Mexican Institute Of Sound - Soy sauce

Mexican Institute Of Sound- Soy sauce

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 02.05.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Latein am Ende

Es kann einem momentan einiges auf den Keks gehen, sofern man Mexikaner ist. Gut, dass Camilo Lara vermutlich gar keine Zeit bleibt, sich über solche Dinge aufzuregen. Der Mann hat als Geschäftsführer der heimischen EMI-Niederlassung schließlich Wichtigeres zu tun. Und seit sein Freundeskreis, von Lara stets mit exquisiten Mixtapes versorgt, ihn dazu überreden konnte, es doch einmal mit einem eigenen Projekt zu versuchen, dürfte er erst recht nicht mehr wissen, wo ihm der Kopf steht. Denn auch andere waren spontan begeistert: Placebo gaben Remixes in Auftrag, Ad Rock von den Beastie Boys ließ es sich sogar nicht nehmen, selbst einen anzufertigen.

Und spätestens Laras zweites Album als Mexican Institute Of Sound hieß nicht nur "Piñata", sondern funktionierte auch so: wie ein bunter Pappkamerad, an dem man nur ein bisschen herumklopfen muss, damit die tollsten Sachen herauspurzeln. Traditionelles Gebläse an allen Ecken und Enden. Latin, Cha Cha, Funk und Soul, durch die Rhythmusmaschine der Clubs gedreht. Beats und Scratches, die sich mit Folklore-Fetzen und Esquivel-Schnipseln ausbremsen. Cumbia statt Ringelpiez, Mezcal statt Wodka-Bull. Und damit das alles nicht aus den Fugen gerät, hat Holger Beier von Le Hammond Inferno ein waches Produzentenauge auf das turbulente Treiben des Institutsvorsitzenden.

Der auf "Soy sauce" mal wieder eine erstaunliche Vielfalt musikalischer Absonderlichkeiten auffährt. Schon die einleitende "Cumbia" aus dem Sampler klingt, als würden sich drei Mariachi-Kapellen auf einmal zum Beatboxing treffen. "Yo digo baila" ist der zwingendste funky Veitstanz zu knarzigem Bass-Synthi, seit Fatboy Slim vom "Fucking in Heaven" träumte. Das großartige "White stripes" lässt zu schwer atmender Gitarre eine Quetschkommode, dreckigen Poser-Rap und mehrstimmigen Frauenchor gegeneinanderrennen. "Hiedra venenosa" versteht dann eine ganze Menge von elektronisch verstärktem Rock'n'Roll-Boogie. Und bei "Sinfonía agridulce" macht Lara nicht einmal vor einer sturzbesoffenen Trompetenversion von The Verves "Bitter sweet symphony" in Landessprache halt. Bescheuert, ja. Unterhaltsam, auch.

Also eine durchgehend lohnenswerte, wenn auch vereinzelt etwas anstrengende Angelegenheit, wobei man sich aber lediglich den sinnfreien Easy-Listening-Schmachtfetzen, der dann auch noch "Te quiero mucho" heißt, komplett hätte schenken können. Davon abgesehen machen Laras aggressiver Witz und der treibende Kick im Sound aus "Soy sauce" höchst vergnüglichen Pop im Spannungsfeld von World Music und Dance - und eben nicht bloß ein Sektiererprodukt ohne Gebrauchswert, zu dem man allenfalls vegetarische Würstchen auf Sojabasis verspeisen kann. Die Mariachi-Kapelle hat sich am Ende übrigens doch noch eingefunden: Sie heißt Los Carreteros De Bajio, spielt bei zwei Stücken auf und ist laut Schleichwerbung im Booklet sogar ein Engagement für die nächste Fiesta wert, da "serious, punctual and excellent." Allesamt Dinge, die auch auf Mexican Institute Of Sound zutreffen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Yo digo baila
  • White stripes
  • Hiedra venenosa
  • Sinfonía agridulce

Tracklist

  1. Cumbia
  2. Alocatel
  3. Yo digo baila
  4. White stripes
  5. Hiedra venenosa
  6. Te quiero mucho
  7. Jalale
  8. Comité culificador Part 1
  9. Comité culificador Part 2
  10. Karate Kid 2
  11. Reventon
  12. Sinfonía agridulce
  13. Alocatel (Ad Rock Remix)
  14. Chiflideur

Gesamtspielzeit: 43:53 min.

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