Brakes - Touchdown

Brakes- Touchdown

Fat Cat / Rough Trade
VÖ: 24.04.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zehnmal länger

Man braucht sich da nichts vorzumachen: In 500 Jahren werden Brakes nicht mehr mehr sein als ein Kaffeefleck auf der vorletzten Anmerkungsseite im großen Buch der Rockmusik. Eine Band, die das Spaßprojekt von Leuten aus drei anderen Bands (British Sea Power, The Electric Soft Parade und The Tenderfoot) war und es irgendwie schaffte, damit spannender zu werden als die besagten drei Hauptbands. Schon nicht schlecht also, nur - verglichen mit, sagen wir mal, Beethoven? Big fucking deal. Eines kann dieser Rockgruppe aus Brighton aber niemand mehr nehmen: Brakes werden für immer die eine Band bleiben, die Dick Cheney genau so viel Zeit gegeben hat, wie er verdient. In elf Sekunden und 16 Worten haben sie ihn auf ihrem 2005er Debütalbum "Give blood" abserviert. Und jetzt, wo er endlich weg ist, können sie sich natürlich auch mit gutem Recht ein paar längere Lieder vornehmen.

"All I grew is disillusioned", singen Brakes am Ende der ersten Strophe ihres mittlerweile dritten Albums "Touchdown" und verbringen die nächste gute halbe Stunde damit, sich selbst zu widerlegen. Schon der Opener "Two shocks" steigert sich in der letzten seiner beinahe vier Minuten in eine Gitarrenschießerei, die es so pointiert von Brakes noch nicht anzuhören gab. "Don't take me to space man (man)" spielt anschließend den quirligen, posthumen Brit-Rock-Bengel, den Graham Coxon dringend für sein nächstes Album braucht. "Red rag" ist klassischer Epileptiker-Boogie wie vom British-Sea-Power-Debüt, nur dass Eamon Hamilton so was eben nur noch mit Brakes aufführen kann oder will. Und "Crush on you" schlägt schließlich nahe am Herzen dieser gerne so albernen Band. Sie kann halt auch mit Gefühl, alles eine Einstellungsfrage.

Man hört "Touchdown" also nicht an, dass es erst im zweiten Versuch erfolgreich aufgenommen wurde und überhaupt alles zehnmal länger gedauert hat als bei seinen beiden Vorgängern zusammen. Die eigentlichen Überraschungen hier sind nämlich, wie geduldig sich der sehnsüchtige Wiederholungstäter "Oh! forever" über seinen trockenen Albini-Bass in ein längliches Gitarrensolo-Outro hineinsteigert und wie "Why tell the truth (when it's easier to lie)" nach lieblichem Akustikauftakt seine Trinker- und Rotzlöffelmentalität entdeckt. Brakes schaffen das alles weiterhin so beiläufig und offenbar unberührt von ihrer eigenen Courage, dass sie mittlerweile die besseren Supergrass, Gomez und eben British Sea Power, The Electric Soft Parade und The Tenderfoot sind, ohne dass es irgendjemandem aufgefallen wäre. Ein musikalischer Glücksfall und ein marketingtechnisches Fiasko - ganz nach dem Geschmack dieser prima gleichmütigen Band.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Two shocks
  • Don't take me to space (man)
  • Crush on you
  • Why tell the truth (when it's easier to lie)

Tracklist

  1. Two shocks
  2. Don't take me to space (man)
  3. Red rag
  4. Worry about it later
  5. Crush on you
  6. Eternal return
  7. Do you feel the same?
  8. Ancient mysteries
  9. Oh! forever
  10. Hey hey
  11. Why tell the truth (when it's easier to lie)
  12. Leaving England

Gesamtspielzeit: 36:08 min.

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