Econoline Crush - Brand new history

Econoline Crush- Brand new history

EMI
VÖ: 10.09.2001

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Mantel der Geschichte

"We're gonna make it right" brüllt es uns ins Gesicht. Wütend jaulen die Riffs und beherzt scheppert das Tambourin. Econoline Crush scheinen es mit ihrem vierten Album "Brand new history" wissen zu wollen. Bleibt die Frage, was genau sie denn, um mit den Worten des Openers zu sprechen, richtig machen wollen. Auf der Tagesordnung stehen ein wenig Industrial, eine gute Portion Grunge und zur Abrundung des Ganzen noch ein ordentlicher Schwung Mainstream. Kräftig umrühren, ein schickes Video drehen und fertig ist der Schlager.

So denkt man jedenfalls, wenn man Songs wie die Single "You don't know what it's like", von Altmeister Bob Rock (Bon Jovi, Metallica) produziert, zum ersten Mal vorgesetzt bekommt. Während Frontmann Trevor Hurst seine Stimme nach vorne wirft, preschen nicht allzu aufdringliche Riffs umher und freuen sich an der Produktion, die offensichtlich "modern" genannt werden will. Dank der überaus bekömmlichen Hookline gelingt das hier so gut, daß man jenseits des großen Teiches mal wieder Schlange steht.

Doch spätestens beim nächsten Song deuten sich Abnutzungserscheinungen nicht nur an. Der Titel "Trash" kommt wohl nicht von ungefähr. Wenig später überkommt uns "May I go" mit süßlichen Akustikgitarren und schielt mit aufgesetzter Melancholie derart penetrant auf die Charts, daß man sicherheitshalber schon einmal den Zahnarzt rufen sollte. Die besinnliche Zurückgelehntheit von "Digging the heroine" funktioniert da gleich viel besser. Hier pluckert ein weiches Keyboard zu sanften Beats, und Hursts Nachdenklichkeit mündet in einer gelungenen Melodie.

Trotz solcher Lichtblicke fällt viel Schatten auf die im Albumtitel versprochene brandneue Geschichte. Die Hilfe von Kid Rock-Knöpfchendreher John Travis, der zehn der zwölf Songs produzierte, kann kaum nennenswerte Akzente setzen. Auch Gäste wie Billy Duffy und Matt Sorum von The Cult, die einen Hauch ihrer Heimatband versprühen, oder Martyn LeNoble (Porno For Pyros) vermögen daran wenig zu ändern. Zu beliebig vergreifen sich Econoline Crush an Klischeeriffs, zu breitbeinig wirken dadurch ihre Songs. Mit dem derart risikoscheuen Nachfolger des platin-veredelten "The devil you know" werden Econoline Crush in ihrer kanadischen Heimat vermutlich die Geschichte wiederholen. Hierzulande greift man da wohl eher zum verhüllenden Mantel.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • By the riverside
  • Digging the heroine

Tracklist

  1. Make it right
  2. Flamethrower
  3. You don't know what it's like
  4. Trash
  5. By the riverside
  6. Digging the heroine
  7. Go off
  8. Sinking
  9. May I go
  10. My salvation
  11. Here and there
  12. Tomorrow starts today

Gesamtspielzeit: 42:50 min.

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