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Placebo - Battle for the sun

Placebo- Battle for the sun

Dreambrother / PIAS / Rough Trade
VÖ: 05.06.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Größer als Europe

Seine Band sei größer als alles außer U2 und den Stones. So tönte Brian Molko bekanntlich vom Cover der Visions. Ein durchaus heißes Lüftchen im Blätterwald. Auch wir waren beeindruckt. Und fragten gleich mal nach - leider mit eher mäßigem Erfolg: Kein Kommentar von Bono, Bruce Springsteen und Mick Jagger. James Hetfield jagte uns, ein halbes Schwein über dem Kopf schwingend, vom Hof. Die Gallaghers stammelten irgendwas mit "fuck" und "off", Thom Yorke ergänzte: "Brian… who?" Chris Martin hingegen verbeugte sich artig, nestelte am Jackensaum, schenkte uns einen Manschettenknopf - und hüpfte aufgeregt von dannen. Keine Ahnung, was das nun wieder sollte.

Weshalb Placebo über Songs wie "For what it's worth" oder "Breathe underwater" mit der Gitarrenwalze drüberbrettern, erklärt sich hingegen von selbst: Die Festivalschlammschlacht haben sie inzwischen eisern genug im Blick. Genau da müssen sie schließlich hin, wenn sie Ernst machen wollen. Zudem geben Riffs, Beats und Harmonien einfach nicht mehr her, und so wird alles wenigstens bis zum Anschlag kaputtkomprimiert. Im Ergebnis steht ein Muskelspiel, das sich selbst zu kränklicher Matschepampe weichdrischt. Wodurch Kraft und Leben gleichermaßen verlorengeht. Dass diese Band rocken kann, hat sie häufig genug bewiesen. Dass all das mit einem Mal wie The Rasmus klingen soll, muss man hingegen nicht wirklich gutheißen.

Nun, Molko versteht es scheinbar selbst nicht so ganz. Erstes Indiz: Sein Gesang rollt mit dem Bollerwagen voran, die Klangfarben bleiben seltsam zurückhaltend und unterkühlt. Zweites Indiz: Ohne die übliche Pathos-Suggestion kommen auch die seit jeher überschaubaren lyrischen Themenbereiche eher plattgewalzt daher. Zeilen wie "You can run, but you can't hide", "Come lay with me, cause I'm on fire" oder "Fallen angels in the night" wirken ebenso blutleer wie die dazugehörige Musik - beweisen aber immerhin, dass Placebo größer als, sagen wir mal, Europe sind. Diversen Starsearch-Gewinnern hätte man so was bereits fünfzig Mal um die Ohren gehauen, bevor sie überhaupt auf den Recall-Zug aufspringen können. Der Abschlusssong drischt dann zu (aha!) Europe-Fanfaren das ewige Placebo-Ommablatt: "Blablabla - you ... blablabla - me." Alles klar: Feuerzeuge an, Hirnbeleuchtung aus.

Wären Placebo wenigstens Metallica oder Marilyn Manson, wäre selbst das sicherlich kein Problem. (Auch die) sind sie allerdings nicht. Denn auf zumindest der Hälfte ihres "Battle for the sun" entdecken sie doch die Feinheiten wieder. "Happy your're gone" und "Come undone" sind Midtempo-Balladen, wie sie allein für Placebo erfunden worden zu sein scheinen. Wie man gewinnbringend mit einem straighten Basslauf umgeht, zeigt hingegen "The never-ending why". Glockenspiele, Hintergrundchoräle und Trompeten-Stöße verleihen dem Song Kraft und Anmut zugleich. Gitarre und Bass wird es freigestellt, ob sie mitschwingen wollen oder sich lieber in eigenen melodischen Betonungen auf die Reise begeben. Auch Molko geniert sich nicht länger, sondern fliegt über die Akkorde, lässt die Lungenflügel zittrig im Aufwind umherschwirren. Das wirkt hypnotisch wie eh und je. Seine Stimme besitzt Überzeugungskraft, keine Frage.

