Bondage Fairies - Cheap Italian wine

Bondage Fairies- Cheap Italian wine

Lobotom / Audiolith / Broken Silence
VÖ: 08.05.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwing Dein Ding

Wenn man sich nach einem japanischen Porno-Manga benennt, muss man eigentlich verdammt sexy sein. Die beiden Schweden Elvis Creep und Deus Deceptor halten sich vermutlich auch dafür. Zumindest, wenn sie jeder einen Kasten Bier und eine Flasche Jägermeister intus haben und ihnen dabei Zeilen einfallen wie "I wanna sing like these garbage Indie bands." Band? Wie man's nimmt. Indie? Eher nicht so. Garbage? Ganz bestimmt. Willkommen auf der allwissenden Müllhalde des Nintendo-Death-Punk. Ihr, die Ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren. Ihr werdet es nicht bereuen. Und wenn doch, dauert der Spuk wenigstens nicht lange. Zuvor aber bringen Bondage Fairies aber jede Menge hochprozentige Party in wenig mehr als einer halben Stunde unter.

Denn sobald die beiden ihre aus vorsintflutlichen Kopfhörern selbstgebastelten Helme aufsetzen und von fiesen Geschlechtskrankheiten, gruseligen Filmbösewichten im Playmobil-Format und piepsenden Computerspielen mit Klötzchengrafik erzählen, wird es ernst. Dann drehen sie die billigen Vintage-Synthesizer bis zum Anschlag auf und legen Schrottgitarren über hochfrequenzig blubbernde C64-Sounds. Als hätten die Ramones seinerzeit regelmäßig den Super-Mario-Highscore geknackt. Was genau sie mit ihren "Action figures" machen, wie oft Elvis Creeps Rechner Fehlermeldungen ausspuckt und warum der August des Jahres 1993 ein Arschloch-Monat war, will man dann auch gar nicht mehr wissen.

Sondern lieber sein Haupthaar zu ausgesuchten Songs von "Cheap Italian wine" schütteln. Es kann schließlich jeden Moment wieder vorbei sein mit der relativen Herrlichkeit. Doch wenigstens die erwähnten "Garbage Indie bands" machen zwischen Früh-Electro und LoFi-Geschredder eine Menge her, auch wenn die Muckerqualitäten der Bondage Fairies auch hier lediglich eine Länge von zwei Minuten erlauben. Die verzweifelt aus dem Fenster hängende Hardware-Klage "nv4.dll" zeigt das Duo gar mit fast glamourösem Rock-Verve. "Forget the image, I got a heart" fleht die Mädels zu ungewohnt dynamischem Surf-Punk an, nicht immer bloß nach Äußerlichkeiten zu gehen - und stattdessen auch einmal mit der angetüterten Selfmade-Version von Darth Vader ins Bett.

Doch das Erwachen ist ein böses: "She got my love, I got her disease." Und als wäre es Absicht, kranken sowohl Protagonist als auch "Cheap Italian wine" zuweilen an den gleichen Dingen: an musikalischer Schwanzgesteuertheit, nicht zu Ende gedachten Schnapsideen und zu vielen Quickies, die zum Schluss im Raum stehen wie bestellt und nicht abgeholt. Da verwundert es fast schon wieder, dass diese beiden Wahnsinnigen trotzdem ein passables Album mit einigen großartigen Momenten hinbekommen haben. Das im Vergleich zum Vorgänger "What you didn't know when you hired me" außerdem nachgerade Pop ist. Und wer das anders sieht, kann gerne mit ein paar Gallonen billigem Fusel nachhelfen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Zeta reticuli
  • Garbage Indie bands
  • Forget the image, I got a heart
  • nv4.dll

Tracklist

  1. Rymd
  2. Zeta reticuli
  3. Action figures
  4. Skå-Edeby
  5. Garbage Indie bands
  6. Why I didn't like August 93
  7. I eat children
  8. Forget the image, I got a heart
  9. Girls are sick
  10. Monolith
  11. Her disease
  12. Jens and the magician
  13. nv4.dll
  14. Tsunami surfers
  15. Bee Bee Prime vs. Bee Bee Ferocious
  16. Russian white

Gesamtspielzeit: 33:37 min.

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