Dredg - The pariah, the parrot, the delusion
Ohlone / Vertigo / Universal
VÖ: 29.05.2009
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Hinter verschlossenen Türen
Man munkelt, Dredg hätten in einer versteckten Ecke des Proberaums womöglich eine imaginäre Pinnwand, auf die sie ungeschriebene Gesetze gekritzelt haben. Etwa: Bei jedem neuen Album ein Stück weit unvorhersagbar bleiben, neue Ufer ansteuern, der Erwartungsfalle entwischen. Irgendwo daneben wird noch ein heimlicher Zettel pappen, auf den sie "Songdetails für die Kopfhörerfraktion bis ins Letzte ausfuchsen" geschrieben haben. Diese ungeschriebenen Anweisungen haben Dredg von Studioalbum zu Studioalbum befolgt, und auch "The pariah, the parrot, the delusion" bleibt der Reihe treu. Die Jungs aus Los Gatos haben sich nicht den Wurzelsalat ins Haus geholt und sich nicht bemüht, ihre eigene (glorreiche) Vergangenheit wiederzukäuen. Kaum etwas auf der neuen Scheibe erinnert noch an das grandios versponnene, raubeinige "Leitmotif", nurmehr wenig an ihr brillantes, ausgefeiltes Meisterwerk "El cielo". Und auch Großteile des knackigeren, kompakteren "Catch without arms" umkurven sie weitläufig.
Auf dem ersten Album, das Dredg auf ihrem eigenen Label "Ohlone" veröffentlichen, macht die Band - sagen wir: Prop. Progressiven Pop - mit Rock-Einsprengseln. "The pariah, the parrot, the delusion" ist eine schillernde Chimäre, ein abgeschlossenes Fragment, das trotz diverser innerer Brüche zusammenhält, formatradiotauglicher Feinsinn mit Flausen im Kopf. Weiterhin schwingen Dredg sich zu hymnischen Refrains mit bezwingenden Melodien auf, bohren dicke Riffbretter, lassen sich - wieder stärker als noch auf "Catch without arms" - auf versonnenen Klangflächen treiben. Und weiterhin spielt Groove-Saurier Dino Campanella mit seinen (grob überschlagen) 24 Armen den dynamischen Dompteur, ist sein wendiges Drumming das ebenso filigrane wie kraftvolle Herz der Songs. Bekannt.
Dennoch befremdet "The parrot, the pariah, the delusion". Und womöglich wird das Quartett manch alten Fan vergraulen, der sich die atmosphärisch dichte Schwere, die massive Wucht zurücksehnt. Denn Dredg haben sich neue Spielwiesen erobert. Stärker als zuvor wippen Funkgrooves vergnügt voran, flattern Streicher ein Stück der Songwege entlang wie in "Mourning this morning", flechten Dredg gar R'n'B-Anklänge und Pop-Appeal der 80er mit ein, ehe sie ihren Kompass gegen die Wand schleudern und schlagartig die Richtung wechseln. Instrumentale und vokale Zwischenspiele sind die Scharniere zwischen den lose verbundenen und stilistisch durchaus auseinanderdriftenden Nummern. Dabei haben Gavin Hayes & Co. manche Kante glattgebürstet, Dreck und Staub aus den Ecken gekratzt und das Klangbett mit weichem Samt ausgeschlagen. Doch lauert der gewitzte Detailschalk immer wieder im Nacken glatter Oberflächen.
Der Opener "Pariah" schlängelt sich aus anfänglichem Kinderlallen heraus, packt zu und rauscht inbrünstig in einen machtvollen Refrain. Die zartschmelzende Ballade "Cartoon show room" gleitet auf einem Bett aus gezupften Gitarren und Spinettklängen vorwärts, ehe sie sich gen Ende in versponnenen Träumen verliert. "Information" schwebt zunächst auf einem sanft pulsierenden Bett aus Wohlklang, ehe Dredg urplötzlich einen Baukasten-Refrain fürs Chartradio aus der Tasche ziehen und hineinklatschen. Eingängig: ja. Seltsam: auch. "Gathering pebbles" verquickt verzwickt ineinander geschachtelte Rhythmen mit weich wabernden Flächen und Toto-Gedächtnis-Passagen.
