Sholi - Sholi

Sholi- Sholi

Quarterstick / Touch And Go / Soulfood
VÖ: 27.03.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wiederhole Deinen Rhythmus

Künstler dürfen sich ja nun wirklich alles erlauben, egal, wie blöd es einem vorkommt. Da malt Udo Lindenberg seit einigen Jahren Bilder, deren Farben aus Hochprozentigem bestehen, die aber aussehen, als hätte eine Kindergartengruppe sich vor dem Mittagsschlaf noch austoben dürfen. Und dann verkaufen sich die Dinger auch noch! Ebenso Lady Gaga, die mit überdimensionaler Schleife auf dem Kopf und Stubenfliegenbrille alles machen darf, sogar schlechte Musik - trotzdem wird sie von allen Seiten bewundert für ihren neuartigen Stil. Und dann ist da noch diese Unverschämtheit, die sich Sholi aus Kalifornien erlauben. Da beginnt ihr selbstbetiteltes Debüt doch tatsächlich mit einem Trommelfeuer, bei dem man nicht mal mit zwei Händen zusätzlich anständig mitklatschen könnte. Gerade will man sich noch ärgern - dann beginnt der Gesang von Payam Bavafa, und alles ist vergessen.

In den Rhythmus eines Stücks wie dem Opener "All that we can see" reinfinden zu können, grenzt an ein Wunder. Bereits in den ersten zehn Sekunden des Albums schafft es Drummer Jonathon Bafus, den Hörer in andere Welten zu trommeln, mit Bavafas Stimme gepaart, befindet er sich dann vollends auf einer psychedelischen Reisen durch andere Welten. Dort ist es nicht immer angenehm und gemütlich: "Spy in the house of memories" beginnt zwar ganz zahm, wird dann aber bald störrisch, gar ungemütlich. Da ziehen sich dunkle Wolken zusammen, die nach sechs Minuten Laufzeit kaum mehr übrig lassen, als schlichte Erschöpfung. Generell sind es die langen Stücke des Albums - bei einer Dreiviertelstunde und insgesamt nur acht Songs nicht wenige -, die den Hörer von einem Extrem ins andere befördern. Der Rhythmus schlägt bei Sholi hohe Wellen, so hoch, dass der Hörer vor lauter Schwindelgefühl manchmal kaum mitkommt.

"November through June" ist mit all seinen Facetten und abwechslungsreichen Kurven so ein Schwung nach oben. Stellte man sich dazu Bilder vor, würden diese in einer Geschwindigkeit vor den Augen verschwimmen, dass man keines wirklich wahrnehmen könnte, in vielen verschiedenen Farben und Schattierungen. Dafür gestaltet sich der Tanz auf "Dance for hours" zu einer künstlerischen Herausforderung der besonderen Art. Auch hier werfen Sholi jegliches Rhythmusgefühl über Bord und fahren damit erstaunlich gut. Da wird auf das Schlagzeug getrommelt, als gäbe es keinen Morgen mehr. Die Finger spielen sich an der Gitarre die Finger blutig, und Bavafa singt sich um Kopf und Kragen, bis der Song plötzlich und unerwartet endet. Ironischerweise ist ausgerechnet das Stück, das sich für den Hörer am ehesten zugänglich macht, das längste - und letzte. "Contortionist" ist ebenso wie die Vorgänger schnell und hektisch, aber mit einer gewissen Ruhe ausgestattet. Ein Widerspruch? Bei Sholi doch nicht. Vielleicht hat man sich aber auch nur dem Rhythmus von Sholi angepasst, womit die Reise erst noch beginnen würde. Eine angenehme und doch ungemütliche Vorstellung.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • All that we can see
  • November through June
  • Any other god

Tracklist

  1. All that we can see
  2. Tourniquet
  3. November through June
  4. In the house of memories
  5. Any other god
  6. Dance for hours
  7. Out of orbit
  8. Contortionist

Gesamtspielzeit: 43:49 min.

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  • Sholi (15 Beiträge / Letzter am 25.04.2012 - 11:18 Uhr)

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