Paolo Nutini - Sunny side up

Paolo Nutini- Sunny side up

Atlantic / Warner
VÖ: 05.06.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die besten Wünsche

Paolo Nutini ist mit seinen 22 Jahren jung genug, um sich noch genau daran zu erinnern, wie man einen Wunschzettel schreibt: Das Wichtigste kommt natürlich ganz oben hin. Und was steht da bei dem Italo-Schotten? "10/10"! So heißt der Opener. Und er kann sich damit natürlich nur die Höchstwertung von Plattentests.de wünschen. Wir müssen den Guten aber leider enttäuschen, obwohl er immer so brav war. So niedlich und knuffig. So sympathisch und talentiert. Die 10/10 bleibt jedoch weiterhin ausschließlich sensationellen, atemberaubenden Jahrhundertplatten vorbehalten - und so eine ist "Sunny side up" dann doch nicht. Aber eines sichert sie Nutini immerhin: sein Reifezeugnis. Während ihm auf seinem 2006 veröffentlichten Debüt "These streets", das sich beachtliche zwei Millionen mal verkaufte, noch ein neunköpfiges Kompetenzteam beim Songschreiben half, hat er die neuen Lieder fast alle im Alleingang komponiert und getextet. Sie klingen, als hätte er in den letzten vierzig Jahren nichts anderes gemacht.

Die Hauptattraktion auf "Sunny side up" ist allerdings nicht Nutinis Songwriting, sondern seine Stimme - die wiederum sehr wohl so klingt, als hätte er in den letzten 40 Jahren noch etwas anderes gemacht. Eine neverending Kneipentour zum Beispiel. Ein paar Kinder vermutlich auch. Diese Stimme müsste eigentlich zu einem Mann gehören, der von erster Hilfe bis zum Offenbarungseid schon alles geleistet hat. Es ist ein Rätsel, wo diese Lebenserfahrung herkommt, die auf Nutinis Stimmbändern thront - diese routinierte, aber nie zu coole Souveränität, diese angenehm angeraute Herzlichkeit, diese intuitive Tiefe. Auch musikalisch bewegt er sich keineswegs in altersgemäßen Gefilden, sondern wirkt, als sei er der Plattensammlung seiner Eltern entsprungen. Oder vielleicht sogar eher der seiner Großeltern. Man muss sofort an Otis Redding, Sam Cooke und Marvin Gaye denken, danach erst an James Morrison. Und das ist ein ausgesprochen gutes Zeichen.

Besagtes "10/10" kombiniert Ska-Nostalgie mit lustiger Zirkusmusik, "Coming up easy" eine entspannte Hammondorgel mit vorlauten Bläsern, wie man sie zuletzt bei Amy Winehouse gehört hat, und "Growing up beside you" kümmert sich um die ziemlich vernachlässigte Disziplin "Seemanns-Folk" - mit Akustikgitarre, Akkordeon, Mandoline und feierlichem Shanty-Gesang. Warum allerdings ausgerechnet "Candy", eine weitgehend zuckerfreie Gitarrenpop-Kamelle, als erste Single ausgekoppelt wurde, ist nicht ganz nachvollziehbar. Befinden sich doch weitaus spannendere Bonbons auf "Sunny side up": Allen voran "Pencil full of lead", ein swingendes Ragtime-Stück - inklusive Bläsern, Kontrabass, Dobro, Ukulele, Mundharmonika und großartigem Männerchor. Auch das herrlich geklampfte "Tricks of the trade" und "No other way", eine wunderbar schunkelige Rhythm'n'Blues-Ballade, schmecken ganz ausgezeichnet - was unter anderem auch an Nutinis hervorragender Begleitband The Vipers liegt.

Interessant wird es bei den nächsten beiden Liedern: Während Nutini die Soul-Calypso-Nummer "High hopes" erstaunlich hoch singt, packt er für "Chamber music" sein tiefstes, dunkelstes Timbre aus - so dass man ungläubig im Booklet nach dem Gastsänger sucht. Aber das ist er tatsächlich selbst. Das countryeske "Simple things" erweist sich als Ode an seinen Vater und dessen Philosophie, das Glück in den kleinen, einfachen Dingen zu finden. "He has a family who are his biggest fans / That's something that I one day hope to have" singt Nutini mit einer Bescheidenheit, die man nach dem ersten Punkt seines Wunschzettels gar nicht erwartet hätte. Aber mal ehrlich: So ein Satz aus seinem Mund ist doch, wie Aufgaben auf eine To-Do-Liste zu schreiben, die man schon längst erledigt hat - nur, um gleich mal lässig ein paar Häkchen setzen zu können. Nutini sollte man hingegen weiterhin auf dem Zettel haben. Ganz oben.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Coming up easy
  • Tricks of the trade
  • Pencil full of lead
  • No other way

Tracklist

  1. 10/10
  2. Coming up easy
  3. Growing up beside you
  4. Candy
  5. Tricks of the trade
  6. Pencil full of lead
  7. No other way
  8. High hopes
  9. Chamber music
  10. Simple things
  11. Worried man
  12. Keep rolling

Gesamtspielzeit: 38:38 min.

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User Beitrag
gn
2009-07-22 21:07:00 Uhr
...was heißt eigentlich zugetraut, als könnte ich das beurteilen. Sagen wir es so: ich hätte es nicht erwartet. :)
gn
2009-07-22 21:06:04 Uhr
Würde ich auch so sehen. Wahnsinnige Entwicklung und ein riesiger Sprung, den er mit dem Album vollzogen hat. Auch ich hätte ihm das niemals zugetraut.
Freue mich mittlerweile sogar schon sehr auf seinen Haldern-Auftritt.
äffchen
2009-06-19 00:51:53 Uhr
Ganz wundervolles, spannendes und abwechslungsreiches Oldschool-Album mit ganz viel Soul, Folk, Country, Ska und Whiskey.

So sehr ich den ein oder anderen Song vom Debüt bereits mochte, eine derartige Entwicklung hätt ich dem Kerle niemals zugetraut. Hoffe, er kommt demnächst auch mal auf Tour. Live muss das nämlich garantiert noch viel mehr Spaß machen.
DeanStanford
2009-06-15 12:58:34 Uhr
Also ich habe mir das Album gekauft,und da ich seit 2006/07 Fan bin kann ich es nur weiterempfehlen.
Den Soul der bei seinen früheren Popballaden dabei war, hat er in seinem sprunghaften Stil gefestigt,was man auch daran merkt,dass Paolo Nutini nur Lieder aufschreibt die direkt aus einer Emotion entstehen.

Wer das Album kauft wird sich mit Sicherheit nicht ärgern, das Geld wäre es sogar dreimal wert.
Leatherface
2009-06-09 15:19:53 Uhr
http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/n/nutini_paolo/sunny_side_up/index.htm

Scheint ganz gut geworden zu sein. Demnächst mal reinhören.
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