Bloc Party - Intimacy remixed

Bloc Party- Intimacy remixed

Wichita / Cooperative / Universal
VÖ: 22.05.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Doppelt knallt besser

Huch, sie haben es wieder getan. War ja auch zu schön gewesen damals, als Bloc Party mit ihrem Debüt "Silent alarm" gleich durch mehrere Decken gegangen waren und einem wenig später kommentarlos eine Remix-Fassung vor den Latz knallten. Inklusive einer Dance-Version von "Banquet", einem zersägten "Helicopter", Urschreitherapie mit Death From Above 1979 und auch einigem Quatsch. Alles zusammen stellte aber klar, dass die Briten keineswegs ausschließlich auf Indie-Tanzflächen endgelagert werden wollten. Bald laut werdende, unzufriedene Stimmen, die den Weg Richtung schwer atmender Electro-Rock vor allem auf "Intimacy" nicht recht mitgehen wollten, waren Kele Okereke und Kollegen dabei natürlich herzlich egal.

Hauptsache: Bloc Party sind nach über vier Jahren immer noch Thema. Die Band, von der man spricht. Viel Feind, viel Ehr. Auch weil sie es sich und anderen mal wieder nicht einfach machen: Wie remixt man eine Platte, die bereits selbst über weite Strecken klang wie ein Remix? Am besten, indem man Widersprüche konstruiert und alles bewusst gegen den Strich bürstet. Wie schon beim Kontrast aus suggerierter Intimität und kaltgepresster Power auf dem Original, wie bei den zwei Lippenpaaren auf dem Cover, die zwar um Vereinigung bemüht sind, sich aber einfach nicht richtig treffen wollen. Obwohl auch hier die neuen Versionen in ursprünglicher Reihenfolge angeordnet sind, wird "Intimacy" also gründlich auf links gezogen. Und was sonst sollte Sinn und Zweck einer solchen Übung sein?

Aus dem Chemical-Brothers-infizierten Polterschrat "Ares" etwa wird ein rigider Stampfer, der alle viere zu Boden streckt und brutzelnd übersteuerte Synthie-Bässe in den Gully spuckt. "Halo", einer der konventionellsten Rocksongs von "Intimacy", mutiert dagegen zum wurmartigen, mit prächtigem elektronischem Dingsbums ausstaffierten Dub-Ungetüm. Filthy Dukes haben "One month off" bis zur Halskrause mit Acid vollgepumpt und danach auf der Schwelle der letzten Fischerspooner-Party hinterlassen. Und spätestens beim Dubstep-artig einschwebenden Phase-One-Remix von "Zephyrus" bedauert man, dass Burial-Kapuze William Bevan diesmal offensichtlich keine Zeit hatte, einen Bloc-Party-Song zum Tune umzufunktionieren.

Einige Mitwirkende lassen es jedoch an Kühnheit vermissen. Joshua Harvey alias Herve kann noch so wild an "Mercury" herumschrauben - dem planvollen Wahnsinn der Vorlage vermag er nichts Wesentliches hinzuzufügen. Die schrottkehligen Noise-Rocker No Age machen aus "Better than Heaven" einen - nun ja - Noise-Rocker. Und dem für die Auskopplung "Signs" als prominenter Club-Crack angeheuerten Armand van Helden fällt nicht viel mehr ein, als den Phones-Groove des "Banquet"-Remixes auszumotten und ein paar Filter zu- und wieder aufzumachen. Und so ist "Intimacy remixed" letztendlich eine ähnlich schwarzbunte Wundertüte wie sein zermischter Vorgänger, wenngleich unter stärker Dancefloor-orientierten Vorzeichen. Nichts für die Allgemeinheit, aber ein bisschen was für jedermann. Was ja allmählich auch für Bloc Party im Urzustand gilt. Wenigstens bis zum nächsten regulären Album.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Ares (Villains remix)
  • Halo (We Have Band dub)
  • Zephyrus (Phase One remix)
  • Your visits are getting shorter (Double D remix)

Tracklist

  1. Ares (Villains remix)
  2. Mercury (Herve Is In Disarray remix)
  3. Halo (We Have Band dub)
  4. Biko (Mogwai remix)
  5. Trojan horse (John B remix)
  6. Signs (Armand Van Helden remix)
  7. One month off (Filthy Dukes remix)
  8. Zephyrus (Phase One remix)
  9. Talons (Phones R.I.P. mix)
  10. Better than Heaven (No Age remix)
  11. Ion square (Banjo Or Freakout remix)
  12. Letter to my son (Gold Panda remix)
  13. Your visits are getting shorter (Double D remix)

Gesamtspielzeit: 65:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Tufkalüdge
2009-06-03 23:18:28 Uhr
Gelungene und treffende Rezension.
Mixtape
2009-06-02 15:57:32 Uhr
Zu den letzten beiden Postings fällt mir doch spontan wieder Daniels Satz aus der "Intimacy"-Rezension ein: "Wer Rock'n'Roll nicht dort beendet, wo Drumcomputer anfangen, wird Bloc Party auch diesmal nicht als Quertreiber, sondern als alte Verbündete erleben."

Ich finde es nicht ganz schon stark wie das Original, weil es nicht dessen Geschlossenheit hat, nicht haben kann, aber stark ist es.
Der Ungebildete
2009-06-02 10:06:30 Uhr
Ist meiner Meinung nach völlig überflüssig. So wie alle Postings.

"Intimacy" war schon grenzwertig (5/10), aber das Remixalbum unterbietet das tatsächlich noch (4/10).

Wie ist denn überhaupt "Another weekend in the city" geraten?
Sick
2009-06-02 09:13:01 Uhr
Ist meiner Meinung nach komplett überflüssig. Wie eigentlich alle Remixalben.
Tufkalüdge
2009-06-01 22:28:36 Uhr
Ist meiner Meinung nach besser als das Studioalbum.
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