The Living End - White noise

The Living End- White noise

Universal
VÖ: 12.06.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mittlere Reife

Ein Riesenquatsch, Leute! Wenn man über The Living Ends "White noise"-Platte schreiben würde, die Band wäre erwachsen geworden. Das Album klänge demnach reifer. Das wäre Riesenquatsch, weil: Musik noch nie irgendwas Zwingendes mit dem Alter eines Künstlers zu tun hatte. Iggy Pop etwa klang Ü50 zwischendurch immer mal wieder, als hätten sich die Stooges fünf Minuten vorher gerade aufgelöst. Und Ville Valos Radebrechertum sieht dem Gekritzel von 16-jährigen Twitter-Bitches immer noch zum Verwechseln ähnlich. Auch nach circa zwanzig Platten und ebenso vielen verschlissenen Redakteuren noch. Wir haben es hier also mit einer meist absatzumgreifenden Nullaussage zu tun. Gerne genutzt von Menschen, die kurz vor Abgabetermin nach dem allerletzten Strohhalm greifen würden, um den Einstieg in ihren Text zu finden.

Natürlich hört das auch ein Blinder mit Krückstock: Dass zwischen dem vom verstorbenen Pop-Punk-Spezi Jerry Finn gemischten "The Living End"-Album von 1999 und "White noise" von 2009 zehn Jahre liegen. Vielleicht auch ein paar Lebensgefährten. Ganz sicher ein paar Erfahrungen. Womöglich sogar einige Sounds. Und ein, zwei ausgemottete Schrabbelchords. Mindestens. Aber mein Gott, es kann halt nich jeder Rockmusiker wie Lemmy Kilmister unterwegs sein. Nicht jeder Australier so auf der Einbahnstraße rocken wie AC/DC. Und nicht jede Unterhaltungsshow so quotenbiedern wie Gottschalks "Wetten dass...?".

Überhaupt Unterhaltung: Richtig reinarbeiten in diese "White noise"- Platte müssen sich trotz Neuausrichtung sowieso wohl nur The-Living-End-Fans der ersten Stunde. Dinosaurier aus dem letzten Jahrtausend, die die Alben dazwischen verschlafen haben. Im August 1999 während der Sonnenfinsternis von Außerirdischen entführt worden sind. Die letzten zehn Jahre ohne Malzbier, Führerschein und Radio auf einer Insel tief in der Karibik verbracht haben. Oder sonst was. Der Rest schwoft ab Minute eins zu Songs, die Classic Rock, Rockabilly, Festivalbühne und Riesensause gleichermaßen sind. Nicht immer. Aber überdurchschnittlich oft.

So etwa beim Titelstück, wo The Living End für eine Handvoll schmissiger Strophen bis ans Ende der Harmonieleiter klettern. So etwa in "How do we know", wo The Living End Viervierteltakt so vierteln, wie sich das für einen gestandenen Rocksong gehört. So etwa auch in "Kid", in dem The Living End auf jeden Dur-Akkord die passende Auflösung parat haben. Und der leichte Off-Beat in "Sum of us" ist ja auch nicht verkehrt. Eine reife Leistung also, und philosophiere bitte niemand, das hinge unmittelbar mit dem Alter der Musiker zusammen. Sonst setzt es Strafurlaub mit Scorpions-Platten auf Ewigkeit.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • White noise
  • Kid

Tracklist

  1. How do we know?
  2. Raise the alarm
  3. White noise
  4. Moment in the sun
  5. Waiting for the silence
  6. Make the call
  7. Loaded gun
  8. Kid
  9. 21st century
  10. Hey hey disbeliever
  11. Sum of us

Gesamtspielzeit: 40:03 min.

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