Klein - Outside in

Klein- Outside in

Popup / Cargo
VÖ: 19.06.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Groß geworden

Hier kommt der Masterplan: Klein haben drei Jahre geschraubt und gedreht, um den unlogischen Nachfolger des schlurfigen "The next small thing" wachsen zu lassen. Der Plan: keinen Plan. Aufgenommen mit dahergelaufenen und befreundeten Musikern, an geeigneten und ungeeigneten Orten, zu Tages- und Nachtzeiten. Die Musik schreit nun nach Tanzbarkeit, sie hat die Depression gegen lockere Melancholie eingetauscht. Und macht sich selbst nicht mehr kleiner, als sie tatsächlich ist. Klein kommen mit "Outside in" ziemlich stabil in Schwung.

Die Transportmittel sind frei gewählt: Von fidelen elektronischen Beats über Lagerfeuergitarren zum ausgefeilten Bandsound. Da poltert die Eröffnung "American invasion" unerhört freudig durch seine TV-On-The-Radio-Anlehnung und ballert einen fiesen Mitsingrefrain ins Geschehen, als habe das Duo einen Ruf zu verlieren. Lutz Kratzer lässt sich gar zum cremigen Sprechgesang hinreißen. Klar - "Rodeo clowns" darf sich dannach gerne wie 2raumwohnung anhören, wirbelt der Verlauf des Songs doch nach circa fünf Sekunden wieder alles durch die Luft und beginnt von vorne. Ein schelmischer Spaß.

Das Aneinanderreihen verschiedener Fragmente und Stile verwischt all die Spuren. Und lässt die Platte ziemlich unvorsehbar erscheinen. Ausgerechnet der Titelsong bricht da als ruhige Ballade mit dem quirligen, pumpenden Rest. Zu leise fürs Ausatmen, zu zart fürs Mitsingen. Der Hörer wird gefesselt, bevor er im "Club Monaco" wieder all seiner Extrovertiertheit folgen kann. Das wirkt so klamm, dass das Loslassen am ganzen Körper kleben bleibt. Es folgt die Einsicht: Es sind die Beats, die "Outside in" grob zusammenhalten.

Kartzers geäußerte Angst, aus dem Gewächs würde "nie ein Schuh" werden, bleibt ungerechtfertigt. Wächst die Platte erst, macht sie sich daran, ihre eigene Welt zu kreieren. "Outside in" ist geradezu süchtig machend. Dem warmen Knistern erliegend, lässt man sich vom Sog der Songs treiben, sogar manipulieren. Die Zeit bleibt stehen, bis das finale Pluckern des "Gamblin soul remix" die Wahrnehmung wieder zurecht rückt. Die Welt darf stehen bleiben. Zumindest ein kleines bisschen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Gamblin soul
  • Symphony in M

Tracklist

  1. American invasion
  2. Rodeo clowns
  3. Gamblin soul
  4. In a manner of speaking
  5. Reconsider it
  6. Outside in
  7. Club Monaco
  8. Siren
  9. Echo
  10. Euphoria
  11. Symphony in M
  12. Gamblin soul (remix)

Gesamtspielzeit: 51:37 min.

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