Knut Und Die Herbe Frau - Knut Und Die Herbe Frau

Knut Und Die Herbe Frau- Knut Und Die Herbe Frau

Tapete / Indigo
VÖ: 08.05.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Männerpension

Die Suche nach weiblichen Attributen im Projekt Knut Und Die Herbe Frau ist knifflig. Man findet sie zuvorderst im Namen. Mit etwas Phantasie auch im Song "Blutiger Sonntag", da dieser mit dem Beat von Gwen Stefani und Eve ("Rich girl") das Album eröffnet. Ziemlich deutlich dann im Song "Loreen", der auf wunderbar simple Weise eine Dame und die Liebe gleichsam besingt und ehrt. "Ich werde vor allen Dingen immer über diese Liebe singen / Sie ist gemeint / Ich werde vor allen Dingen immer über Deine Liebe singen / Du bist gemeint." Romantische Zeilen, die feminine Noten versprühen, aber aus rein maskuliner Produktion stammen. Hinter dem Projekt stecken durchweg männliche Mitglieder zweier guter deutscher Bands: Knut Stenert, Sänger und Gitarrist von Samba, und Benedikt Filleböck, seines Zeichens Pianist bei Wolke.

"Knut Und Die Herbe Frau" ist elektronischer Pop aus einem Schwarm an Synthesizern, das in der Veröffentlichungsflut des Revivals deutschsprachiger Musik mit 80er-Influenza entweder a) komplett untergegangen oder b) noch wesentlich mehr Aufmerksamkeit erlangt hätte, als ein gutes halbes Jahrzehnt danach. Fall A wäre durchaus schade. Fall B bleibt auf Dauer ein Hätte-Wäre-Wenn-Spielchen. Sie lesen gerade Fall C, dem es ziemlich schnurz ist, wann das Album veröffentlicht wird, weil es ein gutes Album ist und lediglich zwei kleinere Störfaktoren aufweist, die allerdings beide mit Knut Stenert zu tun haben. Seine Stimme belebt die Mechanik aus den Synthesizern selten so emotional wie auf den mit dumpfen Bläsern ergänztem "Prag" oder dem Indiepop-Schlusslied "Keine Tränen für die Opfer". Meist klingt er nüchtern oder spricht klanglich passend zum Soundgewand aus einer schier großen, leeren Konservendose ("Gewonnen") oder grüßt per glasklarer Cockpitdurchsage ("Vom Glück zur Wüste").

Das ist kein Hindernis, dieses Album zu mögen, hätte womöglich aber die Wiederholungen der rührigen Gedankenspiele nicht so vordergründig wirken lassen, wie das hier der Fall ist. Auch wenn es nur wenige Worte sind, wie "Du darfst, Du darfst" ("Loreen"), "Und nie allein, und nie allein" ("Stille Sucht"), "Und fehlt und fehlt" ("Fehlen"), "Komm zurück nach heim, heim, heim, heim" ("True love") oder "zu ihrem Glück, zu ihrem Glück" ("Prag"), die jenseits des Refrains als Stil- und Erzählmittel verwendet werden.

Genug gemeckert. Schließlich fällt so etwas nur beim Hören der überwiegend lohnenswerten Texte auf. Stenert schafft prägnante Bilder. "Deine Hand fasst sich ein Herz" heißt es in "Wort", in "Stille Sucht" bittet er "Küss mich beim Fallen" und auf dem flirrenden New-Sonic-Beat in "Fehlen" "Dein Wort fehlt jeden Tag / Außen und Innen". Auch ohne richtig herbe Frau erlebt der Hörer keine herbe Enttäuschung. Und wo bleibt dann der im Ohrwurm "Haus am Fluss" geforderte Applaus am Schluss? Klatsch! Da isser.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Loreen
  • Haus am Fluss
  • Keine Tränen für die Opfer

Tracklist

  1. Blutiger Sonntag
  2. Loreen
  3. Wort
  4. Stille Sucht
  5. Haus am Fluss
  6. Fehlen
  7. Gewonnen
  8. Vom Glück zur Wüste
  9. True love
  10. Prag
  11. Keine Tränen für die Opfer

Gesamtspielzeit: 41:53 min.

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