Fischerspooner - Entertainment

Fischerspooner- Entertainment

LoRecordings / K7 / Al!ve
VÖ: 02.05.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Loft machine

Electroclash ist nur ein Wort. Schweinescheiße auch. Wenn man den Musikern glaubt, die seinerzeit dieser Stilrichtung zugerechnet wurden. Die qualifizierten das Ganze nämlich flugs als Sammelbegriff für die Einfallslosigkeit elektronischer Kleingeister ab, die nebenan einfach die schrottreifen Synthesizer immer dann anzuwerfen pflegten, wenn ihre Frau zufällig Schreikrämpfe bekam. Und distanzierten sich natürlich so weit davon, wie es nur ging. Fischerspooner dagegen taten gut daran, den Begriff unkommentiert zu lassen. Feierten lieber jede Woche in ihrem megahippen New Yorker Loft rauschende Glamour-Parties mit Federboas, desaströsen Frisuren und überkandideltem Style-Apparat, solange die Sache in vollem Saft stand. Und durften sogar einen Text von Susan Sontag vertonen.

Dass ihr ehemaliges Majorlabel Warren Fischer und Casey Spooner nach Abflauen des Hypes fallenließ wie eine heiße Kartoffel, hat dem Duo nicht geschadet. Das bewies schon die exquisite Maxi "The best revenge" mit großkariertem Pop-Appeal, Synthie-Kleckserei und elegantem Gebläse. Denn schrilles Auftreten und Status als Burleskenzirkus der Elektronik hin oder her: Musikalisch leben Fischerspooner keineswegs in einem Paralleluniversum, sondern registrieren stets genau, was außerhalb ihres schillernden Plüschkokons vor sich geht. Und so ist auch auf Album Nummer drei der Song König, Dancefloortauglichkeit beinahe schon ein willkommenes Nebenprodukt und die popmusikalische Entwicklung von 1980 bis heute ein unerschöpfliches Reservoir.

Das fängt bei der kühlen, von Ultravox' "Vienna" entlehnten Synthie-Wave-Ästhetik der zweiten Vorabsingle "Danse en France" an und setzt sich fort in den beweglichen Momenten von Air bei "Door train home" und im saftig nach vorne gehenden "Supply & demand", das zum Satin-Chic und abgehobenen Säuseln von Goldfrapps "Supernature" gleich mehrere Discokugeln auf einmal schluckt. Und doch überzeugen Fischerspooner am meisten, wenn sie sich am wenigsten festnageln lassen und an den unzähligen Komponenten ihres Maschinenparks so lange herumschälen, bis tolle Songs und Hooks zum Vorschein kommen. "Money can't dance" etwa, ein mächtiger Electro-Boogie, der sich abwechselnd auf seine vier Buchstaben setzt und dann unter gleißenden Neonkaskaden in melodieselige Streicher-Trance verfällt.

"Infidels of the world unite" groovt zackig und glänzt mit kargen Gitarrenharmonien, während sich die rhythmischen Ebenen pausenlos knarzend verschieben und den Song jeden Moment in der Luft zu zerfetzen drohen. Trotzdem bleibt alles heil, weil die beiden eben wissen, was sie tun. So zieht man sein Ding durch, ohne sich anzubiedern oder ausschließlich rückwärtsgerichteten Utopien hinterherzulaufen. Zumal von Electroclash inzwischen nun wirklich niemand mehr spricht. Nicht einmal der Typ von nebenan. Seine Frau ist inzwischen nämlich ausgezogen, und er selbst hat seine Maschinen bei eBay verhökert, sich vom Erlös eine Klampfe gekauft und auf Akustik-Grunge umgesattelt. Es kann eben nicht jeder so eine coole Sau sein wie Fischerspooner.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • The best revenge
  • Money can't dance
  • Infidels of the world unite

Tracklist

  1. The best revenge
  2. We are electric
  3. Money can't dance
  4. In a modern world
  5. Supply & demand
  6. Amuse bouche
  7. Infidels of the world unite
  8. Door train home
  9. Danse en France
  10. To the moon

Gesamtspielzeit: 46:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
night porter
2009-06-22 11:35:44 Uhr
Scheint ja irgendwie gerade komplett unterzugehen, weil es zugegegebenermaßen auch ein bisschen angestaubt klingt und die einstige "Electroclash-Coolness" so ziemlich am Boden liegt. Immerhin haben Fischerspooner die Platte gemacht, die ich mir von den Pet Shop Boys zumindest klanglich gewünscht hätte mit tollen poppigen Arrangements wie in The best revenge, Money can't dance, Amouse bouche, die üppiger als gewohnt ausfallen. Der ganz große Hit fehlt bzw. wird ersetzt von dem schönen Design.

Überraschenderweise hat es sogar hier eine positive kritik bekommen.
peppey paloma
2009-05-21 10:13:06 Uhr
ist irgendwie so gar nicht mein ding.
nach einmal myspace-durchhören würde ich 3/10 hergeben.
8hor0
2009-04-05 09:28:01 Uhr
ausgezeichnet! :)
Fluktuation No. 8
2009-04-05 04:18:17 Uhr
Für all diejenigen, die Daft Punk, Röyksopp, The Human League, Justice, Zoot Woman, Toktok, Miss Kittin & The Hacker und/oder den Pet Shop Boys was abgewinnen können:

Am 4. Mai erscheint das neue Album, called "Entertainment".
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