Stücke, die auf dem Orginaloutput ja noch Sinn ergaben, sich nun aber inmitten illustrer Evergreens und auf den Refrain reduziert so langsam zu kleinen Hassmelodien wandelten.

Doch solche Aversion tut der Band Unrecht, wie "Break up the concrete" beweist, das mittlerweile neunte Album der aus den Scherben der englischen Punkbewegung entstanden Wave-Pop-Combo. Denn nicht nur der Erfolg spricht für die Platte, die die Band erstmals seit 1986 in Amiland wieder in die Top-40 hievte. Überraschend rauh und trocken geben sich die Songs, in Folkgewand gekleidet, geradeso, als ob die mittlerweile bereits 57-jährige Hynde zur Vorbereitung mit geschulteter Gitarre durch Amerikas Süden gewandert ist. Und dort mit all den Outlaws in dämmrigen Spelunken ihre Melodien gesammelt hat. Dass dabei zu Stücken wie "Boots of chinese leather" oder dem irr stampfenden "Don't cut your hair" einiges zu Bruch ging und sicherlich auch Mitglieder der Rockabilly-Fraktion ihre Pranken im Spiel hatten liegt nahe.

Der Titelsong erinnert in seinem Stakkato-Stil sogar noch etwas an einige der ekstatischeren Elvis-Nummern, doch je später die Stunde, desto tiefer hängen auch bei den verdorbensten Gestalten die Augenlider. So scheint alles sanft zu wiegen, wenn klagende Stücke wie der "Nothing maker", das zweifelnde "Don't lose faith in me" oder die verschmitzte Single "Love's a mystery" angestimmt werden. "Almost perfect" entpuppt sich gar als wunderschön soulige Liebeserklärung auf Samtpfoten. Wie wenig Akkorde und Pomp doch so ein Stückchen Schwermut oft braucht. Und wie fern glücklicherweise die teils stark unbeholfenen Ausflüge in seichten Chartpop der letzten CD "Loose screw" nun liegen.

Bei so viel Schönem werden sich wohl nicht nur einige Trucker aus Castrop-Rauxel finden lassen, die sich mit dem staubigen Countrysound des Albums ihre langen Nachtfahrten versüßen werden. Aber etwas Misstrauen gegenüber dem deutschen Markt scheint es dennoch zu geben, weswegen hierzulande noch zusätzlich eine Best-Of zum regulären Album dazugepackt wurde. Davon gibt es zwar schon einige in den Läden, aber wer mag klagen. Vor allem, wenn einigen der schönen Songs bei ausbleibendem Verkaufserfolg noch ein ähnliches Ende droht, wie den eingangs erwähnten Samplerbeiträgen der früheren Schaffensphase: Verwurschtelt auf namenlosen Hitsammlungen oder gar zum nervtötenden Klingelton zurechtgestampft. Erneut haben The Pretenders alles andere als das verdient.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Don't cut your hair
  • Love's a mystery
  • Almost perfect

Tracklist

  • CD 1
    1. Talk of the town
    2. Kid
    3. Back on the chain gang
    4. Brass in pocket
    5. Message of love
    6. Night in my veins
    7. Don't get me wrong
    8. Middle of the road
    9. I'll stand by you
    10. Stop your sobbing
    11. Hymn to her (7" Version)
    12. Precious
    13. Thumbelina
    14. Cuban slide
    15. My city was gone (7" Version)
    16. Day after day (7" Version)
    17. I go to sleep
    18. Thin line between love and hate
    19. Fools must die
    20. Up the neck
    21. 2000 miles
    22. Tattooed love boys
  • CD 2
    1. Boots of chinese plastic
    2. The nothing maker
    3. Don't lose faith in me
    4. Don't cut your hair
    5. Love's a mystery
    6. The last ride
    7. Almost perfect
    8. You didn't have to
    9. Rosalee
    10. Break up the concrete
    11. One thing never changed

Gesamtspielzeit: 122:44 min.

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