Slayer - God hates us all

Slayer- God hates us all

Island / Universal
VÖ: 10.09.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Speedway to hell

Das "Warehouse", ein beschauliches Studio im kanadischen Vancouver, hat eine Truppe wie Slayer wohl in der Vergangenheit noch nie beherbergen müssen. Zur Vorbereitung der Aufnahmen zu "God hates us all" nämlich wurde die Inneneinrichtung nicht nur um Kerzen, Weihrauch, Pornoposter, sondern vermutlich auch um ein paar Pentagramme ergänzt. Ob der Hausherr, ein gewisser Bryan Adams, wohl wußte, was er seinen Gemäuern zumutet? Eigentlich müßte er, denn wer die achtziger Jahre nicht ausschließlich mit C64-Spielen verbracht hat, kam an dem Namen Slayer wohl kaum vorbei. Immerhin war die Band die Speerspitze der damaligen Trash-Metal-Szene, auch auf breiter Ebene mächtig angesagt und somit an einer kleinen Genre-Revolution beteiligt.

Revolutionär ist das, was jetzt auf "God hates us all" aus den Boxen dröhnt, jedoch schon lange nicht mehr. Auch die Idee, daß alle Menschen gleich sind, ist nicht mehr wirklich neu, selbst wenn diese Aussage im Opener "Disciple" etwas unkonventionell in den Satz "I hate anyone equally" verpackt wird. Eher unscheinbar sind die Veränderungen, die Slayer in ihren Sound einfließen lassen. Die altbewährten Elemente Highspeed-Double-Bass, trashiges Riffing und fieses Aggro-Gebelle werden nur hier und da mit einer Prise Melodie verfeinert. Am Gesamtgeschmack ändert das etwa genausoviel wie die Streupetersilie, die den Kartoffeleintopf ziert: Eine Kräutersuppe wird deswegen noch lange nicht daraus.

Technisch ist an Slayers Gulaschkanone aber nichts auszusetzen. In Sachen Tempo, Präzision und Groove brauchen sich die Kalifornier auch heute nicht im geringsten vor ihren zahlreichen Schülern zu verstecken, und für eine Weile macht so ein Geschwindigkeitsrausch ja auch Laune, wie "War zone" eindrucksvoll belegt. Oft wirkt das Geknüppel aber auch monoton und uninspiriert. Die besten Momente hat "God hates us all" letztlich dann doch eher, wenn wie bei "Seven faces" mehr Wert auf Atmosphärisches gelegt wird. Daß diese Atmosphäre selbstredend düster, diabolisch und drückend ist, versteht sich von selbst.

Slayer treten mit ihrem neuen Album sozusagen kraft- und anspruchsvoll auf der Stelle, und große Überraschungen im Songwriting und in den Arrangements bleiben aus. Das war zu erwarten, wird aber in Fankreisen sicherlich nicht undankbar zur Kenntnis genommen werden. Der Innovationspreis der Metal-Handwerkskammer geht allerdings in andere Hände. Doch diese Trophäe haben Slayer ja bekanntlich vor etlichen Jahren schon eingeheimst. Heute freuen sie sich an ihrem Pokal und stauben ihn ab und zu mal gründlich ab.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • God send death
  • Seven faces
  • Bloodline
  • War zone

Tracklist

  1. Darkness of Christ
  2. Disciple
  3. God send death
  4. New faith
  5. Cast down
  6. Threshold
  7. Exile
  8. Seven faces
  9. Bloodline
  10. Deviance
  11. War zone
  12. Here comes the pain
  13. Payback

Gesamtspielzeit: 42:32 min.

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