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New York Dolls - 'Cause I sez so

New York Dolls- 'Cause I sez so

Rhino / Warner
VÖ: 02.05.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Die Wanne ist voll

Was heißt da eigentlich immer: die alten Zeiten, die alten Sounds? Auch im Falle der New York Dolls hätte schließlich alles viel schlimmer kommen können. Man hätte die Klassiker 85mal remastern und in 346 Versionen ins Weihnachtsgeschäft stanzen können. Man hätte die David-Johansen-Gesichtspackung käuflich erwerben und sich Aerosmith nennen können - oder auf den Ideenpups abgehen können, Johnny Thunders' Kotzgeräusche über einen slicken Nervometer-Beat zu samplen (Mousse T, bitte übernehmen sie). Stattdessen gibt es seit dem Comeback mit "One day it will please us to remember even this" wenig Glam, wenig Sleaze und noch viel weniger Proto-Punk. Zudem einen neuen, gelackten Sound, der nicht gerade zur Vergangenheitsbewältigung taugt. "'Cause I sez so" benimmt sich zunächst nicht viel anders.

Erneut sollte man seine Boxen in einer salpetersäuregefüllten Badewanne ertränken, großräumig mit Stacheldraht absperren sowie Plus- und Minus-Pole querverlöten, um auch nur einen Fetzen der alten Kratzbürstigkeit wiederzubekommen. 18 Liter Sangria, intravenös verabreicht, würden ihr Übriges hinzutun. Doch auch abseits derart nostalgischer Ambitionen lebt "'Cause I sez so" von einem Blick über den Wannenrand, der auf beängstigende Weise Sinn ergibt. Irgendetwas wirbelt im Inneren dieser Platte, das noch den letzten, ausgelutschten Genre-Standards so etwas wie Leben einhaucht. Ein paar richtig gute Stücke sind überdies dabei.

So rumpelt "Drowning" mit unterschwelliger Melancholie über die Toms, begleitet von Peter-Buck-Melodien und Johansens' Stimme, die sich hier teils derart vertieft wie die des späten Nick Cave. "My world" ist ein luftig herausgeschüttelter Gitarrenpopper, in etwa die Früh- und die Spätphase der Stranglers zu einem handlichen Brocken zusammenpressend - weil mehr darüber auch nicht gesagt werden muss. Als Füllmaterial köpft "This is ridiculous" John-Lee-Hooker-Riffs, pfeift sich "Temptation to exist" eins auf Western- und Mariachi-Takte. Und schwurbelt der Soul-Pop von "Lonely so long" so lange herum, bis Johansen aus lauter Langeweile Schlusssätze über die Akkorde spricht, wie sie in ihrer dahingeschnodderten Art auch einem Joe Strummer aus dem Kehllappen hätten fallen können. Das abschließende "Exorcism of dispair" nimmt dann schnell noch den alten "Yeah - Oh yeah"-Ramones-Vibe ins Zitat-Lexikon auf - und zerreißt es zwischen scharfen Solo-Kanten in Konfettifetzen. Zudem war da noch irgendwo Reggae auf der Platte. Doch es liegt im Wesen dieser Musik, dass man hintenher gar nicht mehr genau sagen kann, wo und wann jetzt genau - und vor allem: weshalb eigentlich?

Was den Sympathie-Bonus von "'Cause I sez so" nach oben treibt, ist sicherlich die Beiläufigkeit, mit der eine Band auf ihre eigene Auferstehung reagiert - hörbar gemacht durch einen laxen Umgang mit Genres, Stilen und Songs. Zudem retten Johansens Stimme und Sylvain Mizrahis tiefenenspannte Themen auf der Gitarre gerade genug Wiedererkennungswert in das Jetzt, um aus "Cause I sez so" ein Panoptikum der mittelprächtigen Laune zu entwickeln. Dennoch strotzt das alles vor einem Altherren-Stilmix, wie man ihn sonst nur von irgendwelchen Schlagerbratzen präsentiert bekommt. Mizrahi und Johansen interessiert das herzlich wenig. Sie haben ihren Spaß. Und zwingen gar zum Mitplanschen.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • My world
  • Drowning
  • Exorcism of dispair

Tracklist

  1. 'Cause I sez so
  2. Muddy bones
  3. Better than you
  4. Lonely so long
  5. My world
  6. This is ridiculous
  7. Temptation to resist
  8. Making rain
  9. Drowning
  10. Nobody got no bizness
  11. Trash
  12. Exorcism of dispair

Gesamtspielzeit: 41:03 min.

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