The All-American Rejects - When the world comes down

The All-American Rejects- When the world comes down

Interscope / Universal
VÖ: 24.04.2009

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Alles im Griff

The All-American Rejects sind das, was man im Volksmund gemeinhin unter einem Phänomen versteht. Obwohl sie über Dinge singen, zu denen niemand ab sechszehneinhalb mehr einen Funken Bezug hat, bekommen sie von volljährigen Plattentests.de-Redakteuren Empfehlungsschreiben ausgestellt. Obwohl sie das Band gewordene Ringelpiez-mit-Anfassen sind, werden ihre Hits auch in Studentenwohnheimen, Supermärkten und Playstation-Spielen gespielt. Tyson Ritter, Sänger und Beau dieser The All-American Rejects ist dieses Jahr 25 geworden. Was ihn kein bisschen davon abhält, gleich im ersten Refrain dieser Platte die Hose runterzulassen: "I wanna / I wanna / I wanna touch you / You wanna touch me too!"

Es ist dennoch sehr einfach zu erklären, warum auch das dazugehörige Stück Musik hier wieder einen Quasi-Freifahrtsschein erhält: Die Melodien sind's! In guter Form klettern The All-American Rejects die Harmonieleiter ähnlich unbedarft rauf und runter, wie sie in den Tagebüchern aufblühender 13-Jähriger wildern. Um aus den Fundstücken Geschichten, Liedtexte und Dialoge zu basteln. Soll sich dieser Ritter halt ruhig zum Affen machen, die Hooks sind unser!

Und Hooks sind mal wieder reichlich an der Zahl auf dieser dritten Platte der All-American Rejects. Hooks, das ist überhaupt das, worum sich diese Platte dreht. Kein Stück, kein Takt und kein Ton verklingt, der nicht darauf hinarbeitet, in aller Honigkuchenpferdchensüße zu schmilzen. Im Ohr, nicht in der Hand. Ja, keine Akkordfolge bleibt auf der Suche nach Griffigkeit übersehen, kein kleiner Brockhaus beim Erdenken all der Schüttelreime ungenutzt. Das alles für diesen einen Moment, der nie so richtig kommt.

"When the world comes down" mag in der Planungsphase noch das spaßigste Popalbum der Welt gewesen sein, mindestens. Die Liste der Gast-Musiker ließe sich auf chlorfrei gebleichtes Toilettenpapier gedruckt dreimal um den Äquator Gassi führen, die Liste der Gast-Instrumente ist mit Geigen, Glockenspielen und Autoharp nicht minder bunt besetzt. Die Plattenfirma hat noch einen draufgesetzt und ein Orchester dazu spendiert. Ein Mordsaufwand für ein Album, dass das Offensichtlichste an das Offensichtlichste reiht, das voll ist mit aufgeblähtem Nichts, das gekürzt vielleicht noch in DSF-Trailern einigermaßen Figur machen würde.

Versagt haben The All-American Rejects, und das ausgerechnet in ihrer Paradedisziplin. Die Unbekümmertheit und Eingängigkeit ihrer alten Alben haben sie eingetauscht für einen "Teenage dirtbag"-Nachklapp namens "Gives you hell", der mindestens eineinhalb Teenager-Generationen zu spät kommt. Diese Platte erlebt eine Band, die sich auf das Niveau all der Ein-Hit-Maschinen herablässt, die je amerikanische College-Radios beschallt haben: Wheatus, SR-71, Third Eye Blind. Eine Band, die mit ihrem "The wind blows" einige der unrockbarsten Synthesizer-Arrangements seit der 86er-Tour der Flippers aufgenommen hat. Was überbleibt, ist die zielgruppentechnisch geschickt bis an die Grenze der Karikatur überzeichnete Blümchen-Lyrik eines mittlerweile 25-Jährigen. Und auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gekürzte Gebrauchs- und Wegwerfmusik, die inklusive ihrer Quotenballaden kaum die Klingeltonwerbung überleben dürfte, die zu ihr geschaltet wird. Ein Trauerspiel.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • I wanna
  • Another heart calls

Tracklist

  1. I wanna
  2. Fallin' apart
  3. Damn girl
  4. Gives you hell
  5. Mona Lisa
  6. Breakin'
  7. Another heart calls
  8. Real world
  9. Back to me
  10. Believe
  11. Wind blows
  12. I wanna (demo)
  13. Damn girl (demo)
  14. Fallin' apart (demo)
  15. Mona Lisa (demo)
  16. Real world (demo)
  17. Here I sit (demo)

Gesamtspielzeit: 66:05 min.

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