Depeche Mode - Sounds of the universe

Depeche Mode- Sounds of the universe

Mute / EMI
VÖ: 17.04.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Never let me down

Die Liste der Überlebenden ist eine kurze. Nur zwei der großen Synthpop-Bands der Achtziger konnten sich ihre Integrität erhalten. Dass jetzt sowohl die Pet Shop Boys als auch Depeche Mode beinahe zeitgleich ihre Rückkehr feiern, mag Zufall sein. Dass sich beide dabei an die Klänge von damals erinnern, hat aber zumindest bei letzteren Methode. Martin Gore ersteigerte sich bei eBay ein paar schicke Spielzeuge, um es auf "Sounds of the universe" angenehm analog quietschen und quengeln zu lassen. Der Glaube an die eigene Einzigartigkeit erübrigt schließlich unnötige Modernismen.

Er war nicht zu erwarten, dass der Opener "In chains" erst allerlei Sphärenklänge ausprobiert, bis sich einer dieser flehenden Gospel aus dem Flirren erhebt. Dass Dave Gahan dafür allerlei dunkle Leidenschaften mitschleppt, ist jedoch Ehrensache. Gahan hadert mit der Versuchung und wird gleich mal in Ketten gelegt, während der Groove langsam Fahrt aufnimmt und Gores Gitarre grollt. Mit der verhaltenen Beunruhigung zum Auftakt gibt das zwölfte Album der Briten seinen Reiz nicht direkt preis. Auch der nervöse Beat von "Hole to feed" verspricht keine Erlösung, sondern zerreibt sich zwischen eckigen Riffs und Gahans Barmen. "Words can leave you broken inside."

Depeche Mode stellen sich also weiter in den Schatten, in denen ihr Pop so wunderbare Blüten wie die Single "Wrong" treiben kann. Gahan dekliniert herunter, was alles so schiefgehen kann, nölt sich dabei in echte Rage und gibt derart angefressen auch noch einen Dreck auf so etwas Vorhersehbares wie einen Refrain. Wo sich "Martyr" vor ein paar Jahren noch nachsagen lassen musste, nicht ganz auskomponiert worden zu sein, geht "Wrong" exakt auf den Punkt und bricht entschlossen ab, als alles gesagt ist.

Auch wenn sich "Sounds of the universe" der ganzen Welt widmen will, sind es doch vor allem sehr persönliche Niederlagen und Unzulänglichkeiten, die seine Songs prägen. Gahans "Come back" fordert zu hallendem Unbehagen die Rückkehr der Geliebten und ignoriert im Rausch der Melodie die Aussichtslosigkeit seiner Wünsche. Der sich schlängelnde Groove von "Miles away / The truth is" kennt die Sinnlosigkeit und preist den Rückzug als Chance. Und wenn Gore sich in den fraktalen Bossanova "Jezebel" wirft, gelingen ihm Zeilen wie "For what you like to wear / You're morally unwell." Selbst wenn die Gänsehaut aus Bits und Bytes besteht, fühlt sie sich wohlig an.

Der Electro-Sleaze von "Corrupt", die hüpfenden Viertel von "In sympathy" und "Peace" und das gemächliche Blubbern von "Perfect" schütteln ihre Melodien locker aus dem Ärmel. Selbst wenn den Beats der Sinn nach Pumpen steht, bleibt der Sound im Fluss. So spiegelt auch der Retrofuturismus von "Spacewalker" exakt das wider, was sein Titel verlangt. Als Rückgriff an die alten Zeiten mogelt das Klangdesign aber auch mal wieder metallisches Klirren in die Songs. Was "Sounds of the universe" dabei aber gelegentlich fehlt, sind die Momente des Überschwangs, mit denen üblicherweise die Hymnen aus dem Halbdunkel gleich ins Stadionflutlicht hüpfen. Das Album will als Ganzes stehen. Dafür gibt es dieses Mal mehr Intimität, kleine Harmonien und entspannte Melodien. Die Gelöstheit verstärkt sich noch, wenn Gores und Gahans Stimmen sich umarmen. "There are never any conflicts / There are never any fights." Noch aber meldet das Zirpen der Synthesizer leise Zweifel an. Allzu viel Verträglichkeit hemmt schließlich die kreative Spannung.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • In chains
  • Wrong
  • Come back
  • Jezebel

Tracklist

  1. In chains
  2. Hole to feed
  3. Wrong
  4. Fragile tension
  5. Little soul
  6. In sympathy
  7. Peace
  8. Come back
  9. Spacewalker
  10. Perfect
  11. Miles away / The truth is
  12. Jezebel
  13. Corrupt

Gesamtspielzeit: 56:10 min.

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User Beitrag
Suttondgp
2013-03-16 09:46:33 Uhr
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2012-03-17 18:44:07 Uhr
hab'das auch so gemeint
rue
2012-03-17 10:06:02 Uhr
sounds of the universe beschissenstes album ever
eur
2012-03-16 14:57:54 Uhr
sounds of the universe bestes album ever
Tom
2012-03-15 21:42:17 Uhr
Die TOP-Alben:
1.Black Celebration
2.Construction time again
3.Ultra
Tom
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