Lovedrug - The sucker punch show

Lovedrug- The sucker punch show

Make My Day / Al!ve
VÖ: 05.06.2009

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Hohlkörper

"Schlimm" ist was anderes. Geht es um Alltagsbanalitäten, kommt das Wort eigentlich eher selten zu Recht zum Einsatz. Die fettigen Pommes von der Frittenbude, die Serie mit gefühlter Endloslaufzeit oder ein Haarschnitt bei Omas Friseur des Vertrauens. All das kann als gerade noch erträglich abgestempelt werden und in Vergessenheit geraten. Richtig schlimm an der Sache ist nur, dass sich bräsige Mittelmäßigkeit breitmacht. Etwa, wenn etwas "so lala" war und keine eigene Meinung entsteht, weil sich über den Hohlkörper bestenfalls physikalisch etwas sagen lässt. Unangenehm wird es besonders bei Musik, die es nicht schafft, aus dem Einheitsbrei herauszukommen.

Mit gespielter Mühe und Not pressen Lovedrug Ton für Ton des ersten Liedes ins Mikrofon. Das klingt unangenehm kloßig und in Kombination mit abwechselnd ruhigem Hintergrund-Bass und schräger E-Gitarre betont konstruiert. Das war’s dann aber auch schon mit dem Aufbäumen der vier Jungs aus Ohio. Auf dem Rest ihres Drittwerks "The sucker punch show" fliegt einem äußerst glatter Mainstream um die Ohren. Emotionaler Radio-Rock. Tausend Mal gehört und tausend Mal ist nichts hängengeblieben. "Blood like" perlt mit zartem Klaviergeklimper los. Stellenweise gelingt es den Tasten, sich für einen kurzen Moment zu behaupten, immer wieder werden sie aber von Michael Shepards Pressstimme und dem Dudelrockpop plattgemacht. Und nicht nur in "Fake angels" machen Lovedrug den Titel zum Programm, sondern auch "Everyone needs a halo" klingt wie Maroon 5s verzweifelter Versuch, wie Muse zu klingen. Auch die vielen E-Gitarren und Shepards Schlussgeschreie wirken nur überladen. Wie passt da der Bandname ins Konzept? Müssen die Drogen erst konsumiert werden, um ein bisschen Nächstenliebe zu verbreiten oder entgegennehmen zu können?

Wenn auch nicht unnötig schlimm, wirft der Inhalt von "The sucker punch show" die Frage für die Berechtigung seiner Existenz auf. Vielleicht ist es Lovedrug aber auch einfach gut gelungen, den eintönigen Alltag musikalisch umzusetzen. Gegen Ende des Album werden die Jungs glücklicherweise noch von einem "Panicked witness" dazu gebracht, zum ersten Mal ernsthaft melancholisch und vor allem authentisch zu sein. Shepards Stimme windet und dehnt sich traurig durch sämtliche Tonlagen und auch das Klavier kommt mit einer einfachen anklagenden Tastenfolge zur Geltung. Ein feines, leises und rundes Stück. Ein geschickter Zug, das Beste an den Schluss zu stellen. Leider reicht es nicht, um über den durchschnittlichen Rest hinwegzutrösten. Über die Berieselung bei einer Portion Pommes kann achselzuckend nachgedacht werden.

(Natascha Leo)

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Highlights

  • Panicked witness

Tracklist

  1. Let it all out
  2. Only one
  3. Blood like
  4. Everyone needs a halo
  5. The dirtiest queen
  6. Borrowed legs
  7. Broken home
  8. Fake Angels
  9. My world
  10. Hanté bruit
  11. Panicked Witness
  12. Dying days

Gesamtspielzeit: 51:22 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Mc lusky
2009-06-12 15:31:10 Uhr
@mundraub:

Recht hast Du, Rezi wie so oft bei plattentests völlig daneben.
Sehr schöne melancholische Rocksongs, würde 7,5 von 10 Punkten vergeben.
Beefy
2009-06-12 13:01:48 Uhr
Naja, die Rezi ist schon ziemlich übertrieben. 4/10 sind zwei Punkte zu wenig. Aber im Vergleich zur genialen neuen Manchester Orchestra Scheibe fallen Lovedrug schon ziemlich ab. Da bleibt einfach nix hängen.
asd
2009-06-12 12:58:51 Uhr
/promo ende.
mundraub
2009-06-12 12:20:07 Uhr
die kritik ist ja vielleicht daneben. hatte die platte aufgrund der sehr guten visions kritik gekauft und die haben absolut recht.superscheibe. die stimme ist sehr eigen, aber auch sehr gut und die hier bemängelte fehlende Tiefe ist so offensichtlich, dass es einen fast erschlägt. schöne 70er referenzen und enorm viel gefühl. ich geh auf jeden fall zum kölner konzert.
Dosengott
2009-06-10 16:17:17 Uhr
jepp... aber live bestimmt nicht so übel...

15. 06: Köln - Studio 672
16. 06: München - Atomic Cafe
17. 06: berlin - Magnet
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