Das vielschichtige Wechselbad "Quotes" kurz vor Ende hingegen zeigt Dredg mit groß geschwungenen Bögen, Tempowechseln im Handstreich nebenbei und geschickt geschichteten Klangschichten ganz weit oben und ist eine der Nummern, die die zwischenzeitlich irritierten Anhänger der "früheren" Dredg versöhnen kann. Wenn ein Dredg-Song wie eine Tür ist, dann öffnet sich "Quotes" wohl als erstes. Jedes Schlüsselloch ist anders. Wer neugierig genug ist, durchzuschauen, sieht zuerst nur Umrisse, beginnt dann, das große Ganze zu erfassen und traut sich irgendwann. Immer herein.
Highlights
- Pariah
- Cartoon show room
- Quotes
Tracklist
- Pariah
- Drunk slide
- Ireland
- Stamp of origin: pessimistic
- Light switch
- Gathering pebbles
- Information
- Stamp of origin: ocean meets bay
- Saviour
- R U O K?
- I don't know
- Mourning this morning
- Stamp of origin: take a look around
- Long days and vague clues
- Cartoon show room
- Quotes
- Down to the cellar
- Stamp of origin: horizon
Gesamtspielzeit: 59:48 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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NeoMath Postings: 2533 Registriert seit 11.03.2021 |
2025-04-28 09:30:35 Uhr
OK, dann tanz' ich mal etwas aus der Reihe.Mein Fave ist Ireland. Diese Sehnsucht in dem Song packt mich jedes Mal wieder. 2. Platz bekommt Quotes OK: Lightswitch Information Saviour Rest ist für mich hörbar, aber nicht zwingend. |
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keenan Postings: 5468 Registriert seit 14.06.2013 |
2025-04-28 09:00:40 Uhr
interessant, bei mir ist nur information und savior zum skippen, finde die albumversionen gruselig16 jahre wird das album übrigens, 16 jahre! |
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Huhn vom Hof Postings: 10213 Registriert seit 14.06.2013 |
2025-04-27 22:27:56 Uhr
Skipsongs:Gathering Pebbles Savior |
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Huhn vom Hof Postings: 10213 Registriert seit 14.06.2013 |
2025-02-18 19:48:35 Uhr
So langsam klopft der Frühling an (zumindest hier in NRW gab es in den letzten Tagen viel Sonne), da passt dieses Album sehr gut. Ist auf einer Stufe mit CWA, 8/10.Highlights: Pariah Light Switch Information Cartoon Showroom Quotes |
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keenan Postings: 5468 Registriert seit 14.06.2013 |
2023-01-09 11:46:13 Uhr
dredg - quotes (demo) editedhttps://www.youtube.com/watch?v=NtBzoRkEpJ4 auch ne geile version. ist der live version von dortmund näher finde ich :-) |
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Referenzen
Minus The Bear; The Exit; Magnet; Klimt 1918; The Killers; Incubus; Guillemots; Keith Caputo; Life Of Agony; A Perfect Circle; Face Tomorrow; Toto; U2; 30 Seconds To Mars; A-Ha; Maroon 5; Polarkreis 18; Peter Gabriel; MGMT; Scissor Sisters; Queen; Phoenix; The Postal Service; Death Cab For Cutie; Nada Surf; Athlete; Stars; Mr. Hudson & The Library; Razorlight; King's X; Giardini Di Miró; Muse; Clann Zú; Biffy Clyro; Blackfield; Porcupine Tree; Chevelle; Kashmir; Doves; Lorien; Patrick Watson; Aereogramme; The Twilight Sad; God Is An Astronaut; 65daysofstatic; Faith No More; The Butterfly Effect; Gravenhurst; The Appleseed Cast; Queensrÿche; Marillion; Yes; Opeth; Coldplay; Elbow; The Stills; Team Sleep; Downer; One Man And His Droid; Stevie Wonder; Slut; Deadline; Failure; Oceansize; Linkin' Park; Limp Bizkit; The Tea Party; Amplifier; Earthtone 9; Cave In; Tool; 31Knots
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