King Creosote - Flick the vs

King Creosote- Flick the vs

Domino / Indigo
VÖ: 24.04.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Holzkopf

Sollten Sie Kenny Anderson sein, bittet die Plattentests.de-Redaktion im Sinne des Antimasochismus darum, die nachfolgenden Zeilen zu ignorieren. Schließen Sie diese Rezension. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass Sie sich aufregen und gegebenenfalls den Rest ihres Lebens verstört und konsterniert mit einem Dudelsack im Arm wortlos in einem Schaukelstuhl verbringen werden. Danke. Sollte hingegen bereits der Blick auf die obige Wertung gefallen sein, hilft aus therapeutischer Sicht an dieser Stelle nur, das Schlimmste bereits vorwegzunehmen und den Rest dem Schicksal zu überlassen. Kenny Anderson alias King Creosote hat ein sehr gutes Album veröffentlicht. Nun ist es raus.

Wenn Anderson auf "Flick the vs" tatsächlich sein Inneres nach Außen kehrt und Lob wirklich nachvollziehen kann, leidet er an einer Mischung aus Selbstzweifel und schlichter Genügsamkeit. Nur, wäre Anderson mit Pinocchios Holzgenen gesegnet, seine Nase müsste etwa soooo-------------------------------------------------------------- lang werden. "You've seen me wading through reviews I don't deserve", singt er in "Coast on by". Frisches Schmieröl also auf die gute alte Stihl-Säge und ab mit dem Zinken. Immerhin spricht Creosote diese Worte zu einem folkigen Soundgewand und sorgt noch in der gleichen Sekunde für einen der größten Popmomente auf "Flick the vs". Trotzdem setzt er im technoid-angereicherten "Rims" noch einen drauf und lügt kackdreist: "I am the worst". "The age of understatement" haben andere Puppen das bereits genannt.

Die falsche Bescheidenheit rührt vielleicht daher, dass "Flick the vs" den LoFi-Folk seiner Vorgängeralben um mehr Pop und Electronica erweitert, was trotz unfundierter Grundskepsis erstaunlich gut zusammenpasst. Schon die ersten Sekunden des Openers "No one had it better" nutzen einen Vocoder, ehe dumpfe Bassdrums dazukommen und Anderson das Stück auf siebeneinhalb Minuten auswalzt. Ohne Penetranz, selbst wenn die Zeilen "If you want this you can have it / Would you let me go now" schier in Endlosschleife laufen. Die letzten Sekunden gehen fast unter, als höre man einem Radio mono aus anwachsender Distanz in einer verwinkelten Lagerhalle zu. Man läuft ihm schließlich entgegen, nähert sich der Box und wird den Platz direkt daneben neun weitere Stücke lang nicht räumen.

Der Staffelstab liegt nun in der Hand von "Two frocks at a wedding", das den Falsett-Gesang nahtlos übernimmt und eine starke Bassline in sich birgt, die solange auf einen Dudelsack einredet, bis dieser stramm steht und selbst im Schlaf fortwährend eine kleine Melodie hervorbringt. "Ja, Sir!", möchte man rufen. Der Drill-Sergeant nickt anerkennend, dreht ab und weiß, dass seine Arbeit getan ist. "Camels swapped for wives" überzeugt durch seine innere Wendung. Ehe das Akkordeon wehklagend verklingt, formt Anderson die Mundwinkel fast zu einem verschmitzten Lächeln: "Going to help bring you up / I won't leave you on your own / You know cause hell won't leave you alone."

"Nothing rings true" ist dann ein starker Kandidat für den Titel des Akustikstück des Jahres: Um die Gänsehaut zu umschiffen, die dieser Song hervorruft, braucht man wenigstens einen Offroad-Wagen. Selbst wenn man den frisch vom Fließband mit Totalschaden vor die Wand setzt, ist es der Song wert gewesen. Die Gitarre nähert und entfernt sich, das Klavier kämpft ums Überleben. Am Ende bleibt das Mikrofon offen und Anderson seufzt. Eigentlich großartig, aber im heutigen Zeitalter wohl doch nur Teil eines ziemlich miesen Albums.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Camels swapped for wives
  • No way she exists
  • Coast on by
  • Nothing rings true

Tracklist

  1. No one had it better
  2. Two frocks at a wedding
  3. Camels swapped for wives
  4. No way she exists
  5. Fell an ox
  6. Coast on by
  7. Nothing rings true
  8. Curtain craft
  9. Rims
  10. Saw circular prowess

Gesamtspielzeit: 46:57 min.

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User Beitrag
calamares
2009-03-17 15:55:04 Uhr
na siehste.
warum nich gleich alle beiträge durchlesen - und schon hätt sich die frage erübrigt.

jetzt kann ichs ja mal rauslassen:

ich mag dieses streberhafte schweden-englisch nicht. irgendwie hört man´s halt doch fast immer heraus.
calamares
2009-03-17 15:43:48 Uhr
ach wie, der herr stammt aus schweden??
dachte immer der wär brite.

naja, trotzdem gut, sach ich ma.....
mr.pink
2009-03-17 12:01:02 Uhr
schande über mein haupt, du hast natürlich recht. schotte, nicht schwede. ein freudscher verschreiber, bei diesen klängen.
Henrik
2009-03-17 02:17:07 Uhr
Oder bin ich gerade in eine bewusst ausgelegte Falle getappt? Naja, auch nicht schlimm.
Henrik
2009-03-17 02:16:26 Uhr
Schwede? Ich dachte der käme aus Schottland? Bin mir sogar sehr sicher. Hübsches Album, nur nicht so toll wie die beiden davor.
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