Celan - Halo

Celan- Halo

Exile On Mainstream / Soulfood
VÖ: 02.05.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gewichtsprobe

Eines vorweg: Celan haben absolut nichts mit Celan zu tun. Dem Lyriker. Paul. "Schwarze Milch der Frühe, wir trinken sie morgens wir trinken sie abends wir trinken und trinken ..." Genau. Viel zu tun haben sie dagegen mit dem alten Eisen Unsane. Eigentlich könnte man sagen, sie SIND Unsane, da jedes Projekt, in das sich Chris Spencer einklinkt, sich sofort in ein Unsane-Nebenprojekt verwandelt.

Zu laut sagen muss man das nicht, schließlich hat er hier mit nicht gänzlich Unbekannten wie Ari Benjamin Meyers vom Redux Orchestra, den Jungs von flu.ID und Oxbows Niko zusammengearbeitet. Alle Noiserock-Fans, die ihr Gemächt unterm Bauchansatz noch erspähen können, müssten spätestens an dieser Stelle ganz hibbelig werden und in ihren Bürostühlchen hin und her rutschen, dass die Penatencreme auf den Kunstledersitz durchschmiert. Eigentlich wollte Meyers lieber Kunstlieder machen als Noiserock - die Forelle als Screamo - davon ist im Ergebnis aber nicht viel hörbar geblieben.

Zum Abhaken, da haben wir: die genretypischen, wuchtigen Gitarrenriffs, die Unsane auf "Visqueen" vervollkommnet hatten (Check.), die treibenden Percussions von flu.ID (Check.) plus eine Dosis Klavier und Avantgardegeklingel von Meyers (Check. Apropos, musste das Kinderchorklischee unbedingt bedient werden?). So unüberraschend das bleibt, so tiefgelegen wuchtet sich das Zwei-Wochen-Projekt durch seine elf Tracks. Spencer brüllt bezaubernd; ab "Sinking" leuchtet durch die Posse der Pose gewordenen Verzweiflung eine echte Versehrtheit auf, die in "Washing Machine" implodiert und in "Train of thought" restlos niedergekreischt wird.

Bevor man an dieser Stelle dem Kritiktenor nachsabbert und sich beschwert, Celans Schwäche sei, wie Unsane zu klingen, bliebe zu bedenken, dass es noch keine Stärke ist, NICHT wie Unsane zu klingen. Im Gegenteil. Den zehntausend lahmen Avantgarde-Rock-Eiferern wäre sehnlichst zu wünschen, dass sie ebenfalls mit einem Spencer oder einem Meyers oder einem Lastwagen kollaborieren oder ein gut gezielter Schicksalsschlag ihnen wenigstens ein paar Milligramm dieser Schwere einhaucht.

(Juliane Liebert)

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Highlights

  • A thousand charms
  • Sinking
  • Washing machine

Tracklist

  1. Safety recall notice
  2. A thousand charms
  3. All this and everything
  4. One minute
  5. Sinking
  6. Weigh tag
  7. Washing machine
  8. Train of thought
  9. It‘s low
  10. Wait and see
  11. Lunchbox

Gesamtspielzeit: 50:11 min.

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