Barbara Manning And The Go-Luckys! - You should know by now

Barbara Manning And The Go-Luckys!- You should know by now

Innerstate / Clearspot / EFA
VÖ: 31.08.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Überraschungsbesuch

Es gibt Musiker, die verliert man ungewollt, aber regelmäßig aus den Augen. Und plötzlich stehen sie wieder grinsend auf der Matte, den Van in Sichtweite sauber eingeparkt, die Gitarre unter dem einen und eine neue Platte unter dem anderen Arm, etwas mitgenommen, aber glücklich. "Nun denn," fragt man jeweils unsicher, "was hast du in letzter Zeit so getan?", und mit funkelnden Augen bekommt man das neue Album unter die Nase gehalten. "Aha", man grinst wissend zurück. So oder ähnlich geht es jetzt vermutlich Hunderten von Menschen, wenn plötzlich Barbara Manning den Finger wieder an der Klingel hat.

Nun muß man Barbara Manning nicht unbedingt kennen - aber man sollte vielleicht, ist Manning doch dem Titel "Indie-Prinzessin" vermutlich näher als jede andere lebende Person. Ob mit ihren S.F. Seals, mit Calexico oder solo, ob auf Matador, Hausmusik oder Innerstate, die große Frau mit der Glitzergitarre verkörpert den amerikanischen Indie-Rock wie keine zweite. Zumindest in den Ohren unzähliger Kritiker - durchschlagende Erfolge blieben ihr zwar immer verwehrt, doch mit einer fast unüberblickbaren Menge an Veröffentlichungen hat sie sich in die Herzen von Liebhabern des queren und einfallsreichen, aber auch traditionsbewußten Gitarrenrock gespielt.

"Kaffee? Kekse? Bier?" hat man auf den Lippen, als sich pötzlich zwei verschlafene Gestalten aus dem Van schälen. "Zwei junge Autostopper aus Süddeutschland, Zwillinge, nennen sich die 'Go-Luckys!'" bekommt man auf einen fragenden Blick zur Antwort. Schulternzucken, endlich rein mit dem Album und erstmal ausgiebig Staunen: Rotzig und ungestüm klingt das, lauter, kompakter, simpler, rauher und direkter als auch schon; zehn Songs in einer runden halben Stunde. Die blanke Überraschung wendet sich nach ein paar Songs zur freudigen Begeisterung - die neue Energie und Euphorie, in kantige Nudelgitarren und Texte gepackt, macht sich sichtlich gut und geht glücklicherweise auch auf.

Die Platte ist durch, die Go-Luckys! haben in Zwischenzeit die Keksvorräte geplündert, und das gutgelaunte Überfallkommando macht sich wieder auf den Weg - man tourt schließlich ausgiebig. Während ein klappriger Van mit amerikanischem Kennzeichen gerade deutsche Autobahnen unsicher macht, läßt man das Album nochmals durchtuckern, denkt leise, daß den Songs etwas unkonventionellere und gewagtere Ideen durchaus gut getan hätten und läßt sich nichtsdestotrotz vom wiedergefundenen jugendlichen Enthusiasmus für ein paar weitere Momente verzaubern. "You should know by now" - Barbara Manning weiß eben doch, wie man Leute um den Finger wickelt.

(Adrian Schulthess)

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Highlights

  • Don\'t neglect yourself
  • Boston Song
  • Never made love

Tracklist

  1. Don't neglect yourself
  2. You knock me out
  3. Insist
  4. Time to B.
  5. Goof on the roof
  6. Boston song
  7. Buds won't bud
  8. Rhombus
  9. Never made love
  10. Incapable

Gesamtspielzeit: 31:42 min.

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