Simple Minds - Graffiti soul

Simple Minds- Graffiti soul

MCA / Universal
VÖ: 22.05.2009

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das waren Zeiten

Es muss mal wieder die Weltliteratur herhalten. Diesmal: Jack Kerouacs "On the road" - das Manifest der Beatgeneration. Jim Kerr erklärt, dass die Simple Minds wie Zugvögel seien. Unterwegs, weiter, die Nase gen Wind. Einigen altgedienten Bands würde man dies abnehmen, aber ausgerechnet den Simple Minds? Die schottische Formation, die seit nun mehr 31 Jahren anbiedernden Radiorock zelebriert und Stadien ihr Zuhause nennt, brüstet sich in Interviews mit Experimenten, musikalischer Tollkühnheit und verkopftem Tiefgang? Man fragt nach Reflexion, Selbsterkenntnis. Als Beweis wird ein Album geschnürt, das aus der Zeit fällt. Zurück zur biederen Lockenpracht. Die Simple Minds bleiben sich trotz ihrer Ankündigungen treu.

Kaum steckt man mit beiden Ohren im Sud der Keyboards und des schalen Sounds des Schlagzeugs, breitet sich der bittere Geschmack aus: Hier wird eine Band sentimental, die ihre glorreichen Zeiten seit mehr als einer Dekade hinter sich liegen hat. Die Zeichen sind trügerisch: Jede Tour gerät zur Selbstschmückung. Ausverkaufte Stadiontouren und prächtige Verkaufszahlen stehen weit über Kritik und Frevel. Für solch ein funktionierendes Unternehmen scheint ein Umdenken fehl am Platz. Bleiben die nachwachsenden Hörer. Und diese bekommen beim Hören von "Graffiti soul" mit Sicherheit einen hartnäckigen Juckreiz.

Der fiese Bass des treibenden "Moscow underground" steht da für maximale Innovation. Mit solider Hookline und dem thematischen Aufgreifen von Kerouacs "On the road" zählt dieser Rockwalzer zu den besseren Songs der Platte. Solide kann man das nennen. Ab hier stürzt die Platte nun qualitativ erstaunlich schnell ab. Belanglosigkeit, wohin man hört. Ein Aufguss von längst Besungenem, eine Soundmalerei von längst Ausgeschöpftem.

Danach wundert der Abschluss der Platte auch nicht mehr. Da wird Neil Youngs seliges "Rockin' in the free world" grausig vernichtet. Jede Dorfgemeinschaft hat eine bessere Coverband im Gemeindehaus. Immerhin findet man hier den großen Aufreger: Das ist Blasphemie. Die Simple Minds machen weiter. Für sich und diese unüberschaubar große Anzahl treuer Fans, die immer wieder das Gleiche zum Hören vorgesetzt bekommen will. Vor mehr als 20 Jahren wurde es angedroht: Don't you forget about me, vergesst uns bloß nicht! Man kann ja gar nicht. Und das ist dann doch irgendwie gemein.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Moscow underground
  • Light travels

Tracklist

  1. Moscow underground
  2. Rockets
  3. Stars will lead the way
  4. Light travels
  5. Kiss and fly
  6. Graffiti soul
  7. Blood type 0
  8. This is it
  9. Shadows and light
  10. Rockin' in the free world

Gesamtspielzeit: 43:27 min.

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User Beitrag
Sie
2009-09-09 11:00:08 Uhr
@Mr. Mustard:
Logisch, Geschmackssache sind Simple Minds natürlich schon. Aber Sprüche à la "U2 für Arme" müssen wirklich nicht sein (es ist ja eher noch umgekehrt). Und wie ich schon gesagt habe: Es wäre nicht ganz dumm, sich mehr als ein Lied von einer Band anzuhören, bevor man sie als Ganzes durch den Dreck zieht. Ich hab ja zum Beispiel auch nie was gegen... was weiß ich... Mars Volta gesagt, eben weil ich von denen nie wirklich was gehört habe.
Ob jetzt eine Band automatisch unantastbar ist, weil sie Welthits geschrieben hat, ist wieder eine andere Frage (die ich klar mit NAAAIIN beantworten müsste). Aber wenn man schon über eine Band lästert, sollte man schon ein BISSCHEN Ahnung davon haben was man da sagt. Nur ein bisschen.
Mean Mr. Mustard
2009-09-09 10:53:39 Uhr
Wie kann ich eine verdiente Band, die Millionen von Menschen Freude gemacht und Welthits geschrieben hat, eigentlich so runterbügeln ?

Wieso sollte man nicht, wenn man die Musik eben scheiße findet? Und warum ist man ein trauriger Geist, weil man einen anderen Geschmack hat?
Sie
2009-09-09 10:47:02 Uhr
Es ist halt einfach, auf einer Band wie Simple Minds rumzuhacken, besonders wenn man nur einen Song kennt (ich nenn ihn nicht, ich wills nicht mehr hören). Hätte einer von denen sich auch nur ansatzweise mit Alben wie Empires And Dance oder Real To Real beschäftigt, würden die Kommentare hier wahrscheinlich ganz anders aussehen.

Aber es muss trotzdem jeder seinen Senf dazugeben, auch wenn von den Dummschwätzern keiner auch nur einen blassen Dunst davon hat, wovon er eigentlich spricht. So ist die Welt nunmal.

Mir ists egal, Graffiti Soul ist auf jeden Fall (von mir aus gesehen) nach langer Zeit wieder mal ein Schritt in die richtige Richtung.
So. Genug von meinem Senf :D
cyprinus
2009-09-09 10:04:05 Uhr
Wie kann ich eine verdiente Band, die Millionen von Menschen Freude gemacht und Welthits geschrieben hat, eigentlich so runterbügeln ? Was für traurige Geister laden hier ihren Müll ab ?
Brucky
2009-06-23 10:08:08 Uhr
Allen kommentargeilen Dummschwätzern zum Trotz:

Simple Minds und das neue Album "Graffiti Soul" sind einfach klasse. Und auch das Konzert in Bonn am 21.06.2009 war genial!!!

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