Howard Eliott Payne - Bright light ballads

Howard Eliott Payne- Bright light ballads

Move City / Indigo
VÖ: 12.06.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die große Freiheit

Sätze, die man als 14-Jähriger gerne von seinem Vater hören möchte: Mutti und ich fahren übers Wochenende weg. Aber natürlich darf jemand bei Dir übernachten. Lass doch, ich kann den Müll selbst runterbringen. Du solltest unsere Internet-Flatrate richtig ausnutzen, sonst lohnt die sich ja überhaupt nicht. Schlaf und frische Luft werden echt überschätzt. Wenn Du Bock hast, lass ich Dich auch mal ans Steuer. Das Playboy-Abo läuft jetzt übrigens auf Deinen Namen. Nein, ist überhaupt kein Problem, wenn Du erst morgen früh heimkommst. Würde Dir ein 21-Zoll-Bildschirm genügen? Habe die Bar im Partykeller neu bestückt, Du kannst Dich da nach Herzenslust bedienen. Wenn Du eine Vier in der Latein-Arbeit schreibst, gibt's Ärger - mein Sohn ist doch kein Streber! Solange Du Dich in dem Chaos zurechtfindest, ist das völlig in Ordnung. Ab nächstem Monat gibt es eine Taschengeld-Erhöhung, wie sollst Du denn mit diesen Kleckerbeträgen richtig lernen, mit Geld umzugehen? Schmeiß die Schule hin, wir ziehen nach New York.

Es ist nicht bekannt, wie viele dieser Sätze der 14-jährige Howard Eliott Payne damals von seinem Daddy zu hören bekam. Fest steht allerdings, dass der letzte und unwahrscheinlichste von allen dabei war. Wer von Groß-Britannien die Nase voll hat, sich adjektivisch jedoch nicht verkleinern möchte, hat ja praktisch gar keine andere Wahl, als den Big Apple zu seiner neuen Heimat zu machen. Im Stadtteil Queens ließ sich die Familie Payne schließlich nieder - so ganz ohne Königin halten es echte Briten eben doch nicht aus. Die Legende besagt weiterhin, dass der halbwüchsige Howie eines Tages "Rock and roll" von The Velvet Underground im Radio hörte und fortan wusste, was er mit seinem Leben anfangen wollte: Gitarre spielen und Musiker werden. Der Washington Square Park mit seinen Scharen von Musikern wurde Paynes neues Klassenzimmer. Ein paar Jahre später kehrte er wieder in seine Heimat Liverpool zurück, hangelte sich von einem Gelegenheitsjob zum nächsten, gründete die Band The Stands, nahm mit ihr die durchaus erfolgreichen Alben "All years leaving" und "Horse fabulous" auf, ging mit Oasis, Paul Weller und den Libertines auf Tour. Und schmiss dann irgendwann die Band hin, um nach Los Angeles zu ziehen.

Weil im heimischen England aber sein treuer Fan Noel Gallagher sehnsüchtig wartete, ging Payne dann doch wieder nach Liverpool zurück. Na gut, vielleicht gab es da auch noch zwei, drei andere Gründe. Aber immerhin brachte er aus L.A. den wertvollen Kontakt zu Produzent Ethan Johns (Ryan Adams, Ray LaMontagne, Kings Of Leon) mit, dessen Händchen für naturbelassenen Karohemden-Sound "Bright light ballads" nicht nur zu einem hervorragenden Solodebüt gedeihen ließ, sondern auch gleich noch zu dem wohl schönsten Alt.-Country-Album machte, das man dieses Jahr aus dem Vereinigten Königreich hören wird. Aufgenommen in nur sieben Tagen, mit einem alten, analogen 8-Track-Recorder. Ganz in der Tradition des Traditionellen stehen auch die zehn Stücke selbst, die allesamt so klingen, wie eigentlich nur Lieder klingen können, die seit vierzig Jahren an Lagerfeuern, auf Pferderücken und in Gefängnishöfen gesungen werden. Es geht dabei immer um Liebe und Freiheit. Und um das Gegenteil davon.

Die hellen Lichter, das sind glimmende Zigaretten, einsame Straßenlaternen, lodernde Lagerfeuer, flackernde Kerzen und immer wieder diese leuchtenden Melodien, die direkt aus dem Herzen kommen müssen, wenn man sie so aus dem Ärmel schüttelt wie Payne. Aus dem linken Ärmel, versteht sich. Aber auch jemand, der es sich leisten kann, mit "Dangling threads" seinen besten Song direkt als Opener rauszuhauen, muss Opfer bringen: Um sein Solodebüt finanzieren zu können, verkaufte Payne eine ziemlich schicke E-Gitarre und nuschelt nun fast ausschließlich zur Akustischen. In den Nebenrollen: Banjo, Pedal Steel, Mundharmonika, Fiddle - wie sich das für ein Alt.-Country-Album gehört - sowie die bezaubernden Backing Vocals von Paynes Schwester Candie. Man lausche nur dem herrlich fluffigen "I just want to spend some time with you". Oder dem sanft wiegenden Refrain von "When summer has passed". Oder dem wunderbar gezupften "Walk by my side" mit seinen kunstvoll eingeflochtenen Dissonanzen. Ziemlich unwahrscheinlich, dass Papa Payne seinem Sohnemann jemals "Ohne Fleiß - kein Preis" ins Butterbrot geritzt hat. Aber wer so helle ist wie Howie, weiß ja trotzdem, wie man das schreibt: No Payne, no gain.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Dangling threads
  • When summer has passed
  • I just want to spend some time with you
  • Walk by my side

Tracklist

  1. Dangling threads
  2. Come down easy
  3. Seven years
  4. Until morning
  5. When summer has passed
  6. I just want to spend some time with you
  7. You can't hurt me anymore
  8. Walk by my side
  9. Underneath the sun rising
  10. Lay down your tune for me

Gesamtspielzeit: 34:47 min.

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