Patrick Watson And The Wooden Arms - Wooden arms

Patrick Watson And The Wooden Arms- Wooden arms

Vertigo / Universal
VÖ: 15.05.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jeden Tag ein bisschen besser

Wo erledigen Tonkünstler eigentlich ihre Einkäufe? Und wissen die überhaupt noch, was ein Liter Milch kostet? Patrick Watson, Chefdisponent der gleichnamigen kanadischen Band, kennt sich wohl eher mit der Milchstraße aus - schließlich sind die unendlichen Weiten des Universums die einzig denkbare Kulisse für seine Musik, die er höchstpersönlich mit dem Etikett "Science-Fiction-Folk" versehen hat. Neulich wurde er dabei beobachtet, wie er lässig an einer Kasse stand und bargeldlos zahlte - mit irrwitzigen Geschichten von umarmenden Bäumen und anderen Kuriositäten. Natürlich im Surreal-Markt um die Ecke. Einmal hin, alles drin? Von wegen: Watson brauchte fünfzehn Wagenladungen, um alle Schnäppchen der Aktionswoche "Exotische Spezialitäten" abzutransportieren, vor allem die Streicherarrangements aus kontrolliert cineastischem Anbau erwiesen sich zunächst als ziemlich sperrig. Aber wenn man sie erst einmal zu Hause hat, wenn man erst einmal drin ist in Watsons drittem Album, dann erreichen Qualität und Haltbarkeitsdauer ungeahnte Sphären.

In denen schwebt "Wooden arms" auch in musikalischer Hinsicht: Watsons Kompositionen müssen nach wie vor als Expeditionen verstanden werden; als wahnsinnige Wagnisse, die dem Wahn manchmal näher scheinen, als dem Sinn, und am Ende dann doch eine erstaunlich runde Sache ergeben. Aber auch eine größere Herausforderung sind, dem Hörer wesentlich mehr Hingabe und Vertrauen abverlangen, als der Vorgänger "Close to paradise", der trotz aller komplexen Schönheit immer zugänglich blieb und nie den Schwierigkeitsgrad "Coldplay für Fortgeschrittene" überschritt. Dieses Mal empfiehlt es sich hingegen, keine Fragen zu stellen und sich damit abzufinden, dass man nicht alles verstehen muss. Manchmal sollte man sich einfach darauf beschränken, Dinge staunend zur Kenntnis zu nehmen. Zum Beispiel, dass Schlagzeuger Robbie Kuster unter anderem auf dem Instrumentarium einer Großküche trommelt - auf Töpfen und Pfannen, mit Bestecken und überhaupt allem, was sich perkussiv zweckentfremden lässt.

Wer jetzt meint, diese Band habe ja wohl ein Rad ab, liegt absolut richtig: "Beijing" setzt neben einem nüchternen Bach-Präludium-Klavier, epischen Streichern, Marimba und allerlei abenteuerlicher Percussion tatsächlich auf den Klang rotierender Fahrradspeichen, die am Schluss kaum noch von Regenrauschen zu unterscheiden sind. Wie fast alle der elf Stücke, ist auch dieses, das mit Abstand spannendste der Platte, auf Tour geschrieben worden. Angeblich habe Watson einfach nur nachgezeichnet, was er durch das geöffnete Fenster hörte, als er in seinem Hotelzimmer in Peking erwachte. Fernöstliche Elemente verzieren auch "Tracy's waters", während der Titeltrack "Wooden arms", ein Duett mit Lhasa de Sela, die Saiten der griechischen Bouzouki erklingen lässt. Untermalt von Blätterrauschen. Watsons größte Spezialität ist es, Sounds aus ihrem natürlichen Lebensraum zu entführen und sie in einem künstlich angelegten Biotop spürbar aufblühen zu lassen.

Dennoch behauptet er, an seiner Musik sei überhaupt nichts experimentell, er würde doch bloß Geschichten erzählen und eine gute Story eben nicht dort enden, wo sie beginnt. Es gibt auf "Wooden arms" aber auch durchaus Lieder, die man sich nicht erst erschließen muss, sondern die einen mit offenen Armen empfangen. Allen voran das nicht weniger als traumhafte "Big bird in a small cage", ein sanfter Country-Pop-Song allererster Güte mit Banjo, Bababa und der ebenfalls aus Kanada stammenden Katie Moore als Gastsängerin. So eindrucksvoll ein Phantasialand-Instrumental wie "Down at the beach" auch ist, am betörendsten erweist sich Watson weiterhin in ganz spartanischer Besetzung: "Man like you" genügt eine Akustikgitarre und diese fragile und trotzdem so eindringliche Stimme, irgendwo zwischen Jeff Buckley, Nick Drake und dem Unbeschreiblichen. Und zum Schluss wird's mit der Quasi-Swing-Nummer "Machinery of the heavens" sogar noch richtig flott und eines mehr als deutlich: Watson braucht keine Visa, weder an Grenzen noch an der Kasse. Die Freiheit nimmt er sich.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Beijing
  • Big bird in a small cage
  • Man like you
  • Machinery of the heavens

Tracklist

  1. Fireweed
  2. Tracy's waters
  3. Beijing
  4. Wooden arms
  5. Hommage
  6. Traveling salesman
  7. Big bird in a small cage
  8. Down at the beach
  9. Man like you
  10. Where the wild things are
  11. Machinery of the heavens

Gesamtspielzeit: 45:17 min.

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