"Speak in tongues" macht sich im engen Kostüm eines Ein-Riff-Songs ähnlich breit, und auch "Bright lights" und "Ashtray heart" sind weniger flach, als ihre Keyboard-Melodien und Gang-Shouts zunächst vermuten lassen. Die Behauptung, dass Placebo Hits wie diese präsentieren müssen, um überhaupt wahrgenomen zu werden, unterschätzt sicherlich den Status, den sie sich längst erspielt haben. Dass sie sie schreiben und umsetzen können, ist aber spannend zu hören. Beide Songs werden so zu einem weiteren Lebenszeichen auf einem an der eigenen Courage kränkelnden Album. Sie denken konsequent zu Ende, was viele ihrer Brüder im Geiste bloß für sich behaupten. Sie haben die Hacken im Teer und hinterlassen Spuren auf dem Asphalt. Vor allem aber haben sie eines: keine Manschetten vor den eigenen Ansprüchen. Schon ein Fuchs, dieser Chris Martin.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Bright lights
  • The never-ending why
  • Happy you're gone

Tracklist

  1. Kitty litter
  2. Ashtray heart
  3. Battle for the sun
  4. For what it's worth
  5. Devil in the details
  6. Bright lights
  7. Speak in tongues
  8. The never-ending why
  9. Julien
  10. Happy you're gone
  11. Breathe underwater
  12. Come undone
  13. Kings of medicine

Gesamtspielzeit: 52:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Fiep

Postings: 755

Registriert seit 29.04.2014

2020-11-15 01:20:44 Uhr
Grad nochmals durchgehört durch den thread:
Hatte das album schwach in erinnerung, weil ich es mit dem über jugend songs verglichen hab.

Die ersten 2 sind eigentlich ganz okay, der titeltrack sogar ziemlich gut.

For what its worth: okay, unspannend.

Devil in the details: jup, guter track.

Bright lights: nichts auszusetzen. Etwas fad.

Speak in tongues: es fehlt die placebo atmo, aber eigentlich ein guter sommer festival song für mich.

Never ending why: eh. langweilig.

Julien: ne, nicht gut.

Happy you're gone: hier langweilt die platte dan schon recht.
Breath underwater: okay?

Come undone: nein danke.

Kings of medicine: nach vielen schwachen find ich den wieder etwas besser.

In summe: man hört das jahrzehnt fast heraus, klingt ...nach seiner zeit, und damals schon nicht ganz frisch. E wirkt auch irgendwie optimistischer und weniger düster.

Ka...6/10 geht schon in ordnung. Erste hälfte viel besser als 2.
Kein song der nervt oder stört, nur viel gleichgültiges.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26431

Registriert seit 07.06.2013

2020-11-15 00:48:17 Uhr
Titeltrack und "Bright lights" wären auch meine Highlights und Karriere-Höhepunkte. Ebenso das Finale mit "Kings of medicine", wobei hier besonders der zweite Teil grandios ist. So schön. Hach...
Der Rest ist leider eher vergessenswert und gesamt ist das ihr schwächstes Album.

Autotomate

Postings: 3592

Registriert seit 25.10.2014

2020-11-14 16:11:25 Uhr
"Ashtray Heart" ist (en mi opinión) neben "Bright Lights" der beste Song hier.

Termin am tor

Postings: 187

Registriert seit 04.11.2019

2020-11-14 15:26:07 Uhr
Kenne die Platte nur so semi, aber dass seit 7 Jahren niemand mehr zu dieser Platte was zu sagen hat, zeigt schon, wie wenig hier hängengeblieben ist.

ich geb mal aus der Hüfte ne schlechte 6/10.

Der Titeltrack, bright lights und the never-ending-why gefallen sehr, ashtray heart und for what its worth sind dagegen ziemlich in die Hose gegangen.

Generell mag ich Placebo sehr für die leisen Töne. Hier wurden die Regler aber offenbar alle auf Anschlag gedreht und die Band walzt mit ihren breitbeiningen Gitarren alles nieder (und das ist nicht positiv gemeint).

Das Wunder vom Bernd
2013-09-15 21:14:36 Uhr
Es stimmt schon, bei Placebo weiß man nicht so recht, woran man ist. D. h. zumindest der Bandname ist gut gewählt. :D Als Jugendlicher fand ich die ersten drei Alben einfach nur geil. Kompositorisch allzu komplex war das sicherlich noch nie, aber es hat funktioniert und die Band war bei Fans und meistens auch Kritikern gut angesehen. Einfache, eingängige Songs und Melodien und dazu diese entweder außer Rand und Band geratene oder zu Tode deprimierte Gothicmaus Brian Molko. Oder beides gleichzeitig. Immerhin benutzte Molko seine eigene Gitarrenstimmung, weshalb der Gitarrensound schon mal individuell war.
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