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Tantric - Tantric

Tantric- Tantric

Maverick / WEA
VÖ: 03.09.2001

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Aus dem Häuschen

Bei Olympischen Spielen eine Goldmedaille zu gewinnen ist bestimmt eine prima Sache. Überall Fotos, jubelnde Menschenmassen, das Fernsehen als Wohnzimmer und Schubkarren voller Geld natürlich auch. Toll! Es ist allerdings darauf zu achten, in welcher Disziplin man eine Goldmedaille fürs Vaterland erringt. 50km Gehen sollte man nur dann auswählen, wenn man auch gerne mal zum Gespött des Bürgertums beitragen mag. Denn das Volk versteht nicht, was für eine unglaubliche Leistung dahinter stecken mag. Wie will man so was auch vermarkten? Watschelnde, dürre Gestalten mit schmerzverzerrten Gesichtern, die klagend zu schreien scheinen: "Hilf mir, ich kann nicht mehr gehen." Schwierig.

Auch Tantric machen etwas, worin sich schon Hundertschaften vor ihnen versucht haben: Post-Grunge mit Verzicht auf jeglichen Firlefanz - und mit einer vermeintlichen Perfektion, die weh tut. Nachdem die drei Instrumentalisten bislang bei Days Of The New verdingt waren, bis sie von Mastermind Travis Meeks vor die Tür gesetzt wurden, mußte ein neuer Sänger und ein neuer Name her. Beides war schnell gefunden und Travis Meeks als natürlicher Schwund verbucht. Das kann schon mal passieren. Als Tantric verstehen die Amerikaner es, mit adäquatem Gesangsersatz als poppige Creed-Variante nirgends anzuecken anstatt den Hörer mit lauter Fragezeichen im Gedankentümpel alleine zurück zu lassen. Ganz im Gegenteil.

Ungestört läßt sich mit Tantric als Hintergrundbeschallung ein Schmöker wie "Kritik der praktischen Vernunft" auf seine etwaigen Unzulänglichkeiten untersuchen oder mal wieder spülen, obwohl man dies schon fast verlernt hat. Bei übermütigen Vögeleien auf staubigen Ikea-Teppichen ist man vor bösen Überraschungen sicher, und auch sonst ist alles ganz doll prima hübsch. Die Background-Trällereien verlieren sich zwischen Jerry Cantrell und Richie Sambora, und ein großer Hit ist mit "Mourning" auch dabei. Wobei jedoch jeder andere Song in gewisser Weise ein nicht minder großer Hit ist.

Abgerundet wird das unaufgeregte Gesamtwerk durch gefälliges Coverwork und modisch elegant abgestimmte Sonnenbrillen. Und doch haben Tantric so einiges vergessen: daß Meilensteine auch Ecken und Kanten haben. Ein eigenes Profil. Und daß nicht die Technik den Meister macht, sondern erst ein gewisses Talent, das sich in guten Songs manifestiert. So hinterlassen Tantric trotz ihrer nach außen getragenen Sieger-Mentalität in etwa denselben bemitleidenswerten Eindruck wie die Exoten aus Papua-Neuguinea, die bei den Olympischen Geh-Wettbewerben mit halbstündiger Verspätung im Ziel ankommen. Immerhin, geradeaus gehen können sie ja. Und das perfekt.

(Stefan Rensch)

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Highlights

  • Mourning

Tracklist

  1. Breakdown
  2. Live your live (Down)
  3. I don't care
  4. Paranoid
  5. Revillusion
  6. Mourning
  7. Astounded
  8. I'll stay here
  9. Frequency
  10. All to myself
  11. Inside your head

Gesamtspielzeit: 47:36 min.

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