P.O.S. - Never better

P.O.S.- Never better

Rhymesayer / Rough Trade
VÖ: 24.04.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Major Threat

Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn man den Namen P.O.S. schreiben wollte und im falschen Moment zwei Zentimeter zu weit nach rechts tippen würde - plötzlich müsste man an verlauste Dreadlocks und New-Metal-Lieder denken und an die dermaßen penetrante Lebensbejahung eines Songs wie "Alive", dass man eigentlich lieber tot wäre. Aber gut, hier vertippt sich natürlich keiner, und P.O.S. aus Minnesota hat auch nicht viel mit dem Leben am Hut, keine Sorge. Seit drei Platten erforscht sein HipHop die Darklands des Daseins, vorher schon hat er in zwei Punkbands gespielt, und "Never better" nun bringt all das zusammen: Es ist ein Rap-Album mit Fugazi-Blickwinkel und Minor-Threat-Mindset, ein angriffslustiges Biest außerdem und mindestens ein Schritt vorwärts für die Ehrenrettung des Crossover.

Nirgendwo wird das deutlicher als im atemlosen "Drumroll": Wenn P.O.S. hier "bring it back, come on" fordert und der minimalistische Trommelwirbel, über den er mit zusammengekniffenen Augen hinweg rappt, tatsächlich gleich wieder losdonnert, ist das die alte Schule der garstigen MC-Gesten. Vorher schon stampft "Let it rattle" mit breitem Überlegenheitsrefrain ein erstes Ausrufezeichen aus dem Boden und weigert sich außerdem sehr vehement, in die großen Festspiele der Obama-Seligkeit einzustimmen: "You really think a president would represent you?", spuckt P.O.S. im verächtlichem Tonfall aus und löst gleich noch das Problem mit der Klimakatastrophe: "Freezing in the Minnesota snow / Heating up the window with the flow." Es fehlt hier nicht an Selbstbewusstsein.

Also bleibt "Never better" bis zum letzten Track aggressiv und unversöhnlich; man möchte dieser Platte wirklich nicht im Weg stehen, selbst wenn "Purexed" zumindest in seinen Strophen eine Verletzlichkeit offenlegt, gegen die sich der Rest des Albums mit Händen, Füßen und dicken Eiern wehrt. "Goodbye" findet zwischendurch außerdem Zeit, den gebohnerten Luxus-Rap von Kanye, 50 oder Lupe übers Knie zu legen und erlaubt sich im Eifer des Gefechts einen kurzen Zuversichtsschimmer. Schon "Get smokes" aber rückt das als besonders kaputter Stop-and-Go-Quälgeist wieder zurecht, "Been afraid" bäumt sich über steroidgestählten ?uestlove-Livedrums auf, und wer schließlich beim Titelstück ankommt und dessen Eiseskälte und Stimmverfremdungen nicht an den Nieren spürt, gehört dringend auf eine Transplantationsliste. Einigen Momenten fehlt noch der unbedingte Fokus, nie aber fehlt die allerletzte Dringlichkeit - so rettet P.O.S. nicht nur den Crossover, sondern verputzt auch noch seine schlimmsten Ausgeburten zum Frühstück.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Let it rattle
  • Drumroll (We are all thirsty)
  • Purexed
  • Never better

Tracklist

  1. Let it rattle
  2. Drumroll (We are all thirsty)
  3. Savion Glover
  4. Purexed
  5. Graves (We wrote the book)
  6. Goodbye
  7. Get smokes
  8. Been afraid
  9. Low light low life
  10. The basics (Alright)
  11. Out of category
  12. Optimist (We are not for them)
  13. Terrorish
  14. Never better
  15. The brave and the snake

Gesamtspielzeit: 55:38 min.

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