Nomo - Invisible cities

Nomo- Invisible cities

Ubiquity / Groove Attack
VÖ: 08.05.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Reiche Geister

Die Plattentests.de-Rezension zum letzten Nomo-Album "Ghost rock" begann mit den Worten "Das kann kein Zufall sein", und natürlich war es auch kein Zufall. Alles am Afrobeat/Free Jazz/Funk dieser Band wird durchgeplant und vorauskalkuliert, im Formalismus sind Nomo fast so streng wie in der Abstraktion ihrer Ideen von Fortschrittsmusik, und selbst die Saxophon-, Trompeten-, Flöten- oder Posaunensoli in ihren Kompositionen scheinen bei allen Freiheiten wenig mit Improvisation zu tun zu haben. Das Erstaunliche war dann an "Ghost rock", dass es trotzdem so lebendig klang - im Sinne von "gerade noch am Leben", "von Wadenkrämpfen und Hitzewallungen geplagt" und "eigentlich doch schon so gut wie hinüber". Vertontes Dschungelfieber aus Ann Arbor, Michigan, und hoffentlich auch der letzte Sargnagel für alle, die den Begriff "Studentenmusik" noch immer für ein Schimpfwort halten.

In einer Zeit aber, in der nun sogar Stadtgenosse Iggy Pop den Jazz versucht, reicht das allein einer ambitionierten Band wie Nomo natürlich nicht mehr. "Invisible cities" ist ihr viertes Album und die pragmatisch konsequente Vorwärtsentwicklung der Fusion-Visionen von "Ghost rock" - eine Platte, die an den entscheidenden Stellen nachbessert, diverse neue Einflüsse verarbeitet, aber vor allem doch präziser und effizienter auf den Punkt spielt als ihr Vorgänger. Die Tracks sind diesmal kürzer, die Auswege nicht ganz so geschlängelt, und die Schlussfolgerungen einleuchtender: Wie schon das Titelstück etwa von einer plötzlich anspringenden Elektronikmaschine gepiesackt wird, die bis zum Ende nicht mehr weggehen wird, wäre ein Ereignis für sich, wenn nicht die glockenhelle Percussion und die ewig akkuraten Bläsersätze alles so selbstverständlich im Griff behielten. Kein Dreck hier, keine überstehenden Ränder.

Für "Invisible cities" ergibt sich daraus zeitweise ein kleines Dilemma: Auch wenn ihre klinische Perfektion die Platte letztlich besser macht als das im direkten Vergleich zügellosere "Ghost rock", kommt sie letzten Endes nur in ihren herausragenden Tracks beim gleichen überwältigenden Effekt an. Das Banjo aus "Bumbo" zum Beispiel und die Handclaps von "Crescent" kokettieren mit Anflügen von Wahnwitz und Lässigkeit, die sich Nomo natürlich niemals tatsächlich genehmigen würden, das paranoid an den Nerven zehrende Gitarrenmotiv von "Ma" schleicht um einen herum wie ein Tiger auf Beutezug, und was "Nocturne" noch von sich selbst übrig lässt, wird mit wortlosen Jubelvocals konfrontiert, die zu linkisch rasselnder Percussion so viel Lebensfreude hinbekommen wie ein versprengter Haufen Fußballfans nach dem 1:5-Anschlusstor ihrer Mannschaft. Im Nomo-Kontext klingt das natürlich trotzdem noch immer aufregend und geradezu grotesk konkurrenzlos - selbst wenn die Band einfach nur ihren Job erledigt.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Invisible cities
  • Bumbo
  • Ma

Tracklist

  1. Invisible cities
  2. Bumbo
  3. Waiting
  4. Crescent
  5. Patterns
  6. Ma
  7. Banners on high
  8. Elijah
  9. Nocturne

Gesamtspielzeit: 42:27 min.

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