Camera Obscura - My maudlin career

Camera Obscura- My maudlin career

4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 17.04.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

High school musical

Wirklich, schon drei Jahre? So lange ist es tatsächlich her, dass Camera Obscura ihr drittes Album "Let's get out of this country" veröffentlichten und ihren Hörern damit nicht nur einen Sommer voller Indie-Pop-beflügelter Momente verschafften. Drei Jahre, in denen sich viel verändert hat. Teilzeit-Trompeter Nigel Baillie verließ die Band wieder, während diese sich von Merge verabschiedete und zum 4AD-Label wechselte. Grund zum Heulen gibt es für Tracyanne Campbell und ihre nun auf fünf Mitglieder reduzierte Band dennoch nicht. Mit dem vierten Studioalbum "My maudlin career" verändert sich gar nicht mal so viel im Vergleich zum Vorgänger - und das ist gut so.

Poppige Melodien und Campbells glaskarer Gesang bestimmen nach wie vor die einzelnen Songs. "French Navy" ist ein Einstieg erster Klasse, der einen munter in die verstaubte 50er-Jahre-Schulbibliothek zieht, um dort gemeinsam mit der Sängerin auf den französischen Seefahrer zu warten. Wer bei diesen Zeilen eine trockene Schnulze erwartet, täuscht sich - Camera Obscura verstehen sich auf Hooklines, die man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt, und die Bläser im Hintergrund tun ihr übriges. Dass Campbell das Herz aber wirklich gebrochen wurde, merkt man dem Album zunehmend an, und sie zeigt keinerlei Scheu, den Hörern einen Blick in ihr Gefühlsleben zu gewähren. "You told a lie" erzählt vom Partner, der nicht nur das Blaue vom Himmel versprochen, sondern auch die blauen Augen derart beschworen hat, dass sie sie nicht mehr von ihm lassen konnte, und lässt erahnen, wie die zweite Hälfte des Albums aussehen wird. Sind die ersten Songs noch verliebt-flockig in ihrer Art, werden sie nach und nach schwerer und tiefer, und das gebrochene Herz Campbells legt sich auf ihre Stimmbänder. Wie in einem Tagebuch plaudert sie immer und immer mehr aus dem Nähkästchen - und der Hörer ist hautnah dabei.

"Careless love" hätte in eine dieser 70er-Jahre-Herzschmerz-Komödien gepasst, mit Tracyanne Campbell in der Rolle der verlassenen und weiterhin sehnsüchtig wartenden junge Frau auf der Treppe vor ihrem Haus. Da schummert das Licht nur leicht, und die Streicher begleiten sie immer tiefer in ihren Schmerz hinein - damit sie anschließend vom Titeltrack erlöst werden kann. Dramatisch geht es hier zu, aber auch wieder poppiger, und das Aufraffen des eigenen Körpers nach einer Trennung wird auf beste Weise vertont. Wie jedes Album von Camera Obscura ist auch dieses wie ein Musical aufgebaut, voller Farben, Emotionen und verschiedener Facetten, die zu jedem Zeitpunkt perfekt widerspiegeln, was in Campbell vorgeht. Und so schließt sich mit "Honey in the sun" auch der Kreis. Es geht musikalisch gesehen zurück in die 50er Jahre, der Pop bestimmt das Feld und Campbell singt und schmachtet vor sich hin, als würde ihr Leben davon abhängen - oder als würden die Trompeter im Hintergrund sie jagen. Der Vorhang fällt, die Sängerin bleibt allein in ihrem Liebeskummer - trotz der garantierten Standing Ovations.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • French Navy
  • The sweetest thing
  • My maudlin career
  • Honey in the sun

Tracklist

  1. French Navy
  2. The sweetest thing
  3. You told a lie
  4. Away with murder
  5. Swans
  6. James
  7. Careless love
  8. My maudlin career
  9. Forests and sands
  10. Other towns and cities
  11. Honey in the sun

Gesamtspielzeit: 46:24 min.

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