Brendan Croskerry - Goodbye harrier

Brendan Croskerry- Goodbye harrier

Sashimi / Rough Trade
VÖ: 27.03.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Der will nur spielen

Manchmal tut es gar nicht gut, sich Vergleichen auf ehrliche Weise zu stellen. Was hat man als Durchschnittsmensch mit Anfang 20 denn schon erreicht? Im Falle der Rezensentin wären das das Abitur, kurz darauf der Auszug aus dem elterlichen Zuhause, ein halbes Studium und ein kleines Engagement bei einer deutschen Musikseite, um zumindest umsonst an die neusten Alben heranzukommen. Größtenteils gar nicht ungewöhnlich. Bei Brendan Croskerry, dem songsschreibenden Wunderkind aus Kanada, ist das anders. Der war im zarten Alter von fünf Jahren bereits am Konservatorium eingeschrieben, hat sich in seiner Jugend für mehrere Instrumente ausbilden lassen, hat als Student ein Austauschjahr in Spanien verbracht und nun auch bald einen Bachelor of Arts in der Tasche. Eine Art Doogie Howser der Musikbusiness also. Nebenher hat der Junge mehrere Alben in Eigenproduktion aufgenommen und damit seine Mitschüler beglückt. Nun kommt mit "Goodbye harrier" das erste reguläre Studioalbum auf den Markt. Neid? Nicht ganz.

Dass er in der kurzen Zeit, die er auf der Welt ist, bereits verhältnismäßig mehr erreicht hat als Karl Uwe von nebenan und seine Freundin Susi, verdankt Croskerry sicher auch harter Arbeit, eiserner Disziplin und vielleicht dem ein oder anderen kleinen Schubser seitens der Eltern. Dass er tief im Innern aber schlicht ein junger Mann Anfang 20 ist, der trotz des relativ hohen Erfahrungswertes dennoch nicht ganz weiß, was er will, wird an so mancher Stelle des Albums deutlich. Das liegt gar nicht daran, dass er teilweise auf Englisch, teilweise auf Spanisch singt - das macht die Sache sogar ein Stückchen interessanter. Auch die Single "She's alright" läuft im Radio bereits rauf und runter. Croskerry singt wie ein junger Gott, der mit anderen Publikumslieblingen wie James Morrison locker mithalten kann. Ein angenehmer Popsong, wie geschaffen für laue Sommerabende. Da stimmt alles, bis hin zu den versteckten Bläsern im Hintergrund. Dass das Album ansonsten gar keine klare Linie verfolgt, wird hier dezent verschwiegen. So kommt "Jean Baptiste" als Dancenummer daher, taugt aber allenfalls als Nümmerchen für zwischendurch - Croskerry klingt hier in etwa so glaubwürdig wie O.J. Simpson, als ihm der verflixte Handschuh einfach nicht passen wollte.

Überhaupt sind es eher die einfachen, schlichten Songs, die dem Kanadier am besten stehen und bei denen seine musikalische Qualität am eindeutigsten zum Vorschein kommt. "Roy the cat" steigert sich ab der Mitte des Songs und eignet sich sicher perfekt, um im Sommer mit dem Auto durch die Stadt zu fahren und die Seele baumeln zu lassen. "Me and Miss Rand", ein Highlight des Albums, trumpft mit fast schon loungeartiger Atmosphäre auf, da plänkelt nichts einfach aussagelos vor sich hin. Bei Ausfällen wie "Elaine, Elaine!" kann und muss man hingegen eher ein Auge zudrücken, und dass dem Album generell ein roter Faden fehlt, lässt sich in Anbetracht Croskerrys nicht abstreitbaren Talents auch bis zu einem gewissen Punkt verzeihen. Ganz der junge Mensch, der er nun mal trotz allem noch ist, wollte er auf "Goodbye harrier" wahrscheinlich jedes Genre unterbringen, das ihm persönlich gefällt, ohne an die Verwirrung des Zuhörers zu denken. Croskerry will eben einfach nur spielen. Auch dafür ist man jung.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Amelie
  • She's alright
  • Me and Miss Rand

Tracklist

  1. Amelie
  2. Newscasters
  3. She's alright
  4. Eyes closed
  5. Me and Miss Rand
  6. Jean Baptiste
  7. Roy the cat
  8. Groove chiquiteo
  9. Puto calor
  10. Elaine Elaine!
  11. Kids are back in school
  12. Fuera de la carretera

Gesamtspielzeit: 39:35 min.

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