The Casting Out - Go crazy! Throw fireworks!

The Casting Out- Go crazy! Throw fireworks!

Revolver / Soulfood
VÖ: 29.05.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Einer für alle

Wer gelesen werden will, obwohl er nicht mal eben fürs Feuilleton der FAZ schreibt oder für das Aufpumpen der Sprechblasen im "Lustigen Taschenbuch" verantwortlich ist, der muss erfinderisch sein. Dreiseitige Abhandlungen über Tokio Hotel ziehen immer, vor allem natürlich Klicks. Auch Silbermond-Verrisse werden im Schnitt so oft aufgerufen wie der Flug von Frankfurt-Hahn nach Berlin-Schönefeld. Noch besser kommt allerdings ein kleiner Skandal. So augenfällig wie die Headlines vom Boulevard und so berechnend wie ein taktisches Foul beim Fußballsport müssen sie sein. Die Platte von The Casting Out schreit geradezu danach, als Möglichkeit genutzt zu werden, einem ganzen Haufen Menschen mal eben nonchalant ans Bein zu pinkeln. Selten hatte eine Punkrockplatte in jüngerer Vergangenheit mehr Vorschusslorbeeren bekommen – singt auf ihr doch Nathan Gray, Ex-Frontmann von Boysetsfire, Bandstatus: aufgelöst, ein für allemal. Alleine deshalb muss sie ja schon mindestens super sein.

Die folgenden Sätze sind nicht dazu gedacht, um neue Freundschaften zu schließen. Aber man muss es sagen: Super ist "Go crazy! Throw fireworks!" nicht gerade eben geworden. Nicht mal richtig gut. Schlecht zwar auch nicht. Nur eben weitaus gewöhnlicher, als es der eine oder andere Name auf ihrer Packungsrückseite vermuten lassen würde. Dennoch liegt einem nichts ferner, irgendwen vor diesem Album ausdrücklich warnen zu wollen. Fünf, sechs Songs dauert es höchstens, bis sich The Casting Out geoutet haben. Als die größte One-Man-Show seit dem Gagschreiber von Otto Waalkes.

Es ist jener Nathan Gray, der auf "Go crazy! Throw fireworks!" die ganze Last auf seinen Schultern trägt. Der Mann, der mit gewohnt großem Gestus und noch größerem Stimmvolumen den Laden zusammenhält. Und nebenbei alle anderen Männer um sich herum als die Wasserträger entlarvt, die sie sind. Denn während um ihn herum über weite Strecken Allerwelts-Poppunk passiert, der auch auf New-Found-Glory- und American-Hi-Fi-Konzerten niemanden vergraulen würde, spielt Nathan Gray den Feuerwehrmann. Ohne sein Gespür für die richtigen großen und kleinen Momente würde sich nicht bloß das "These alterations"-Stück irgendwo im Niemandsland verlieren. Dort, wo alles so furchtbar nett gemeint, aber nie so richtig gut ist.

Man muss The Casting Out zugute halten, dass sie mit "Quixote's last ride", "Don't forget to breathe" und dem getragenen "The ebbing of the tide" immerhin drei Songs auf ihrem Album haben, um das sich eine sehr gute EP hätte bauen lassen. Den Rest rettet zumeist Gray. The Casting Out haben ein Riesenschwein, dass ihr Spielmacher und Ideengeber keine Diva ist. Keiner, der alle paar Wochen mal ganz woanders ist, als er es eigentlich sein sollte. Sondern eine Type, die ihre Ärmel hochkrempelt, die sich die volle Spielzeit reinschmeißt, die auch dann nicht plötzlich kneift, wenn's eng wird. Eine Wundertüte, die selbst dann noch versuchen würde, die Meute von der gediegenen Mittelmäßigkeit aneinandergeschrabbelter Baukastenchords zu überzeugen, wenn die nach 120 Minuten immer noch nicht genug hätte. Kurz: richtiger Sänger, womöglich falsche Band.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Quixote's last ride
  • The ebbing of the tide

Tracklist

  1. Quixote's last Rride
  2. Don't forget to breathe
  3. Lullaby
  4. I feel fine
  5. Walk away
  6. Ebbing of the tide
  7. Liar (and the award goes to...)
  8. These alterations
  9. Just pretending
  10. May I have this dance?
  11. Sort of homecoming
  12. Dial 9-1... and wait

Gesamtspielzeit: 34:06 min.

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